2.09.2017 18:25
Quelle: schweizerbauer.ch - sal
SMP AP 22+
Direktzahlungen nach SAK
Der «Schweizer Bauer» hat die Medienmitteilung der Schweizer Milchproduzenten (SMP) vom 30. August unter die Lupe und sich mit provokativen Fragen an den Kommunikationschef Reto Burkhardt gewandt.

Die SMP schreiben: «Zentrales Element der Erwartungen an die künftige Agrarpolitik (AP 2022+) ist die Anpassung der Direktzahlungen an die zukünftigen Ziele. Sie sollen weniger flächenbezogen, aber viel mehr arbeits- und leistungsbezogen ausgestaltet sein.»

Frage «Schweizer Bauer»: Wollen die SMP zurück zu den Tierbeiträgen, die mit der AP 14-17 zum Leidwesen der SMP abgeschafft worden sind? 

Reto Burkhardt: «Die Schweizer Milchproduzenten wollen bei den Direktzahlungen vermehrt den Faktor Arbeit und weniger die Fläche berücksichtigt haben. Wenn Standardarbeitskräfte (SAK) im Vordergrund stehen wird der Arbeitsaufwand und die Leistung, die ein Betrieb erbringt, besser abgegolten als im heutigen System. Damit erreichen wir eine grössere Mobilität der Flächen. Heute geht ein grosser Teil der Flächenbeiträge zu den Eigentümern und bleibt nicht bei Bewirtschaftern»

Die SMP schreiben: «Wichtig und zentral sind ebenfalls gute Rahmenbedingungen für tiefere Kosten in der landwirtschaftlichen Produktion.»

Frage «Schweizer Bauer»: Engagieren sich die SMP jetzt für eine Erleichterung der Parallelimporte bei landwirtschaftlichen Produktionsmitteln (z. B. Traktoren, Maschinen, Dünger etc.)? 

Reto Burkhardt: «Wir prüfen alle sinnvollen Massnahmen, welche einen positiven Effekt auf die Produktionskosten haben. Wenn der Staat dabei die Rahmenbedingungen richtig setzt, leistet dies auch einen Beitrag. Unter anderem meinen wir damit die Förderung des Anbaus von Futterleguminosen in der Schweiz. Der Bund soll hier viel mehr tun als heute.  Einheimische Futtermittel müssen Priorität haben.»

Die SMP schreiben: «Die Förderung von zukunftsfähigen Betrieben soll generell ein wichtiger Bestandteil der AP 2022+ sein.»

Frage «Schweizer Bauer»: Welche Betriebe sind zukunftsfähig? Wollen die SMP weniger und dafür grössere Betriebe?  

Reto Burkhardt: «Die Rolle der SMP besteht darin, möglichst gute Rahmenbediungungen für die Milchproduzenten zu schaffen. Über die Ausrichtung und die Zukunft eines einzelnen Betriebs entscheidet aber der Betriebsleiter und das ist auch gut so. Unsere Vorstellung eines zukunftsfähigen Betriebs ist, dass der Betriebsleiter und seine Familie von der Lebensmittelproduktion auf dem Hof anständig leben können. Was wir brauchen, sind Landwirte, welche die Mehrwerte produzieren können, die uns von der ausländischen Konkurrenz abheben. Wichtig ist uns der Grundsatz, dass die Betriebe bei der Milch grösstenteils auf eigener (einheimischer) Futtergrundlage produzieren sollen.»

Die SMP schreiben: «Die künftige Agrarpolitik muss die Rahmenbedingungen so stellen, dass die marktbezogene Zusammenarbeit in der Wertschöpfungskette auf Augenhöhe stattfinden kann.»

Frage «Schweizer Bauer»: Meinen Sie damit eine Milchmengensteuerung in Produzentenhand? Die frühere SMP-Spitze mit Peter Gfeller und Albert Rösti hat via Motion Aebi eine solche gefordert und dabei immer argumentiert, man brauche dies, um in den Verhandlungen mit den Milchabnehmern nicht im Vornherein zu unterliegen. 

Reto Burkhardt: «Beim AOP-Käse wollen wir die gesetzliche Regelung wie in der EU, damit wir gleich lange Spiesse haben. Die Frage der Mengenführung für den Rest der Milch ist gut und recht, ist aber aktuell in der Milch- und Landwirtschaft und in der Politik nicht mehrheitsfähig. Die Stärkung der Allgemeinverbindlichkeit generell ist für uns und die ganze Landwirtschaft sehr wichtig und dafür setzen wir uns ein. Das stärkt die Position der Milchproduzenten.»

82% des Rindfleisches aus der Milchproduktion

Die SMP betonen, dass die Milchproduktion der bedeutendste Sektor der Schweizer Landwirtschaft ist. Und nennen dazu noch eine bemerkenswerte Zahl: 82 Prozent des Schweizer Rindfleisches werden auf Milchbetrieben produziert. Dies offenbar trotz den Tausenden von Mutterkuh-Betrieben. Der Zusammenhang mit dem Rindfleisch erhöhe die Bedeutung des Milchsektors noch einmal, so die SMP. 


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