25.08.2018 13:00
Quelle: schweizerbauer.ch - Interview: Adrian Haldimann
Initiative
«Fair-Food-Initiative ist hinterhältig»
Walter Müller, Landwirt und Nationalrat (FDP, SG) kämpft gegen beide Agrar-Initiativen. Er betont, dass es nichts Neues brauche.

«Schweizer Bauer»: Weshalb bekämpfen Sie die beiden Agrar-Initiativen Fair Food und Ernährungssouveränität?
Walter Müller: Die Initiative Ernährungssouveränität will rechtsumkehrt mit der Agrarpolitik zurück in alte Zeiten. Die Initianten wollen mit den Direktzahlungen vor allem kleine Betriebe bevorzugen. Das heisst, dass der Staat die Entwicklung in der Landwirtschaft mit einer ausufernden Regulierung bremsen soll. Das ist für mich eine sehr problematische Angelegenheit und der wichtigste Grund, weshalb ich gegen die Initiative kämpfe.

Und bei der Fair-Food-Initiative?
Zur Fair-Food-Initiative kann ich sagen, dass wir seit vergangenem Herbst mit der Annahme der Ernährungssicherheits-Inititave genügend Grundlagen haben, um ökologisch und nachhaltig produzieren zu können. In diesem Sinn ist die Initiative überflüssig und unnötig. Eine Annahme der Initiative würde eine grosse Unsicherheit auslösen, und man wüsste nicht, wohin es mit der Landwirtschaft gehen sollte. Die Fair-Food-Initiative würde die Innovation in der Landwirtschaft hemmen. Ein weiterer problematischer Punkt ist der, dass die Befürworter zwar einen Produktmehrwert verlangen, aber selber nicht bezahlen wollen. Die Bundesgelder sollen nämlich so eingesetzt werden, dass Sie Bioprodukte zum normalen Preis kaufen können. Hinterhältig ist auch, dass die Initianten eigentlich mehr Produkte importieren möchten. Tiefere Löhne und gleiche Standards im Ausland bedeuten, dass sich der Landwirt in der Schweiz auf dem Markt gar nicht mehr positionieren kann. Man könnte meinen, dass die beiden Initiativen den Landwirten helfen wollen. In Wirklichkeit ist aber das Gegenteil der Fall.

Wie kämpfen Sie für die landwirtschaftlichen Anliegen?
Ich will den Konsumenten nicht vergewaltigen, sondern mit gesunden und qualitativ hochstehenden Nahrungsmitteln überzeugen. Als Präsident des Trägervereins «Culinarium» engagiere ich mich für regionale Produktion und regionale Wertschöpfung – auch mit dem Ziel gerechte Preise. 

Die Befürworter der beiden Initiativen liegen laut Umfrage mit mindestens 75 Prozent vorne. Was sind die grössten Herausforderung im bevorstehenden Abstimmungskampf?
Wir müssen den Konsumenten klar sagen, um was es in beiden Initiativen geht. Das ist unsere grosse Herausforderung. Denn die Titel der Initiativen sind besser als deren Inhalt. Nebst der regionalen Produktion ist für mich auch die regionale Verarbeitung von Nahrungsmitteln mit kurzen Transportwegen wichtig. Das ist ein grosser Unterschied zu dem, was die Initianten wollen. Ihnen spielt die Herkunft der Nahrungsmittel keine Rolle. Es geht ihnen um gleiche Standards zu tieferen Preisen – sprich: um mehr Importe.

Welches Abstimmungsresultat erwarten Sie? 
Die Konsumenten sind sensibilisiert auf solche Themen. Ich glaube, dass am Schluss die Realität siegen wird und beide Initiativen abgelehnt werden. 

Vervollständigen Sie den folgenden Satzanfang: Bei Ablehnung der zwei Initiativen...
... 
geht es darum, den Artikel 104a in der Bundesverfassung zur Ernährungssicherheit umzusetzen. Denn wir haben die Grundlage für die zukünftige Agrarpolitik und brauchen nichts Neues. 

SCHWEIZER BAUER
BEKANNTSCHAFTEN
DER SCHWEIZER BAUER AUF YOUTUBE