26.02.2014 16:18
Quelle: schweizerbauer.ch - sda
Schweiz
EU: Deutschschweizer weniger skeptisch - Romands weniger begeistert
Bei der Abstimmung zur SVP-Zuwanderungsinitiative haben sich die Romands weniger begeistert über die EU gezeigt als 1992. Die Deutschschweizer dagegen sind heute weniger EU-skeptisch als bei der damaligen EWR-Abstimmung. Den Ausschlag für das Ja am 9. Februar gaben neben den Grenzregionen die Vororte von Bern, Basel und Zürich.

Das ist aus einer von der Studiengemeinschaft für Raumplanung (CEAT) erarbeiteten Karte abzulesen, die am Mittwoch in der Westschweizer Tageszeitung «Le Temps» publiziert wurde.

1992 bei der EWR-Abstimmung und 2014 bei der Abstimmung zur SVP-Zuwanderungsinitiative ging es - trotz unterschiedlicher Fragestellung - direkt «um die Frage, wie intensiv wir unsere Beziehung zu Europa gestalten wollen», wie der emeritierte Professor der ETH Lausanne und CEAT-Mitglied Martin Schuler in seinem Artikel dazu schreibt.

Zartgrüne Deutschschweiz

Auf der Karte sind jene Gemeinden, die sich im Vergleich zu 1992 vor rund zweieinhalb Wochen weniger offen gegenüber der EU gezeigt haben, rot eingezeichnet. Die Gemeinden, die etwas aufgeschlossener waren, sind grün eingezeichnet.

Die Westschweiz und das Tessin leuchten auf der Karte rot, die Deutschschweiz dagegen - insbesondere die Regionen Chur und St. Gallen - ist grün eingefärbt. Allerdings schimmern die Gemeinden rund um die grünen Zentren Zürich, Bern und Basel in zartem rosa.
Dies zeigt gemäss Schuler, dass in diesen Gemeinden das Ja von 1999 zu den EWR-Verträgen 2014 in ein Ja zur Zuwanderungsinitiative der SVP und damit in ein Nein zur Personenfreizügigkeit mit der EU umgekippt ist.

Scharlachrote Westschweiz

Im Gegensatz zur Deutschschweiz lehnte die Westschweiz am 9. Februar die SVP-Zuwanderungsinitiative ab. Damit zeigte sich einmal mehr, dass die Romandie der EU gegenüber offener ist. Doch das Ja zu Europa war diesmal deutlich schwächer als vor 22 Jahren.

Auf der CEAT-Karte leuchten einige Westschweizer Regionen deshalb nicht rosa, nicht rot sondern gleich scharlachrot. Scharlachrot gezeichnet sind jene Gemeinden, in denen die EU im Vergleich zu 1992 um über 30 Prozent an Zustimmung verloren hat. Scharlachrot leuchten Genf, die Region Lausanne, die Region Martigny und der Jurabogen.

Diese Gemeinden haben zusammen mit dem rosa bis rot gefärbten Tessin und den Vororten von Bern, Basel und Zürich den Ausschlag gegeben für das knappe Ja zur Zuwanderungsinitiative, wie Schuler in der Zeitung schrieb.

Dichtestress?

Die Bevölkerung in diesen Regionen sei vom sozialen und wirtschaftlichen Wandel der vergangenen Jahre am meisten betroffen gewesen. In den Vororten Deutschschweizer Städte wiederum zeige sich ein anderes Phänomen: Je enger es dort werde, desto weniger zeigten sich die Menschen offen gegenüber der EU.

Allerdings leben die Menschen in den städtischen Zentren noch enger zusammen. Doch dort sei diese Wechselwirkung nicht zu beobachten, schrieb der emeritierte Professor für Raumplanung weiter.

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