14.06.2016 16:05
Quelle: schweizerbauer.ch - sda
Energie
Fehlende Liberalisierung kostet Milliarden
Der Aufschub der vollständigen Liberalisierung des Strommarktes in der Schweiz kommt die Konsumenten teuer zu stehen: Durch die Vertagung würden den Endverbrauchern bei den aktuell tiefen Strompreisen Mehrkosten von 1 Milliarde Franken pro Jahr entstehen.

Vom regulierten Markt profitierten hauptsächlich die hiesigen Stromversorgungsunternehmen, die sich zu 88 Prozent im Besitz der öffentlichen Hand befänden, heisst es in der am Dienstag publizierten Monitor-Studie der Credit Suisse.

Nur Grosskunden können frei wählen

Anfang Mai hatte der Bundesrat entschieden, mit der für 2018 geplanten vollen Öffnung des Schweizer Elektrizitätsmarkts zuzuwarten, er begründete dies insbesondere mit den offenen Verhandlungen zum Stromabkommen mit der EU. Der Aufschub schütze aber auch die Finanzlage der hiesigen Produzenten und deren öffentliche Eigner, schreibt die CS in der Studie.

Bisher können in der Schweiz nur Grosskunden ab einem Stromverbrauch von 100'000 Kilowattstunden im Jahr ihren Lieferanten frei wählen. Für Endkunden gelten regulierte Tarife, welche die Kosten der Unternehmen mehr als decken. Ursprünglich war die Liberalisierung des ganzes Marktes tatsächlich eine Bedingung vonseiten der EU für ein Stromabkommen und einen freien Marktzugang gewesen. Die Verhandlungen sind seit der Annahme der Masseneinwanderungsinitiative im Februar 2014 ins Stocken geraten sind.

Staatsfinanzen vom Strommarkt entkoppeln

Der aktuelle Strompreis liege rund 30 Prozent unter den durchschnittlichen Gestehungskosten eines Wasserkraftwerks in der Schweiz, heisst es in der Studie weiter. Den Betrag, den die Konsumenten im Falle einer vollständigen Liberalisierung derzeit einsparen könnten, beziffern die CS-Ökonomen auf jährlich rund 1 Milliarde Franken. Für eine neutrale Ausgestaltung müsste sich der Strompreis gemäss Studie in etwa verdoppeln.

Von einer markanten Erholung der Preise könne aber in naher Zukunft nicht ausgegangen werden, heisst es weiter. Im Vorfeld einer vollständigen Liberalisierung sei es daher sinnvoll, dass die Staatsfinanzen vom Strommarkt entkoppelt würden, so Studienleiter Oliver Adler.

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