29.01.2015 17:57
Quelle: schweizerbauer.ch - blu
Milchmarkt
Frankenstärke: Milchbranche fordert millionenschweres Hilfspaket
Die Frankenstärke trifft die Exportbranche hart. Zu den Leidtragenden gehört auch die Milchbranche. Teilweise wurden bereits Milchpreissenkungen angekündigt. Die Milchbranche fordert vom Bund ein Hilfspaket. Die Dachorganisationen der Schweizer Milchbranche befürchten ansonsten grosse Einkommenseinbussen und Betriebsaufgaben.

Rund 22 Prozent der Schweizer Milchproduktion wird in Form von Käse oder anderen Produkten ausgeführt. 600 Mio. Kilo Milch werden in Form von Käse exportiert, 150 Mio. Kilo verlassen die Schweiz verarbeitet in Nahrungsmittel. Das ist mehr ein Fünftel der hiesigen Milchproduktion.

Bis zu 150 Millionen Wertschöpfungsverlust

Seit der Freigabe der Frankenuntergrenze schmelzen den Exporteuren die Margen aber massiv dahin. Zudem werden Importprodukte immer günstiger und sorgen auch auf dem inländischen Markt für (noch) mehr Preisdruck. So wurden bereits erste Milchpreissenkungen kundgetan. Emmi will den B- und C-Milch gegen unten anpassen. Knapp die Hälfte des Umsatzes realisieren die Luzerner bereits im Ausland.

Die drei Dachorganisationen, die Schweizer Milchproduzenten, die Vereinigung Schweizer Milchindustrie und der Dachverband Schweizer Käsespezialisten, rechnen mit einem Verlust an Wertschöpfung von insgesamt 100 bis 150 Mio. Franken. Industriemilchproduzenten hätten bereits vor der Frankenaufwertung hohe Einkommensverluste hinnehmen müssen, halten die Dachorganisationen am Donnerstag in einem Communiqué fest. „Der Währungsdruck führt dazu, dass sich die Schweizer Milchproduktion noch weiter von kostendeckenden Preisen entfernt“, betonen die Dachorganisationen.

4 Forderungen

Die Existenz von vielen Betrieben ist bedroht. Das beunruhigt auch die Händler und Verarbeiter. So heisst es denn auch weiter, dass weniger inländische Milch „letztlich zu einem unumkehrbaren Verlust von Produktions- und Verarbeitungsstrukturen im Milchsektor führt“. Der Milchsektor sei heute bereits der wettbewerbsfähigste Sektor der Schweizer Landwirtschaft.

Die Branche fordert nun Hilfe vom Bund. Dass sie auch eigene Anstrengungen unternehmen muss, sei sie sich bewusst. Die vier Forderungen lauten wie folgt:

  • Die bereits vor der Frankenaufwertung in Aussicht gestellte Aufstockung der Bundesmittel im Rahmen des Schoggi-Gesetzes (gesprochen sind 70 Mio. Fr. für den gesamten Nahrungsmittelsektor) sind vollumfänglich zu unterstützen. Um die angestrebten 85 Prozent der Deckung zu erreichen, fordert die Branche eine Aufstockung um 44,9 Mio. Fr. auf 114,9 Mio. Fr. Bewilligen muss dies das Parlament. „Dieser Kredit käme den Milchbauern zugute, denn die heute fehlenden Geldmittel werden fast ausschliesslich über tiefere Milchpreise kompensiert werden“, hält die Branche fest.
  • Die Branche fordert vom Bundesrat zusätzliche Mittel für die Absatzförderung insbesondere von Käse im In- und Ausland. Sie ist bereit, auch eigene Mittel aufzubringen. Sie fordert aber eine Aufstockung der bereits bestehenden Absatzförderung im Umfang von 10 Mio. Franken.
  • Um den Einkommensverlust mit den tieferen Milchpreisen teilweise zu kompensieren, fordert die Branche drittens zusätzliche Direktzahlungen im Umfang von 75 Mio. Franken. Diese Direktzahlungen sollten direkt den Milchproduzenten ausgerichtet werden und könnten damit den hohen Einkommensverlust in der Milchproduktion etwas abfedern, heisst es weiter.
  • Zudem fordert die Branche den Bundesrat auf, mit weiteren Massnahmen die Konkurrenzfähigkeit der Schweizer Milchwirtschaft zu verbessern. Dazu zählen Massnahmen zur Kostenreduktion bei Tierarzneimitteln, der Abbau von administrativem Aufwand oder die Allgemeinverbindlichkeit von Branchenmassnahmen.
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