6.01.2017 09:42
Quelle: schweizerbauer.ch - Daniel Salzmann
Einfluss (2/2)
Die einflussreichsten Landwirte der Schweiz
Für die Belange der Schweizer Bauernfamilien setzen sich unzählige Landwirte jeden Tag aktiv ein. Wir haben hier die 12 einflussreichsten Landwirte bestimmt. Hoch gewichtet wurde dabei der Einfluss auf wichtige Unternehmen der Schweizer Land- und Ernährungswirtschaft.

Ebenfalls werden auf www.schweizerbauer.ch später die 12 einflussreichsten Bäuerinnen/Landwirtinnen präsentiert.

Hansjörg Walter: Er präsidierte von 2000 bis 2012 den Schweizer Bauernverband. Im Jahr 2012 war er (während der Beratungen der Reform AP 14 17) gleichzeitig Nationalratspräsident. Diese beiden Ämter hat Walter nicht mehr inne. Aber er sitzt weiterhin im Nationalrat und vor allem in der wichtigen Kommission für Wirtschaft und Abgaben (WAK), welche die agrarpolitischen Vorlagen behandelt, aber auch Projekte wie die Unternehmenssteuerreform III. In der achtköpfigen Delegation der SVP in der WAK ist er der einzige Landwirt. Walter hat damit auch eine zentrale Rolle, wenn es darum geht, innerhalb der SVP den Landwirtschaftsflügel gegenüber den Gewerbe-, Industrie-, Hauseigentümer- und Finanzflügel zu positionieren. So ist der Thurgauer auch dabei, wenn Ende Januar die WAK des Nationalrats sich erneut über die Initiative für Ernährungssicherheit und neu vor allem auch über den Gegenvorschlag des Ständerates beugen wird. Viele in der Schweiz können sagen, der Gegenvorschlag sei gut, untauglich oder müsse verbessert werden – Walter hat die Möglichkeit, dazu einen konkreten Antrag einzureichen. Walter sitzt auch im Initiativkomitee. Er hat zum Entscheid beigetragen, dass im Dezember dort nur 2 von 27 Personen den Antrag unterstützten, dass der Gegenvorschlag zu verbessern sei. Alle anderen, so dem Vernehmen nach auch Walter, stimmten für den Beschluss, sowohl Initiative als auch den vorliegenden Gegenvorschlag zu unterstützen.

Ruedi Bigler: Er führt zusammen mit seiner Familie in Moosseedorf bei Bern einen grossen Betrieb mit den Betriebszweigen Milch, Schweine, Ackerbau und Holz. Zusammen mit seinen persönlichen Kompetenzen gibt ihm dies bereits auf lokal-regionaler Ebene Einfluss. So präsidiert Bigler etwa den Regionalausschuss Mittelland der Anicom. Seit Jahren engagiert er sich als Milchproduzent für die Vermarktung der Milch, früher in der Lobag Milch AG, heute in der Aaremilch AG. Der Verwaltungsrat der Aaremilch AG schlägt ihn als neuen Präsidenten vor (gewählt wird Ende Februar). Bereits seit mehreren Jahren aber vertritt Bigler die Aaremilch im Vorstand der Branchenorganisation Milch (BOM). Er sitzt dort an einem Tisch mit den Vertretern der grossen Milchverarbeiter und Detailhändlern. Im BOM-Vorstand entscheidet er über den A-Richtpreis, die Ausgestaltung der Segmentierung, die Nachfolgelösung fürs Schoggigesetz und vieles mehr mit. Im Mai 2013 wählte die IG Produzenten in der BOM den Berner auch zum Vizepräsidenten der BOM.

Andreas Aebi: Er ist SVP-Nationalrat und sitzt dort in der begehrten Aussenpolitischen Kommission (APK), die er 2012/2013 auch präsidierte. In dieser Kommission bespricht er mit Bundesrat und Spitzenbeamten zukünftige Handelsverträge und Verhandlungsmandate. Als Mitglied der Parlamentarischen Versammlung der OSZE hat er weitere Gelegenheiten zu internationalen Kontakten. Der Berner war auch zwei Jahre Präsident dieser Delegation. Aebi ist Präsident der Arbeitsgemeinschaft Schweizerischer Rinderzüchter (ASR), des Dachverbandes der Rindviehzüchter. Als solcher hat sich Aebi für das neue «Reglement für das Bereitstellen und die Auffuhr von Tieren an Milchviehausstellungen» eingesetzt, das am 1. Januar 2017 in Kraft trat. Via Medien hatte er vorher die Linie vorgegeben. Er wolle z. B. kein Eis an Eutern mehr sehen. Nationalratskollegen wollten die politische Unterstützung für die Landwirtschaft aufgeben, wenn an Milchviehausstellungen nicht Ordnung gemacht werde, liess er damals verlauten. Aebi wird für zahlreiche Auktionen gebucht und hat nicht zuletzt über sein erfolgreiches Reiseunternehmen «Aebi Reisen AG» ein sehr grosses Netzwerk.  

