9.02.2013 08:21
Quelle: schweizerbauer.ch - Daniel Salzmann/Samuel Krähenbühl
Verbände
Die Nähe der Verbände zu Abnehmern
Die Nähe der Verbände zu Abnehmern Der Vorstand sei zu stark mit dem Milchhandel verhängt, begründeten Peter Gfeller und Albert Rösti ihren Rücktritt bei den Schweizer Milchproduzenten (SMP). Doch Abhängigkeiten gibt es auch bei anderen Verbänden.

Bäuerliche Vertreter nehmen gleichzeitig in Verbänden, Milchhandelsorganisationen und sogar Molkereien Einsitz. Dort müssten sie teilweise sogar diametral widersprechende Interessen wahrnehmen, kritisierten SMP-Präsident Peter Gfeller und SMP-Direktor Albert Rösti letzten Freitag anlässlich ihrer Rücktrittserklärung. «Die meisten Vorstandsmitglieder stehen in einem Zielkonflikt zwischen den Interessen der Milchbauern einerseits und den Interessen ihrer Milchhandelsorganisationen andererseits», meinte  Gfeller wörtlich.

Doch die SMP als Dachverband der Milchproduzenten sind bei weitem nicht der einzige Verband, der direkt oder zumindest über seine Spitzenvertreter von der nachgelagerten Stufe wie Verarbeitern oder Detailhändlern abhängig ist.

Fenaco im SBV-Vorstand

Sogar im Schweizerischen Bauernverband (SBV) sind diese Abhängigkeiten recht deutlich festzustellen. So sitzt mit Lienhard Marschall der Präsident der mächtigen Fenaco im Vorstand. Auch in der SBV-Delegiertenversammlung hat die Fenaco drei Stimmrechte. Die Fenaco hat in einigen Bereichen eine dominierende Stellung, so beispielsweise im Kartoffelhandel, und verfügt auch über mehrere Verarbeitungsbetriebe.

Migros in SBV-Vorstand

Aber auch sonst kommt es immer wieder vor, dass im SBV-Vorstand Vertreter mit verschiedenen Hüten sitzen. Ein Beispiel dafür war jahrelang Nationalrat Jean-René Germanier (FDP, VS), der 2011 sogar Nationalratspräsident war. Der Weinbauer war von 2003 bis 2010 Präsident des Walliser Bauernverbands und sass von 2004 bis 2010 im SBV-Vorstand. Von 2004 bis 2008 war er Präsident von Migros Wallis, und seit 2007 sitzt er im Verwaltungsrat  des Migros-Genossenschafts-Bundes. Im Nationalrat hat Germanier denn auch sehr häufig für die Interessen der Migros und gegen die Parolen des Bauernverbandes gestimmt.

IP-Suisse und Migros

Einen besonders guten Draht in die bäuerlichen Organisationen hat die Migros auch über die IP-Suisse. Spätestens seit der Schaffung des Labels «Terra Suisse» gleichen sich die politischen Verlautbarungen von IP-Suisse und Migros teilweise bis auf Punkt und Komma. So hat die IP-Suisse im Juni 2011 passagenweise wörtlich die gleiche Vernehmlassungsantwort zur Agrarpolitik 2014–2017 (AP 2017) eingereicht.

So «unterstützten» beide – Migros und IP-Suisse – im Gegensatz zum SBV die Stossrichtung der AP 2017 und «begrüssten» die Aufhebung der RGVE- und TEP-Beiträge. Im Chor forderten sie, die Versorgungssicherheitsbeiträge seien zu hoch und Gelder in die Übergangsbeiträge umzuleiten. Ebenfalls im gleichen Wortlaut kritisierten sie, es «es fehle die verstärkte Ausrichtung der Direktzahlungen hin zur Förderung der Wettbewerbsfähigkeit der Schweizer Landwirtschaft».

Bio Suisse und Coop

Das, was IP-Suisse für die Migros, ist Bio Suisse für Coop. Beide stehen sich traditionell sehr nahe. Gerade in jüngster Zeit geriet Bio Suisse in die Schlagzeilen, weil sie den Discountern wie Aldi und Lidl die Verwendung der Bio-Suisse-Knospe auf Bioprodukten untersagte. Hinter vorgehaltener Hand wird deshalb bei den Discountern schon lange gemunkelt, dass sie die Knospe nur deshalb nicht erhielten, weil Coop diese monopolisieren wolle.

Sogar die Wettbewerbskommission (Weko) hat das Verhalten von Bio Suisse, welche den Discountern das Benützen des Knospe-Logos untersagt, kritisiert. Bio-Suisse-Präsident Urs Brändli stritt denn in einem Interview im «Schweizer Bauer» vom 27. April 2011 auch nicht ab, dass der Preis für das starke Wachstum des Biomarktes die Abhängigkeit von Grossverteilern ist. «Eine gewisse Abhängigkeit lässt sich wahrscheinlich nicht von der Hand weisen», sagte Brändli wörtlich.

Die grosse Nähe zeigt sich auch daran, dass Coop-Chef Joos Sutter Brändli kürzlich einen handsignierten Hans-Erni-Kunstdruck überreichte, der laut «Coop-Zeitung» bei Brändli einen schönen Platz in seinem Wohnhaus bekommen wird (siehe Bild). Im Jahr  2013 ehrt Coop mit einem Erni-Bild jeden Monat eine Institution, im Fall von Bio Suisse ging das Bild aber an den Präsidenten persönlich.

Igas-Mitglieder

Typisch für IP-Suisse und Bio Suisse ist auch ihre positive Haltung zum EU-Agrarfreihandel. Beide sitzen Seite an Seite mit der Nahrungsmittelindustrie und den jeweils befreundeten Detailhandelsunternehmen Migros und Coop in der Igas, der Lobbyorganisation der Befürworter eines Agrarfreihandelsabkommens.

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