3.01.2017 11:20
Quelle: schweizerbauer.ch - Daniel Salzmann
Einfluss (1/2)
Die 12 einflussreichsten Landwirte der Schweiz
Für die Belange der Schweizer Bauernfamilien setzen sich unzählige Landwirte jeden Tag aktiv ein. Wir haben hier die 12 einflussreichsten Landwirte bestimmt.

Hoch gewichtet wurde dabei der Einfluss auf wichtige Unternehmen der Schweizer Land- und Ernährungswirtschaft. In einer ersten Serie folgen hier 6 Landwirte, später werden weitere 6 vorgestellt. Ebenfalls werden auf www.schweizerbauer.ch später die 12 einflussreichsten Bäuerinnen/Landwirtinnen präsentiert.

Markus Ritter: Er ist Präsident des Schweizer Bauernverbandes (SBV), des Dachverbandes der Schweizer Landwirtschaft. Mit seinem Engagement und seinen Kenntnissen prägt er nicht nur den Vorstand, sondern auch die Geschäftsleitung des SBV. Dort arbeiten 124 Personen, das Budget beträgt um die 19 Millionen Franken im Jahr. Für alle politischen Anliegen ist Ritter zentral: Wenn er nicht will, bewegt sich das BLW sicher nicht (er trug im letzten Jahr zum Beispiel die SMP-Forderung nach einem millionenschweren Hilfspaket für die Milchbauern nicht mit, weil die Bauern sich aktuell ohnehin gegen Sparbemühungen des Bundes wehren müssen). Er ist auch bei allen Spitzengesprächen mit Interessengruppen dabei (Coop, Migros, Economiesuisse, Hotelleriesuisse etc.). Seine Bedeutung kommt auch von seinem Sitz für die CVP im Nationalrat her, wo er insbesondere in der Kommission für Wirtschaft und Abgaben (WAK) sitzt, der wichtigsten Kommission überhaupt, die die agrarpolitischen Vorlagen berät (aber auch Vorlagen wie die Unternehmenssteuerreform III). Ritter ist zudem Präsident des Initiativkomitees der Initiative für Ernährungssicherheit und damit Präsident des Gremiums, das über das Aufrechterhalten bis zur Volksabstimmung oder einen Rückzug der Initiative im Falle eines Gegenvorschlags entscheidet. Zudem hat Ritter als SBV-Präsident auch massgeblichen Einfluss auf die Agrisano-Gruppe und das landwirtschaftliche Bau- und Architekturbüro, in denen weitere rund 200 Personen arbeiten.

Hanspeter Kern: Auf Kern geht zurück, dass alle Mitglieder der Genossenschaft Vereinigten Milchbauern Mitte-Ost (VMMO) jährlich mit Rabatt im Dreisterne-Hotel Waldhaus am See in St. Moritz übernachten dürfen. Denn er setzte im Milchverband Winterthur durch, dass dieser nicht alle Immobilien in die Swiss Dairy Food einbrachte, die später Konkurs machte. Heute ist Kern Präsident des Verbandes Schweizer Milchproduzenten (SMP) und damit des grössten landwirtschaftlichen Verbandes der Schweiz (Umsatz 2015: rund 48 Millionen Franken). Die SMP vertreten die Milch und damit den wichtigsten Produktionszweig der Schweizer Landwirtschaft. Sie sind der grösste Beitragszahler an den Schweizer Bauernverband, Kern sitzt deshalb auch dort im Vorstand.

Die SMP erbringen auch für andere Verbände Dienstleistungen (Marketing, Übersetzungen etc.) und haben vielerorts eine wichtige Stimme (z. B. bei der Emmentaler Schaukäserei, bei Agro-Marketing Suisse AMS oder dem Landwirtschatlichen Informationsdienst LID, um nur einige zu nennen). Wichtig ist Kerns Vorstandssitz in der Branchenorganisation Milch (BOM), wo er über den A-Richtpreis, die Ausgestaltung der Segmentierung, die Nachfolgelösung fürs Schoggigesetz und vieles mehr mitentscheidet. Und Kern ist Präsident des Landwirtschaftlichen Genossenschaftsverbandes Schaffhausen  bzw. der GVS-Gruppe, die zahlreiche Aktivitäten und Tochtergesellschaften hat (u.a. die Traktorenmarken Fendt, Massey Ferguson und Valtra in die Schweiz importiert). Die GVS-Gruppe setzte im Jahr 2015 rund 218 Millionen Franken um.