Hans Jörg Rüegsegger: Er wurde 2012 Präsident des Berner Bauernverbandes (BEBV). Dies als Kandidat ausserhalb des Berner Agrar-Establishments. Als BEBV-Präsident steht er an der Spitze des grössten kantonalen Bauernverbandes der Schweiz. Im Kanton Bern gab es Ende 2015 noch fast 11'000 Betriebe (wobei nicht alle Mitglied des Berner Bauernverbandes sind, die Tendenz ist aber steigend). Rüegsegger hat deshalb eine wichtige Stimme im Vorstand des Schweizer Bauernverbandes. Mittlerweile ist der Berner auch in die kantonale Politik eingestiegen, er sitzt für die SVP im Grossen Rat. Als neugewählter BEBV-Präsident machte er sofort kantonale Politik, indem er zusammen mit BDP und Grünen (aber bewusst ohne SVP) eine kantonale Kulturlandinitiative lancierte. Nachdem der Grosse Rat im Baugesetz Änderungen im Sinne des BEBV beschlossen hatte, wurde diese letzten Sommer zurückgezogen. Zusätzlichen Einfluss hat Rüegsegger seit Mitte 2016 als Präsident der Anti-Freihandels-Lobbyorganisation Sals-Schweiz. So versandte die Sals im Dezember im Namen von Rüegsegger ein Communiqué, in dem der Gegenvorschlag des Ständerates zur Initiative wegen «gefährlicher Mängel» als «inakzeptabel» bezeichnet wurde.

Fritz Glauser: Er ist Vizepräsident des Schweizer Bauernverbandes (SBV). In dieser Funktion bespricht er zusammen mit Präsident Ritter und den anderen zwei Vizepräsidenten sämtliche Vorstandsgeschäfte des SBV vor. Er sitzt ebenfalls im Initiativkomitee der Initiative für Ernährungssicherheit. Weiter ist Glauser Präsident des Schweizerischen Getreideproduzentenverband und damit einer der grössten und wichtigsten Mitgliedorganisationen des SBV. Glauser ist auch Präsident von Swiss Granum und damit oberster Repräsentant der ganzen Getreidebranche. Von dort her hat er viele Kontakte zu Händlern und Verarbeitern und prägt u.a. die Ausarbeitung der Nachfolgelösung fürs Schoggigesetz mit. Glauser ist seit kurzem auch Vizepräsident des Weltbauernverbandes. Aber kantonal ist er ebenfalls aktiv: Der gebürtige Thurgauer ist Präsident des Freiburger Bauernverbandes und sitzt für die FDP im Grossen Rat. Mit seiner Zweisprachigkeit ist Glauser ein wichtiger Brückenbauer zwischen der welschen und der deutschen Schweiz.

Jean-René Germanier: Einst war er als FDP-Nationalrat Mitglied der wichtigen Kommission für Wirtschaft und Abgaben (WAK) und lancierte dort unter anderem Vorstösse zur zusätzlichen Marktöffnung bei Milch und Fleisch. Doch 2015 wurde der Walliser abgewählt, wohl auch weil er 2014 als Mitinhaber einer grossen Kellerei für einen ungesetzlichen Weinverschnitt bestraft wurde. Doch diese Kellerei, die nicht nur Reben von eigenem Land, sondern auch eine grosse Menge zugekaufter Reben keltert, führt er zusammen mit seinem Neffen Gilles Besses unverändert mit grossem Erfolg. Seine Spitzenweine – darunter ein Syrah namens «Cayas» und ein Amigne-Süsswein namens «Mitis» - verhelfen ihm in der Weinszene zu grossem Prestige. Sein Neffe Gilles Besses ist Präsident von Swiss Wine Promotion und hat damit eine zentrale Stelle in der Schweizer Weinwelt inne. Zu den 12 einflussreichsten Landwirten der Schweiz zählt Germanier aber auch, weil er Mitglied der Verwaltung des Migros-Genossenschafts-Bundes ist. Damit hat er direkten Zugang zum Management des grössten Detailhändlers der Schweiz (und grössten Abnehmerin landwirtschaftlicher Produkte).

Bereits vorgestellt wurden: 

Markus Ritter: SBV-Präsident, Nationalrat, Mitglied der WAK 

Hanspeter Kern: SMP-Präsident, Mitglied des BOM-Vorstand, Präsident der GVS-Gruppe 

Pierre-André Geiser: Präsident der Fenaco 

Thomas Oehen-Bühlmann: Präsident ZMP, Vizepräsident VR Emmi-Gruppe 

Urs Brändli: Präsident Bio Suisse 

Andreas Stalder: Präsident IP-Suisse 

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