16.01.2018 17:00
Quelle: schweizerbauer.ch - blu
Umfrage
Für 190 Franken nicht enthornen?
Armin Capaul stellt Bedingungen für einen Rückzug seiner Initiative. Unter anderem will er einen Hörnerbeitrag von 190 Franken im Gesetz festschreiben. Würden Sie Ihre Kühe nicht mehr enthornen, wenn es einen Beitrag dafür geben sollte? Stimmen Sie ab und diskutieren Sie mit.

Die Hornkuh-Initiative wurde im März 2016 mit 120'000 gültigen Unterschriften eingereicht. Hinter der Initiative steht eine Interessengemeinschaft Hornkuh um den Bergbauern Armin Capaul.  Für den gebürtigen Bündner war das Zustandekommen ein grosser Erfolg, denn er sammelte die Unterschriften ohne Unterstützung von grossen Organisationen.

Sympathie in den Städten

Die Unterschriften stammten vor allem aus den städtischen Gebieten und aus der Romandie. Die Initiative dürfte vor allem in urbanen Gebieten an Sympathie geniessen. Sollte die Initiative zur Abstimmung kommen, wäre der Ausgang jedenfalls offen. 

Armin Capaul verlangt mit seiner Initiative kein Enthornungsverbot, Halter von Kühen und Ziegen sollen vom Bund unterstützt werden. Dem Bergbauer aus dem Berner Jura schwebte ein Richtwert von rund einem Franken pro Kuh und Tag vor (365 Fr. im Jahr). Bei den Ziegen möchte er einen Beitrag von 20 Rappen pro Tag (73 Franken pro Jahr). Mehrkosten entstünden nicht, betonte Capaul. Man müsse das Geld im Landwirtschaftsbudget einfach anders verteilen, sagte er 2016 gegenüber schweizerbauer.ch.

Ausgewachsene Nutztiere

In der vergangenen Woche stellte Armin Capaul die Bedingungen für einen indirekten Gegenvorschlag vor. Nur wenn diese erfüllt seien, würde er einen Rückzug der Hornkuh-Initiative ins Auge fassen, sagte der Bergbauer.

So müssen die Gesetzesbestimmungen zwingend sein (keine «Kann»-Formulierung) und konsequent von Nutztieren (so würden nebst Kühen und Ziegen auch Yaks und Wasserbüffel eingeschlossen) sprechen. Die Beiträge dürfen zudem nur an Halter effektiv behornter, ausgewachsener Nutztiere ausbezahlt werden. Jedes behornte, erwachsene Tier soll gefördert werden, unabhängig von der Herden- und Hofgrösse. Die Initianten wollen keine Begrenzung der Hornbeiträge über die Beschränkung der Anzahl Tiere nach oben.

190 Franken pro Kuh


Die Tiere müssen zudem im Tierwohlprogramm Raus-Programm (Regelmässiger Auslauf im Freien) angemeldet sein. Zentral ist für Capaul, dass ein «konkreter minimaler» Hörnerbeitrag im Gesetz steht. Werde der Betrag in der Verordnung festgeschrieben, sei die Gefahr gross, dass nur wenige Franken ausbezahlt werden, so Capaul. «Mit den nun formulierten 190 Franken pro Kuh und Jahr haben wir ein Angebot gemacht, das nur noch der Hälfte des ursprünglich geforderten Hörnerfrankens (365 Franken pro Jahr) entspricht», sagte der Bergbauer gegenüber «Schweizer Bauer».

Und mit der Raus-Pflicht könne niemand sagen, dass die Tiere wegen dem Hornbeitrag eingesperrt würden, so Capaul. Die Initiative selbst ist bezüglich der Höhe des Hörnerbeitrags offen formuliert. Die nun vorgeschlagenen 190 Franken entsprechen dem Beitrag fürs Raus-Programm.

