29.08.2018 16:47
Quelle: schweizerbauer.ch - blu
Abstimmung
Fair-Food-Initiative: Nestlé warnt
Nun nimmt sich auch der weltweit grösste Nahrungsmittelkonzern der Fair-Food-Initiative an. Der Produktionsstandort Schweiz sei bei einer Annahme gefährdet, warnt der Konzern mit Sitz in Vevey VD. Auch der Detailhandel ist besorgt.

Nestlé warnt vor «sehr einschneidenden Konsequenzen» bei einer Umsetzung der Fair-Food-Initiative. Bei einer Annahme sei die Lebensmittelbranche in der Schweiz in Gefahr. «Beschaffung und Produktion in der Schweiz würden bedeutend erschwert oder gar verunmöglicht», sagt Marianna Fellmann, Sprecherin von Nestlé Schweiz, auf Anfrage der «Handelszeitung».

Zudem würden einheimische wie importierte landwirtschaftliche Rohstoffe verteuert. Betroffen davon sind gemäss Nestlé die Schokoladenhersteller. Das Tochter-Unternehmen Cailler produziert im Kanton Freiburg Schokolade.

Ebenfalls besorgt über eine mögliche Annahme der Initiative ist der Detailhandel. Coop und Migros rechnen mit höheren Preisen und einer Einschränkung der Angebotsvielfalt. Konsumenten müssten unter anderem auf einige beliebte Import-Mozzarella verzichten.  «Kein grosses Unternehmen im Ausland wird wegen neuer unilateraler Schweizer Vorgaben seine Produktionsmethoden ändern», sagt Patrick Marty von IG Detailhandel, die unter anderem die Interessen der Grossverteiler vertritt, zur «Handelszeitung». 

Die Grünen wollen mit ihrer Fair-Food-Initiative erreichen, dass es ein grösseres Angebot an Lebensmitteln gibt, die umweltschonend, tierfreundlich und unter fairen Arbeitsbedingungen hergestellt werden. Der Bund soll solche Lebensmittel fördern. Auch für Importprodukte sollen Anforderungen festgelegt werden. Die Gegner argumentieren, dass dadurch die Lebensmittel in der Schweiz teurer würden und der Einkaufstourismus zunähme. Ausserdem stehe die Initiative im Widerspruch zu den Freihandelsabkommen.

Die Gegner haben in den vergangenen Wochen zulegen können. Bei der zweiten Tamedia-Befragung sprachen sich noch 55 Prozent der Stimmberechtigte für das Begehren aus. Vor zweieinhalb Woche lag der Wert noch bei 64 Prozent.

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