7.08.2018 15:59
Quelle: schweizerbauer.ch - blu
Trockenheit
Dürre: Sofortmassnahmen gefordert
Die Trockenheit setzt der Schweizer Landwirtschaft massiv zu. Um die negativen Effekte zu dämpfen, hat der Bauernverband am Dienstag ein Massnahmenpaket gefordert. Der Bauernverband sieht die Marktpartner in der Pflicht. So wird beispielsweise bei der Industriemilch ein Solidaritätsbeitrag von 5 Rappen pro Kilo verlangt.

Die Trockenheit macht vielen Schweizer Bauern zu schaffen. Nur lokal haben einzelne Gewitter und Schauer für eine Entspannung gesorgt. Mit jedem Tag ohne Niederschlag verschärft sich die Situation. 

Kuhfleischpreis bricht ein

Engpässe gibt es bei der Futterversorgung im Tal und im Sömmerungsgebiet sowie bei der Versorgung mit Winterfutter. Im Ackerbau leiden Mais, Kartoffeln und Zuckerrüben unter dem Wassermangel. Die Wiesen und Weiden an Südhängen und in Talgebiet sind ausgetrocknet. Viehhalter führen mehr Vieh in die Schlachthäuser. In der Folge sind Schlachtviehpreise zusammengebrochen. Am Freitag wurden die Richtpreise um 30 Rappen je Kilo Schlachgewicht gesenkt. Anfang Woche tauchten die Marktpreise um über einen Franken.

Um die Situation zu lindern, hat der Schweizer Bauernverband am Dienstag ein Massnahmenpaket beschlossen. Es brauche rasch erste Massnahmen, schreib der Verband. «Gewisse Kantone und der Bund haben bereits reagiert und erste Massnahmen beschlossen, respektive vorgeschlagen. Der SBV ist froh, dass der Ernst der Lage erkannt ist», heisst es in der Mitteilung weiter.

SBV hat Hauptfokus auf Marktpartner


Das Bundesamt für Landwirtschaft hatte am Montag mitgeteilt, Landwirtschaftsminister Johann Schneider-Ammann habe beschlossen, eine vorübergehende Senkung der Zölle auf Heu und Silomais prüfen zu lassen. Bereits zugesichert wurde zudem, dass Bauern, die mit Liquiditätsproblemen kämpfen, rückzahlbare Betriebshilfe beantragen können. Zudem haben Bauern die Möglichkeit, die Rückzahlung einmalig innerhalb gegebenen Fristen zu sistieren.

Der SBV ging in seiner Mitteilung vom Dienstag nicht im Detail auf diese Punkte ein. Man unterstütze die Massnahmen grundsätzlich, sagte Martin Rufer, Leiter Produktion, Märkte und Ökologie beim SBV, auf Anfrage der Agentur Keystone-SDA. Zu den Futtermittelzöllen werde sich der SBV in den nächsten Tagen äussern. Aber «unser Hauptfokus liegt natürlich bei den Marktpartnern», betonte Rufer.

Der SBV verfolgt drei Stossrichtungen. Dieses umfassen die Sicherstellung der Futterversorgung sowie die Solidarität innerhalb der Branche und der Wertschöpfungskette:

1. Brancheninterne Massnahmen:

  • Um die Verfügbarkeit von Raufutter zu verbessern, sollen Landwirte mit genügend Futter ihr Angebot auf dem Markt und den von kantonalen Bauernverbänden eingerichteten Futterbörsen platzieren. 
  • Landwirte, welche zusätzliche Tiere für die Herbst- und Winterführung aufnehmen können, sollen dies frühzeitig bekannt machen. Dies kann allenfalls ebenfalls kantonal koordiniert werden. 
  • Privatrechtliche Versicherungsangebote zur Absicherung von Ausfällen aufgrund extremer Witterung mit einer Gesamtlösung im Rahmen der Agrarpolitik 22+ ausbauen.

2. Solidarität der Partner in der Wertschöpfungskette: 

  • Die Partner in der Wertschöpfungskette müssen sich solidarisch zeigen und dürfen die Notlage nicht ausnützen, hält der Verband fest. «Insbesondere die Schlachtbetriebe sind angehalten, die Situation nicht schamlos auszunutzen und die Preise für Schlachtkühe derart massiv zu senken, wie dies diese Woche geschah», macht der SBV deutlich. Der Verband empfiehlt den Bauern, auf Panikverkäufe zu verzichten. «Die Preise für Schlachtkühe werden wieder steigen», hält der SBV fest.
  • Der SBV verlangt, dass die vor kurzem bewilligten Importmengen für Kuhfleisch in der aktuellen Marktsituation nicht eingeführt werden. 
  • Da die Kosten für das Futter steigen und die Milchmenge sinkt, fordert der SBV die Detailhändler auf, für die Industriemilch befristet bis am 30. April 2019 fünf Rappen Solidaritätsbeitrag zu bezahlen. Dieser soll vollumfänglich den Milchproduzenten zugute kommen. Alle bestehenden Abzüge sollen eingestellt werden.
3. Technische Bestimmungen rund um die Direktzahlungen:
  • Die tiefen Futtererträge müssen in der betrieblichen Nährstoffbilanz (Suissebilanz) berücksichtigt werden, so dass die betroffenen Bauern ausreichend Futter zukaufen können. 
  • Beim freiwilligen Programm des regelmässigen Auslaufes im Freien (RAUS) ist zu berücksichtigen, dass die Tiere auf den Weiden nichts mehr zu Fressen haben. 
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