7.06.2014 06:29
Quelle: schweizerbauer.ch - Raphael Bühlmann
Preise
«Diese Pizza würde ich nicht kaufen»
Im Bericht «Preise und Kosten» präsentiert Preisüberwacher Stefan Meierhans Massnahmen, um Preise in der Schweiz zu senken. Darin spricht er sich auch für einen Agrarfreihandel mit der Europäischen Union aus.

«Schweizer Bauer»: Gestern habe ich bei Aldi eine  Pizza Margherita mit Tomatensauce, Edamer Käse und Mozzarella gekauft. Hergestellt wurde diese in Berlin. Was würden Sie dafür zahlen?
Stefan Meierhans: Diese Pizza würde ich nicht kaufen. Aber ich schätze, sie kostet 1.80 Franken.

Sie kostet 1.09 Franken.
Sehr günstig.

Bei vielen Lebensmitteln hat man heute die Wahl, und man kann sehr günstig einkaufen.
Dem ist so. Aber eben nicht bei allen Produkten. Also, ich bin beispielsweise ein leidenschaftlicher Fleischesser, und das ist einfach sehr teuer in der Schweiz.

In Ihrem letzte Woche erschienenen Bericht «Preise und Kosten» schlagen Sie  unter anderem einen EU-Agrarfreihandel vor. Was sind die Gründe dafür?
Erstens führt Wettbewerb grundsätzlich zu mehr Effizienz. Der Wettbewerb ist der beste Preisüberwacher – aber auch der beste Innovations- und Produktivitätstreiber. Zweitens hat der Einkaufstourismus in den vergangenen Jahren stark zugenommen. Drittens hat ein hoher Lebensmittelpreis eine sogenannte Reflexwirkung. Beispielsweise setzen internationale Kosmetikunternehmen die Preise für Shampoo, Hautcreme usw. basierend auf nationalen Warenkörben an, die massgeblich aus Lebensmitteln bestehen. Das bedeutet, dass Artikel im Non-Food-Bereich direkt mit den Lebensmittelpreisen zusammenhängen. Viertens haben  hohe Lebensmittelpreise auch eine Reflexwirkung auf unsere Gastronomiebetriebe, die dadurch weniger konkurrenzfähig sind.

Als man das Cassis-de-Dijon-Prinzip eingeführt hat, ging man davon aus, dass der Konsument 2 Mrd. Fr. einspare, was nicht eingetroffen ist...
Anhand der Beispiele Luxemburg und Österreich kann man sehen, dass der Freihandel auf Binnenmärkten durchaus eine Preissenkung zur Folge haben kann. Auf eine Zahl kann man sich aber nicht festlegen.

Absolut gesehen, sind in der Schweiz die Preise für Nahrungsmittel tatsächlich höher. Gemessen am Haushaltsbudget  geben wir am wenigsten fürs Essen aus.
So kann man argumentieren, nur hindert das die Leute nicht daran, im grenznahen Ausland einzukaufen. Ich bin den Konsumenten verpflichtet und muss auf ihre Anliegen eingehen. Ich kann doch den Leuten nicht sagen: «Ihr zahlt zwar für das Fleisch das Doppelte – aber relativ gesehen geht es euch gut.» Das wäre zynisch, zumal es auch Menschen mit sehr schmalem Budget gibt. 

Schweizer Lebensmittel sind teuer, weil die Produktionskosten hoch sind. Bei vielen andern Produkten wird der Preis aufgrund der hohen Kaufkraft festgesetzt. Sollte man da nicht mehr unterscheiden? 
Wir kümmern uns um viele Preise. Der Agrarfreihandel ist nur eine von insgesamt zehn erwähnten Massnahmen, um Preise zu senken. Es sind Vorschläge. Der Politik steht es frei, aus irgendwelchen Gründen den Grenzschutz aufrechtzuerhalten. Dann muss man sich aber nicht über die höheren Preise beklagen. Zum anderen sind die eben erwähnten «Reflexschäden» ein zentrales Argument. Mir ist es wichtig, zu betonen, dass bei einem Agrarfreihandel das Einkommen der Bauern, beispielsweise mittels höherer Direktzahlungen, abgefedert würde. Das scheint mir sinnvoll.

Bearbeiten Sie als Preisüberwacher weitere Themen aus dem landwirtschaftlichen Bereich?
Letztes Jahr verglichen wir Preise von Tiermedikamenten. Aufgrund unserer Arbeit haben wir empfohlen, dass man die Beratung separat von der Tierarznei fakturieren soll, damit die Transparenz gewährleistet werden kann. Zudem haben wir generell ein Auge auf Inputpreise in der Landwirtschaft – zum Beispiel den Wasserpreis. Wir konnten beispielsweise in der Vergangenheit den Wasserpreis für Gemüsebauern in Lausanne im zweistelligen Prozentbereich senken.

Ihr Vorgänger im Amt des Preisüberwachers, Rudolf Strahm, sagte vor zehn Jahren, dass die Schweizer Landwirtschaft etwa eine Milliarde zu viel für Produktionsmittel bezahle. Wo stehen wir heute?
Dies kann ich nicht aus dem Bauch heraus sagen. Was sich aber auch geändert hat, ist der Parallelimport im landwirtschaftlichen Bereich. Das hat beispielsweise im Landmaschinenmarkt eine gewisse Dynamik ausgelöst.

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