25.11.2018 14:50
Quelle: schweizerbauer.ch - sal
Hornkuh-Initiative
«Enthornen ist eine Frechheit»
Aus der ganzen Schweiz sind Befürworter der Hornkuh-Initiative nach Moutier BE gereist, so auch das Ehepaar Senn aus Cimalmotto TI.

Aus Cimalmotto TI, ganz hinten im Maggiatal, angereist sind mit dem Zug Verena und Markus Senn. Sie haben für die Hornkuh-Initiative bereits zahlreiche Unterschriften gesammelt, im Hofladen, bei Gästen auf ihrem Hof, in verschiedenen Bioläden und an einem Marktstand in Ascona TI. «Wir haben das Tierwohlanliegen von Anfang an mitgetragen und jetzt wollen wir heute Nachmittag auch hier dabei sein, egal, wie es ausgeht», sagt Verena Senn.

"Der Natur darf macn nicht ins Handwerk pfuschen"

Die beiden haben kürzlich ihren Betrieb dem Sohn übergeben, sie helfen ihm aber noch. Die Familie hatte immer behornte Kühe, früher Braunvieh, jetzt Hinterwälder. Seit 2017 sind die rund 10 Kühe im Freilaufstall. Verena hat zum Enthornen eine ganz klare Meinung: «Es gibt absolut keine Begründung dafür, der Natur mit dem Enthornen dermassen ins Handwerk zu pfuschen. Ich finde das eine Frechheit.» Enthornt werde wegen des Renditedenkens, es gehe wie fast immer auch hier um das Geld.

Stattdessen müsste in der Landwirtschaft der erste Grundsatz sein, die Natur zu respektieren. «Die Menschen werden immer kränker, die Pharmaindustrie verdient immer mehr. Das hängt zusammen.» Die konventionelle Landwirtschaft solle in Zukunft bitteschön auf das Abbilden behornter Kühe in der Werbung für ihre Produkte verzichten.

Die Vision von Senns sind gesunde Lebensmittel, regional, nachhaltig und mit Herzblut produziert. Auf ihrem Betrieb in der Bergzone IV in Cimalmotto versuchen sie diese zu leben. Ein grosser Lichtblick inmitten der Nein-Meldungen zur Hornkuh-Initiative war das knappe Ja aus ihrem Heimatkanton Tessin. 

"Der Neid hat eine Rolle gespielt"

In traditioneller Appenzeller Tracht erschienen ist Markus Bicker aus Grabs SG. Er hat einen kleinen Betrieb mit behorntem Original Braunvieh. Auch er hat Unterschriften gesammelt und zum Beispiel an der Delegiertenversammlung der SVP Appenzell Ausserrhoden die Befürworterseite vertreten.

Er bedauert, dass die Initiative angesichts der bisherigen Resultate das Ständemehr nicht mehr erreichen kann und damit gescheitert ist. Das hange sicher mit der Diskussion um den Anbindestall zu tun. Bundesrat Johann Schneider-Ammann habe das Tierwohl mit dem Stallsystem verknüpft. Und sicher habe innerhalb der Bauern auch der Neid auf einige Franken für behornte Tiere eine Rolle gespielt. 


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