12.07.2014 13:27
Quelle: schweizerbauer.ch - Interview: Raphael Bühlmann, Samuel Krähenbühl
Emmentaler
«Emmentaler ist der König der Käse»
Stefan Gasser wird neuer Direktor der Sortenorganisation Emmentaler Switzerland (ES). Obwohl der gelernte Detailhändler lange im Immobiliengeschäft tätig war, kennt er auch die Milch- und Käsebranche gut.

«Schweizer Bauer»: Welchen Bezug haben Sie zum Emmentaler Käse?
Stefan Gasser: Erstens einmal ist es mein Lieblingskäse. Der Emmentaler wird oft sehr schlecht hingestellt. Dabei ist er ein super Käse. Der Emmentaler ist für mich der König der Käse. Und auch wenn ich in Kloten aufgewachsen bin, habe ich mit Heimatort Langnau Wurzeln im Emmental.

Was ging Ihnen durch den Kopf, als man Sie für den Job angefragt hat?
Ich habe meine beruflichen Wurzeln im Detailhandel und in der Milchwirtschaft. Ich war die letzten 14 Jahre im Immobilienbereich, habe aber das Netzwerk zur Lebensmittelbranche bewahrt. Als ich dann von Fromarte-Direktor Jacques Gygax angesprochen wurde, ob ich mir vorstellen könnte, bei der ES zu arbeiten, hatte ich sein sehr gutes Gefühl. Mit ES-Präsident Heinz Wälti verstehe ich mich sehr gut.

Haben Sie die Entwicklung beim Emmentaler verfolgt?
Ja, das habe ich. Ich bin mir auch bewusst, dass die anstehenden Aufgaben schwierig sein werden. Es ist aber auch sehr reizvoll. Es ist schade, dass der Emmentaler unter Wert verkauft wird. Unser oberstes Ziel wird es sein, den Emmentaler als Premiumprodukt zu positionieren. Die drei Familien  – Bauern, Käsereien und Händler – haben zwar unterschiedliche Ausrichtungen, aber dasselbe Ziel, nämlich möglichst viel Emmentaler AOP zu einem vernünftigen Preis zu verkaufen. Wenn wir Massnahmen ergreifen, müssen Bauern, Käser und Handel gleichermassen davon profitieren können.

Wie wollen Sie das anstellen?
Ich möchte mir als Erstes einmal einen Überblick über den Handel verschaffen. Wir haben ja die Übersicht von der Kuh bis zur Rampe, wo der Händler den Käse übernimmt. Mich interessiert deshalb vor allem, was vorne an der Verkaufsfront passiert. Mir ist bewusst, dass es schwierig sein wird, bis nach vorne Einfluss zu nehmen. Ich habe aber aus meiner Zeit bei Tête de Moine schon mit dem Handel zu tun gehabt, was mir jetzt wieder zugutekommen wird.

Was kann man von Tête de Moine lernen, wo sie vorher tätig waren?
Man kann vor allem punkto Distribution viel lernen. Beim Tête de Moine werden als Werbeträger pensionierte Käser in Mönchskutten eingesetzt. Wir hatten eigentlich eine relativ einfache Aufgabe, weil der Tête de Moine mit der Girolle ein Alleinstellungsmerkmal wie kein anderes Produkt hat.

Wie gedenken Sie den Export anzukurbeln? Braucht es wie beim Appenzeller einen Werbeträger wie Uwe Ochsenknecht?
Ich propagiere gute Verkaufsmassnahmen. Die Einzigartigkeit der Schweiz ist die Natur. Diese Stärke müssen wir mit einem sympathischen Botschafter vermitteln. Damit müssen wir Medienpräsenz generieren, aber auch die Detailhändler dazu bringen, dass sie den Emmentaler ins Sortiment aufnehmen.

Das grösste Verdienst Ihrer Vorgängerin war die Einführung der allgemein verbindlichen Mengensteuerung. Wie beurteilen Sie das Instrument?
In der jetzigen Situation war es das richtige Instrument. Man konnte damit mal ein Zeichen setzen. Danach müssen wir im freien Markt das System weiterentwickeln. Deshalb sind die Informationen des Handels wichtig. Ich will die Handelsströme kennenlernen, um die Situation besser beurteilen zu können.

Wie kann man den Emmentaler vor Substituten und Imitaten schützen?
Wir müssen weniger auf die Konkurrenz schauen. Wir müssen selbstsicher auftreten und sagen, dass wir den original Emmentaler herstellen. Grundvoraussetzung ist, dass wir mit Herzblut hinter dem Emmentaler stehen können. Das andere ist, dass sich das Einkaufsverhalten verändert hat. Ich verspreche mir, dass man bei der Vorverpackung für den Emmentaler etwas machen und ihn so besser positionieren kann.

Die grösste Schweizer Käsehändlerin Emmi produziert selber Imitate des Emmentalers, die sie auch gerne exportiert. Wie kann man diese Interessen beeinflussen?
Emmi ist ein Milchverband, der den Bauern gehört. Sie sollte ein Eigeninteresse haben, ihre Produkte entsprechend zu positionieren. Da möchte ich aber noch nicht allzu viel dazu sagen. Ich verstehe aber den Emmentaler als Steckenpferd der Schweizer Käse, der eine Vorreiterrolle einnehmen muss.

Zur Person

Der 55-jährige Stefan Gasser ist gelernter Detailhändler und hat sich nach der Handelsschule in Marketing und Management weitergebildet. Er ist verheiratet und hat 2Kinder. In den vergangenen 14 Jahren war er in der Immobilienbranche tätig. Zuvor arbeitete er im Lebensmittelbereich, so unter anderem bei Globus, Coop und Usego. Dann war er langjähriger Mitarbeiter und Mitglied der Geschäftsleitung der Miba und später der Swiss Dairy Food. In dieser Funktion war er mitverantwortlich für den Aufbau des Tête-de-Moine-Geschäftes und war Vizepräsident der Vereinigung der Tête-de-Moine-Fabrikanten.

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