30.05.2020 08:43
Quelle: schweizerbauer.ch - Ann Schärer, lid
Coronavirus
Fenaco leidet unter Coronafolgen
An einer Bilanz-Medienkonferenz präsentierte die Fenaco Genossenschaft für 2019 das zweitbeste Ergebnis in ihrer Geschichte. Für das laufende Jahr erwartet das Unternehmen jedoch aufgrund der Covid-19-Pandemie eine negative Bilanz.

Die Fenaco Genossenschaft konnte an einer Bilanz-Medienkonferenz erfreuliche Resultate für das Geschäftsjahr 2019 vorlegen: das zweitbeste Ergebnis der Unternehmensgeschichte. Der Nettoerlös konnte um 3,5 Prozent auf 7 Mrd. CHF gesteigert werden. Aufgrund des guten Unternehmensergebnisses von rund 110 Mio. CHF, konnte die Genossenschaft der Landi und ihren Mitgliedern im Sinne einer Erfolgsbeteiligung insgesamt rund 31 Mio. CHF auszahlen.

Bei all den guten Ergebnisse für das vergangene Geschäftsjahr, ist es aktuell vor allem die Coronakrise, die das Unternehmen beschäftigt. Die ausserordentliche Lage wirkt sich auch auf die Fenaco negativ aus. "Vielen Schweizerinnen und Schweizern ist die Bedeutung der einheimischen Landwirtschaft schlagartig wieder ins Bewusstsein gerückt", sagte Fenaco-Präsident Pierre-André Geiser im Rahmen der Medienkonferenz am letzten Mittwoch.

Die Schweizer Bäuerinnen und Bauern würden aktuell viel Wertschätzung erfahren, nachdem in der letzten Zeit viel, zuweilen scharfe Kritik auf sie eingeprasselt sei, sagt Geiser. "Das freut mich für die Schweizer Bauernfamilien, und mir scheint, dass mancher Bauer wieder stolz und mit erhobenem Haupt den Traktor zur Feldarbeit steuert, um die nächste Ernte zu sichern".

Fenaco mitverantwortlich für Versorgungssicherheit

Die Fenaco Genossenschaft sei davon überzeugt, dass eine starke, produzierende Landwirtschaft für die Versorgungssicherheit in der Schweiz von grosser Bedeutung sei. Sie anerkenne, dass die Landwirtschaft in Bezug auf den Umwelt- und Klimaschutz noch zahlreiche Hausaufgaben zu machen habe. "Wir sind überzeugt, dass die Schweizer Land- und Ernährungswirtschaft in Kooperation mit der Forschung und den Behörden in der Lage ist, innovative Lösungen für eine nachhaltige, aber dennoch marktwirtschaftlich orientierte Landwirtschaft zu finden, die genügend produktionsfähig ist, um die Versorgungssicherheit in unserem Land zu gewährleisten. Wir sind auf gutem Weg", sagte Geiser.

Die Fenaco-Landi-Gruppe habe einen klaren Auftrag, der aktuell wichtiger sei denn je, sagte Martin Keller, Vorsitzender der Geschäftsleitung. Dieser Auftrag laute: de la terre à la table. Die Gruppe sei mitverantwortlich dafür, dass die Versorgungssicherheit in der Schweiz gewährleistet bleibe.

"Wir stellen sicher, dass die Landwirtinnen und Landwirte produktionsfähig bleiben. Wir sorgen dafür, dass die Konsumentinnen und Konsumenten im Laden genügend Lebensmittel, Tierfutter und Artikel des täglichen Bedarfs finden. Wir versorgen die Menschen im ländlichen Raum zuverlässig mit Energie für Wärme und Mobilität", sagte Keller.

Negative Bilanz für 2020 erwartet

Insgesamt habe die Fenaco-Landi-Gruppe die Coronakrise als Unternehmen bisher gut gemeistert. Dank einer dezentralen und vernetzten Organisationsstruktur sei die Gruppe in der Lage, sich schnell und flexibel an eine sich ständig verändernde Ausgangslage anzupassen, sagte Keller.

Eine generelle Aussage zu den wirtschaftlichen Auswirkungen der Pandemie sei schwierig zu machen, da diese für die unterschiedlichen Geschäftseinheiten sehr unterschiedlich seien. Doch das Geschäftsfeld "Agrar" habe sich insgesamt stabil entwickelt, allerdings bei höheren Logistikkosten. In der Lebensmittelindustrie sei der Absatz im Detailhandel deutlich gestiegen; insbesondere bei den Grundnahrungsmitteln wie Kartoffeln, Lagergemüse, Obst, Eiern oder Fleisch. Stark negative Auswirkungen seien hingegen beim Vertriebskanal "Gastronomie" zu verzeichnen. "Aktuell erwarten wir unter dem Strich eine negative Bilanz", sagte Martin Keller.

Die Volg Läden haben im Zuge der Covid-19-Pandemie deutlich zulegen können, doch haben die behördlich verordneten Einkaufsrestriktionen bei den Landi-Läden zu massgeblichen Umsatzeinbussen geführt. Auch das Geschäftsfeld Energie hat unter den Einschränkungen der Mobilität gelitten.  

"Insgesamt rechnet die Fenaco Genossenschaft für 2020 aufgrund der Coronakrise mit einem tieferen Nettoerlös als 2019", sagte Keller. Die Fenaco blicke trotz allem positiv in die Zukunft. Die Genossenschaft wolle langfristig in allen Geschäftsfeldern ihre Position ausbauen. So zum Beispiel im Bereich Wein dank der Akquisition von Provins im Wallis.

Die drei strategischen Stossrichtungen Innovation, Nachhaltigkeit und Compétence internationale werde die Fenaco Genossenschaft dabei konsequent weiterverfolgen.

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