6.08.2014 10:08
Quelle: schweizerbauer.ch - Daniel Salzmann
AP 17
Für SVIL ist neue AP ein Missverständnis
Die Schweizerische Vereinigung für Industrie und Landwirtschaft (SVIL) geht mit der AP 14—17 hart ins Gericht. Deren Annahmen seien falsch. Die Bauern hätten systematisch eine tiefere Wertschöpfung als die Industrie.

Die AP 14–17 bringe vor allem einen grundlegenden Wandel bei der finanziellen Stützung der Landwirtschaft. Dies schreibt der Vorstand der Schweizerischen Vereinigung für Industrie und Landwirtschaft (SVIL) in einer Auslegeordnung. Die Befürworter der AP 14–17 hätten argumentiert, die Direktzahlungen seien zu stark auf Produktion und zu wenig auf Umwelt und Ökologie ausgerichtet gewesen. Deshalb seien die Direktzahlungen, die bisher der Stützung der Einkommen der produzierenden Betriebe dienten, abzubauen.

«Sicherheit untergraben»

Die Landwirte sollten stattdessen Direktzahlungen hauptsächlich für zu erbringende Pflegedienstleistungen für Umwelt und Ökologie erhalten. Weiter seien die AP-Befürworter der Auffassung, dass sich die produzierende Landwirtschaft gegen die anvisierte Grenzöffnung im oberen Preissegment behaupten könne, wenn sie effizienter werde und auf Qualität setze.

Für die SVIL aber gilt: Die am Boden und an den erneuerbaren Naturprozessen orientierte produzierende Landwirtschaft kann ohne Einkommensstützung nicht bestehen. «Werden die Einkommensstützungen für die produzierende Landwirtschaft aufgegeben, wird die Ernährungssicherheit in der Schweiz im Kern untergraben», schreibt sie.

Die SVIL will deshalb die Grundüberlegung der AP 14–17 zur Diskussion stellen. Für die SVIL gehören Einkommensstützung der Landwirtschaft, Grenzschutz und Schutz des Landwirtschaftslandes im Inland untrennbar zusammen. Diese müssten als Kerngehalt der Agrarpolitik erhalten bleiben.

1918 gegründet

Die SVIL wurde 1918 als Folge der Ernährungskrise von Schweizer Industriellen gegründet, als nach dem Zusammenbruch des Freihandels im Ergebnis des Ersten Weltkrieges in kurzer Zeit 150'000 Tonnen Lebensmittel in den inländischen Lebensmittelregalen fehlten — und dies trotz vorhandener hoher Kaufkraft. Die SVIL schreibt: «Es zeigte sich, dass ein hoch entwickelter Industriestaat auf eine eigene Landwirtschaft nicht verzichten darf, auch wenn der Import aus ökonomisch rückständigen Ländern zu tieferen Preisen durchaus schon immer möglich war.» Die SVIL engagiert sich als gemeinnütziger, privater Verein für Ernährungssicherheit. sal

Vor allem Massengüter

Die SVIL nennt zwei Gründe, weshalb die Wertschöpfung in der Landwirtschaft grundsätzlich zu niedrig ist, damit sich diese gegenüber der Industrie ohne Schutz behaupten könnte. Erstens seien die landwirtschaftlichen Güter im Wesentlichen vergleichbare Güter, also solche, deren Qualität im Prinzip die gleiche sei, unabhängig vom Ort, wo sie produziert und vom wem sie produziert werden («Milch ist Milch»).

Diese sogenannte «Commodity-Problematik» bringe auch mit sich, dass eine Vielzahl von Landwirten nur über einen kleinen Teil des Gesamtangebots verfügt. Ein Landwirt könne seine Produkte nur absetzen, wenn er höchstens den gleichen Preis verlangt wie die anderen Landwirte. Die Wertschöpfung werde nur über die Verarbeitung der landwirtschaftlichen Rohstoffe gesteigert. Die Industrie hingegen stelle unterscheidbare Güter her: «Eine Palmolive-Seife ist eine bessere Seife als Schmierseife.»

An den Boden gebunden

Zweitens sei in der Landwirtschaft der Boden gleichzeitig Standort und Produktionsgrundlage, während er für die Industrie nur Standort sei. Wie viel ein landwirtschaftlicher Betrieb produzieren könne, hänge deshalb vor allem davon ab, wie viel Boden ihm zur Verfügung stehe. Die Erträge liessen sich nicht unbegrenzt steigern, weil die Landwirtschaft in die ökologischen Kreisläufe eingeordnet sei.

Eine Industriefabrik hingegen könne auf einer geringen Standortfläche eine grosse und immer grössere Produktionsmenge herstellen, indem die Materialien, die für die Produktion nötig sind (z.B. Metalle) von aussen zugeführt würden. Die Industrie könne ihre Standorte auch viel leichter verschieben. Die Wertschöpfung in der Industrie sei deshalb systematisch höher als in der Landwirtschaft, folgert die SVIL. Dies habe nichts mit der Einzelleistung des Landwirts zu tun.

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