22.05.2018 11:50
Quelle: schweizerbauer.ch - blu/sda
Direktzahlungen
Direktzahlungssystem: Ziele erfüllt
Der Bund zieht nach vier Jahren mit dem neuen Direktzahlungssystem in der Landwirtschaft eine positive Bilanz. Die meisten Ziele seien erreicht, schreibt das Bundesamt für Landwirtschaft (BLW). Handlungsbedarf sieht es beim Einsatz von Pflanzenschutzmitteln.

Bei der Reduktion der Umweltbelastungen müssten weitere Fortschritte erzielt werden, heisst es in einer Mitteilung vom Dienstag. Seit dem laufenden Jahr sind neue Anreizprogramme für den Verzicht oder Teilverzicht auf Pflanzenschutzmittel bei Zuckerrüben, Obst und Reben in Kraft. Für weitere Ackerkulturen ist ab 2019 ein Anreizprogramm vorgesehen.

Mehr Ackerflächen

Total wurden in den letzten vier Jahren rund 2,8 Milliarden Franken Direktzahlungen pro Jahr ausgerichtet. Der Gesamtbetrag sank zwischen 2014 und 2015 von 2,803 auf 2,779 Milliarden Franken. In den folgenden Jahren stieg er wieder an, auf 2,805 Milliarden Franken im Jahr 2017.

Im vergangenen Jahr wurden für 1,022 Millionen Hektar Land Direktzahlungen ausgerichtet. Davon sind rund 270'000 ha offene Ackerflächen, 21'000 ha Dauerkulturen wie z.B. Reben und Obstanlagen und 731'000 ha Grünland. Die Flächen der Acker- und Dauerkulturen nahmen seit 2014 um 3000 Hektaren zu. Das zeige, dass die spezifischen Beiträge zur Versorgungssicherheit wie beabsichtigt gewirkt hätten, schreibt das BLW. Der Flächenrückgang bei den direktzahlungsberechtigten Flächen liegt seit 2013 knapp unter 1'000 ha pro Jahr. Das Ziel sei gerade erreicht worden, schreibt das BLW.

Mehr Biodiversität und RAUS

Deutlich über dem Ziel liegen die Biodiversitätsförderflächen (BFF) im Talgebiet. Mit 77'000 ha wurde das Ziel deutlich übertroffen. 40 Prozent aller BFF gelten als hohe Qualität und 75 Prozent sind vernetzt. Zweimal in den vergangenen vier Jahren hatte der Bundesrat die Beitragsansätze für Flächen mit hoher Qualität zu Lasten der tiefen Qualität erhöht, um das Ziel eines Anteils von mindestens 40 Prozent zu erreichen.

Noch nicht erreicht ist dagegen das Ziel, wonach 80 Prozent der Nutztiere regelmässigen Auslauf im Freien haben sollen. Die Beteiligung am Tierwohlprogramm RAUS ist aber seit 2014 kontinuierlich angestiegen. 2017 hatten 76 Prozent aller Nutztiere regelmässigen Auslauf. Potenzial besteht laut dem BLW insbesondere noch bei Kälbern und Aufzuchtvieh. Bei Milch- und Mutterkühen hingegen würden bereits 85 Prozent respektive 93 Prozent nach den RAUS-Vorschriften gehalten.

Aktionsplan Pflanzenschutz

Gestiegen sind die Massnahmen bei der Ressourceneffizienz. Die Ausgaben sind seit 2014 um 24 Prozent gestiegen, schreibt das BLW. Für das Extensoprogramm von Ackerkulturen stiegen die Beiträge um 7%. Um rund 25% haben die Flächen und damit die Ausgaben für den biologischen Landbau zugenommen.

Der Aktionsplan Pflanzenschutzmittel soll die Risiken halbieren. Seit 2018 sind neue Anreizprogramme für den Verzicht oder Teilverzicht auf Pflanzenschutzmittel bei Zuckerrüben, Obst und Reben in Kraft. Für weitere Ackerkulturen ist ein analoges Anreizprogramm ab 2019 vorgesehen. Die Umweltbelastung muss in den nächsten Jahren weiter reduziert werden, mahnt das BLW an

Neue Förderinstrumente

Ende 2017 waren alle angekündigten Instrumente aus der Agrarpolitik 14-17 eingeführt. Als letztes traten im vergangenen Jahr die Hangbeiträge in der Talzone sowie höhere Beiträge für Flächen mit mehr als 50 Prozent Hangneigung in Kraft.

Mehr Geld als früher erhalten mit dem neuen Direktzahlungssystem landwirtschaftliche Betriebe in den Bergen sowie in Gebieten, in denen Tiere gesömmert werden. Weniger Mittel vom Bund erhalten Betriebe im Tal und in den Hügeln. Zu den Auswirkungen auf die Betriebe hatte der Bundesrat im vergangenen Herbst einen Bericht vorgelegt. Die erwarteten Effekte seien eingetroffen, schrieb er. Ob Anpassungen nötig sind, will der Bundesrat im Rahmen der Agrarpolitik ab 2022 prüfen.

GMF: ungenügende Kontrollierbarkeit

Das BLW liess im Bereich Direktzahlungen die Programme Landschaftsqualität und graslandbasierte Milch- und Fleischproduktion (GMF) evaluieren. Zu ersterem wurde festgestellt, dass es ein wirksames Instrument für die Erhaltung und Förderung Landschaft sei. Optimiert werden kann die Koordination mit anderen landschaftsrelevanten Programmen.

Für GMF wurde die ungenügende Kontrollierbarkeit als Schwachpunkt festgestellt. «Das Programm wirkt jedoch einem zunehmenden Kraftfutterverbrauch entgegen», heisst es in der Mitteilung.  Zu den Verteilungswirkungen des neuen Direktzahlungssystems hat der Bundesrat im vergangenen Oktober ausserdem einen umfassenden Bericht verabschiedet. Er hat damit das Postulats Erich von Siebenthal «Agrarpolitik 2014-2017: Korrektur der Abgeltungen» erfüllt.

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