Kommission will Beitrag nicht im Gesetz


Auf Wohlwollen stossen die Hornkühen bei der Wirtschaftskommission des Nationalrates (WAK-N). Sie sprach sich mit 18 zu 4 Stimmen bei 3 Enthaltungen für einen indirekten Gegenentwurf aus. Aus ihrer Sicht ist es nicht stufengerecht, dieses Anliegen in der Bundesverfassung zu verankern. Um dem Initiativkomitee einen bedingten Rückzug zu ermöglichen, möchte die WAK-N der Hornkuh-Initiative einen indirekten Gegenentwurf auf Gesetzesebene gegenüberstellen.

Einige Aspekte wie die Raus-Pflicht soll im Gesetz festgehalten werden. Unterschiedlicher Meinung ist die WAK-N beim Hornbeitrag. Dieser soll in der Verordnungsstufe festgelegt werden können. Positive Signale ertönen auch von der Wirtschaftskommission des Ständerates. Der Gegenentwurf habe gute Chancen, sagte Ständerat Isidor Baumann (CVP/UR).

Brunner möchte Beitrag zusichern

Unterstützung erhält Armin Capaul auch von Nationalrat und Landwirt Toni Brunner (SVP/SG). Bei einer Abstimmung befürchtet er eine Spaltung der Bauern. Bei einer Abstimmung rechnet er damit, dass die Initiative angenommen wird. «Man spürt, dass das Anliegen in der Bevölkerung grosse Sympathien geniesst. Es ist die klassische Situation von David gegen Goliath», so Brunner gegenüber «Schweizer Bauer». Das Mitglied der Wirtschaftskommission kann sich Beiträge für in der Höhe von rund 10 bis 15 Millionen Franken vorstellen. Keine Chance sieht er darin, den Beitrag im Gesetz zu verankern.

Bauernverband kritisch

Wenig Begeisterung kommt beim Schweizer Bauernverband (SBV) in Sachen Hornbeitrag auf. «Eine Verankerung eines Beitrags von 190 Fr. für horntragende Kühe im Landwirtschaftsgesetz ist problematisch. Der Betrag ist im Vergleich zu den BTS- und Raus-Beiträgen sehr hoch», sagt Martin Rufer, Departementsleiter Produktion, Märkte und Ökologie beim Schweizer Bauerverband, gegenüber «Schweizer Bauer».

Mit einer Verankerung auf Gesetzesstufe würden die Beiträge für horntragende Tiere zu einer stark gebundenen Ausgabe, während alle andern Direktzahlungsbeiträge schwach gebunden bleiben würden, so Rufer weiter. Bäuerliche Verbände befürchten, dass der Beitrag von 190 Franken einen zu grossen Anreiz darstellen, behornte Kühe im Anbindestall zu halten.

Was denken Sie darüber? Würden Sie für einen Beitrag von 190 Franken Ihre Kühe nicht mehr enthornen? Oder sind für Sie behornte Kühe kein Thema, auch wenn es Beiträge dafür gibt? Diskutieren Sie mit und stimmen Sie ab

Mit seiner Initiative schafft sich der Bergbauer aus Perrefitte BE in der Landwirtschaft nicht nur Freunde. Es dürfte zu einer Spaltung kommen. Bei den Mitgliedern der IG Anbindestall stösst das Begehren indes auf Unterstützung. Für die meisten Bauern aber, welche ihre Kühe in Laufställen halten, ist es schlicht undenkbar, die Kühe nicht zu enthornen. Die Verletzungsgefahr für Mensch und Tier sei zu gross, argumentieren sie. Rund neun von zehn Milchkühen sind heute hornlos. Eine nicht repräsentative Umfrage auf schweizerbauer.ch von Februar 2017 spricht eine deutliche Sprache. 83 Prozent der Abstimmenden sprachen sich gegen Beiträge für Hornkühe aus. An der Umfrage hatten 913 Personen teilgenommen. 

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