Pierre-André Geiser: Er ist Präsident der Verwaltung der Genossenschaft Fenaco. In ihr haben sich 217 bäuerliche Genossenschaften (LANDI) zusammengeschlossen. Der Fenaco-Landi-Konzern setzte im Jahr 2015 über 6 Milliarden Franken um und beschäftigte fast 10'000 Mitarbeiter. In der Division «Agrar» der Fanco sind zahlreiche Firmen zusammengefasst, die für die Schweizer Bauernfamilien unentbehrliche Vorleistungen anbieten oder Produkte abnehmen und weiterverkaufen: Ufa, Anicom, Claas (via Serco Landtechnik), Landor, Agroline, Melior und andere mehr. In der Division «Nahrungsmittel» sind zahlreiche grosse Verarbeiter von landwirtschaftlichen Produkten gruppiert: Frigemo (u.a.Tiefkühlprodukte), Steffen Ris (Gemüse, Früchte), Ernst Sutter AG, Reber und Gemperli (Fleisch), Ramseier (Fruchtsäfte), Eico (Eier), Divino, Divo und Garnier (Wein) und andere mehr. In der Division «Detailhandel» sind die Landi-Läden, Volg-Läden, die Top-Shop-Läden zusammengefasst. Dazu kommen noch die Agrola-Tankstellen und die Aktivitäten im Solar-Bereich via Solvatec in der Division «Energie» plus weitere Tochterunternehmen wie die die Transporteurin «Traveco». Die Fenaco hat für die Schweizer Landwirtschaft eine sehr grosse Bedeutung. Geiser bestimmt dort die Strategie mit und hat direkten Zugang zum Management um CEO Martin Keller. Und Geiser sitzt als Fenaco-Präsident auch im Vorstand des Schweizer Bauernverbandes.  

Thomas Oehen-Bühlmann: Er ist Präsident der Genossenschaft Zentralschweizer Milchproduzenten (ZMP). Diese hat 3280 Mitglieder und verkauft jährlich 380 Millionen Kilogramm Milch (Stand 2015) zu einem überdurchschnittlichen Preis. Die ZMP hat eigene starke Verarbeiter in Hergiswil bei Willisau und Marbach-Schangnau, veranstaltet Tagungen wie die Käsereitagung und den Politapéro und weist eine professionelle Kommunikationsstelle auf. Als ZMP-Präsident sitzt Oehen auch im Vorstand der Dachorganisation Schweizer Milchproduzenten (SMP) und hat dort eine gewichtige Stimme. Aktuell setzt er z. B. im Newsletter SMP-Direktor Stephan Hagenbuch unter Druck, indem er schreibt, für diesen werde die laufende Überprüfung der SMP unter Beizug externer Fachleute zur «grossen Herausforderung». Oehens grosser Einfluss rührt aber vor allem daher, dass die ZMP via ihre Tochter ZMP Invest AG Mehrheitsaktionärin der Emmi-Gruppe ist und dass Oehen dort Vizepräsident des Verwaltungsrats ist. Emmi ist mit 910 Millionen Kilogramm verarbeiteter Milch die grösste Molkerei der Schweiz und auch im Ausland dank dem Zukauf zahlreicher Spezialitätenmolkereien sehr erfolgreich. 3,2 Milliarden Franken betrug der Umsatz im Jahr 2015, 120 Millionen Franken der Reingewinn. Weltweit belief sich der Personalbestand in Vollzeitstellen auf 5405 Stellen (per 31.12.2015). Oehen bestimmt über die Strategie des Milliarden-Konzerns mit und hat direkten Zugang zum Management um CEO Urs Riedener.

