7.09.2018 10:53
Quelle: schweizerbauer.ch - blu
Agrarpolitik
«Familienbetriebe auflösen»
Der Zehn-Punkte-Plan von Avenir Suisse sorgt für viel Wirbel. Der Schweizer Bauernverband (SBV) ist empört. Das Papier strotze vor «absurden Behauptungen und unsinnigen Vorschlägen». Die Denkfabrik wolle Schweizer Familienbetriebe auflösen.

Avenir Suisse will die Schweizer Agrarpolitik grundlegend reformieren. In einer Studie beziffert die liberale Denkfabrik die derzeitigen gesamten volkswirtschaftlichen Kosten für Landwirtschaft und Ernährung in der Schweiz auf über 20 Milliarden Franken jährlich.

Unrealistische Annahmen

Der Schweizer Bauernverband (SBV) meldet sich am Freitag mittels Communiqué mit heftiger Kritik. «Besonders abstrus ist die Behauptung, die effektiven Kosten der Schweizer Landwirtschaft wären 20 Milliarden im Jahr. Es handelt sich um reine Zahlenakrobatik, ohne Fundament und mit komplett unrealistischen Annahmen», hält der Verband fest.

Besonders stossend findet der SBV die von der Denkfabrik aufgeführten 7 Milliarden Umweltkosten. Mit dem Abbau des Grenzschutzes sollen diese ins Ausland verlagert werden. «Da dort die Umweltstandards deutlich tiefer sind, darf man von einer mehrfachen Schadenssumme ausgehen. Ganz nach dem Motto: Aus den Augen aus dem Sinn», hält der Verband fest.

Alte Leier

Der Bauernverband rückt die Leistungen der Bauernfamilien in den Vordergrund. Diese verkauften jedes Jahr Lebensmittelrohstoffe im Wert von rund zehn Milliarden Franken. Dazu kommen laut dem SBV Direktzahlungen in der Höhe von 2,8 Milliarden Franken. Zusammen mache dies Einnahmen von knapp 13 Milliarden Franken aus. «Avenir Suisse schafft das Kunststück, bei dieser Ausgangslage ein Sparpotential von 14 Milliarden auszumachen», so der Bauernverband.

Verärgert ist der SBV auch über den Vorwurf der mangelnden Wettbewerbsfähigkeit. Dies sei eine alte Leier. Die Schweizer Landwirtschaft bewege sich im teuren Kostenumfeld der Schweiz. Die Direktzahlungen seien an zahlreiche Umwelt- und Tierwohlauflagen gebunden. Avenir Suisse vernachlässige auch den Wert, den die Landwirtschaft für den Tourismus habe. «Dass die Schweizer weltweit so wenig ihres verfügbaren Geldes für Lebensmittel ausgeben müssen, ist Avenir Suisse keine Silbe wert», kritisiert der SBV.

Industrielle Grossbetriebe

Die Denkfabrik wolle im Gegenteil eine Auflösung der eher kleinstrukturierten landwirtschaftlichen Familienbetriebe. Stattdessen sollen wenige, international konkurrenzfähige, industrielle Grossbetriebe mit Massentierhaltung geschaffen werden. «Eine Schweiz ohne Landwirtschaft wäre für Avenir Suisse nicht weiter tragisch. Importieren ist eh günstiger», heisst in der Mitteilung.

Ohne landwirtschaftliche Produktion beginne das Sterbefasten der Menschheit. «Dann wäre auch niemand mehr da zum Geldverdienen, was aber sicher gut für Umwelt und Natur wäre», betont der SBV. Das Paper von Avenir Suisse ein Pamphlet zur Abschaffung der Schweizer Landwirtschaft.

Die zehn Kernpunkte der Strategie sind: eine Grenzöffnung für Agrargüter, der Verzicht auf strukturerhaltende Transfers und auf Absatzförderung, eine Reform der Abgeltung gemeinwirtschaftlicher Leistungen, eine zeitgemässe Definition der Versorgungssicherheit, ein Abbau der Regulierungsdichte, eine Modernisierung des Bodenrechts, die Senkung von Umweltkosten, die Einführung einer Agrarbremse und die Revision der Fusionskontrolle.

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