Urs Brändli: Er ist Präsident von Bio Suisse, der Dachorganisation derjenigen Schweizer Bauernfamilien, die nach den Richtlinien der Knospe Bio-Landbau betreiben. 6031 Betriebe waren es Ende 2015. Weil der Biomarkt aber wächst und vielen Bauernfamilien auch wirtschaftlich interessante Möglichkeiten (z. B. galt Biomilch im Oktober laut Milchpreismonitoring im Durchschnitt 81,86 Rp.kg ab Hof), ist die Bedeutung von Bio Suisse und damit auch von Brändli sehr gross. Denn mit der Knospe ist die mit Abstand wichtigste Biomarke der Schweiz in der Hand der Bio Suisse. Es ist die Bio Suisse, die an ihrer Delegiertenversammlung abschliessend über die Richtlinien zur Knospe entscheidet. In den Kommissionen bzw. Gremien der Bio Suisse fliesst sehr viel Wissen aus der ganzen Bio-Szene zusammen. Brändli pflegt die Spitzenkontakte zu Coop (zu der die wechselseitige Abhängigkeit gross ist), Bauernverband und anderen «Stakeholders». Er entscheidet mit, wenn es darum geht, dem Discounter Aldi die Verwendung der Knospe weiterhin zu verwehren. Brändlis Leute auf der Geschäftsstelle der Bio Suisse nehmen Einfluss auf fast alle Märkte mit Knospe-Produkten via die Produktmanagement-Stellen. Mit Geld für Forschungsprojekte kann Brändli auch Einfluss auf das Institut für biologischen Landbau (Fibl) nehmen. Bio Suisse setzte im Jahr 2015 über 14 Millionen Franken um, auf der Geschäftsstelle arbeiten um die 50 Personen. Politisch ist die Bio Suisse auch insofern bedeutend, als sie ein wichtiges Mitglied der Lobbyorganisation namens Agrarallianz ist. Diese prägte z.B. die AP 14-17 entscheidend mit und half massgeblich die Abschaffung der Tierbeiträge durchzusetzen.

Andreas Stalder: Er ist Präsident von IP-Suisse und vertritt damit über 20’000 Betriebe in der ganzen Schweiz, die IPS-zertifiziert sind und somit aktiv die Biodiversität fördern. Dass derzeit vor jeder Filiale des Discounters Denner Fahnen mit dem Marienkäfer-Gütesiegel wehen, geht auf eine Weichenstellung von Stalder zurück: Migros-Tochter Denner darf den Käfer haben (nicht aber die beiden «Harddiscounter» (O-Ton Stalder) Aldi und Lidl). Sehr bedeutend für die IP-Suisse ist die Partnerschaft mit dem Grossverteiler Migros, der die Mehrwert-Produkte von IP-Suisse-Bauern allerdings unter dem eigenen Label «TerraSuisse» verkauft (im Jahr 2014 waren es 670 Millionen Franken, welche die Migros mit IPS-Produkten umsetzte). Auch der grosse Kantinenbetreiber SV Group kauft jährlich IPS-Produkte für über 10 Millionen Franken (z.B. bietet er ausschliesslich IPS-Wiesenmilch an). Jährlich resultieren dank IPS-Produkten mehrere Millionen Franken an Mehrerlösen an die Bauern. IPS ist ein bedeutender Player auf dem Getreide- und Fleischmarkt. Im Schlachtviehmarkt hat sich die Bedeutung mit der Übernahme der Firmen der Schneider-Gruppe (Schneider Vieh und Fleisch AG, ASF Sursee AG und IPS-Kuvag) noch einmal verstärkt. IPS handelt damit auch Labeltiere für den Coop-Kanal. Die IP-Suisse-Spitze um Präsident Stalder gibt sich gerne apolitisch, will sich z. B. zur Initiative für Ernährungssicherheit nicht äussern. Trotzdem ist IP-Suisse Mitglied der Lobbyorganisation Agrarallianz, die z.B. bei der AP 14-17 wichtige Fäden zog und für die Abschaffung der Tierbeiträge weibelte. 

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