1.01.2018 08:25
Quelle: schweizerbauer.ch - lid
Futtermittel
Futtermittel: Grösster Ausgabenposten
Gras ist das wichtigste Futtermittel der Schweiz. Es macht in der Futtermittelbilanz den grössten Anteil aus. Nutztiere fressen aber nicht nur Gras, sondern auch Kraftfutter und Abfälle der Lebensmittelindustrie. In der Serie Futtermittel erfahren Sie mehr darüber.

Der Grenzschutz für Futtermittel funktioniert nach dem Motto: Warum einfach, wenn es auch kompliziert geht? Futtermittel können zwar in beliebigen Mengen importiert werden, doch werden im Rahmen des Grenzschutzes Zölle und Garantiefondsbeiträge erhoben. Bei der Höhe der Zollbelastung haben sowohl der Bundesrat, als auch das Eidgenössische Departement für Wirtschaft, Bildung und Forschung (WBF) und das BLW die Hände im Spiel:

  • Der Bundesrat legt für 11 Leitprodukte einen Schwellenpreis fest. Dieser Schwellenpreis entspricht dem angestrebten Importpreis, bestehend aus dem Preis franko Schweizergrenze plus Zoll und Garantiefondsbeiträgen. Der Bundesrat bestimmt zudem, wie der Preis franko Schweizergrenze ermittelt wird.
  • Danach kommt das WBF zum Zug: Es legt die Importrichtwerte für alle Produkte fest. Die Importrichtwerte haben dieselbe Funktion wie die Schwellenpreise.
  • Das BLW definiert dann den eigentlichen Zollansatz so, dass der Importpreis innerhalb der vom WBF festgelegten Bandbreite liegt (plus/minus drei Franken pro 100 kg). Diese Zollansätze werden vom BLW monatlich überprüft und gegebenenfalls angepasst. Das BLW veröffentlicht die aktuellen Ansätze auf seiner Webseite.

Zur Finanzierung der staatlichen Futtermittelpflichtlager werden Garantiefondsbeiträge erhoben. Diese Beiträge zieht Reserve Suisse im Auftrag des Bundesamtes für Wirtschaftliche Landesversorgung (BWL) bei den Futtermittelimporteuren ein.

Wie fast überall gibt es auch in diesem Bereich ein paar Ausnahmen: Futtermittel, welche einen vernachlässigbaren energetischen Nährwert aufweisen, können zu einem günstigeren Zolltarif eingeführt werden, sofern Agroscope dem entsprechenden Antrag zustimmt. Für Futtermittel, die nicht für Nutztiere (sondern für Heim-, Zoo- oder Versuchstiere) bestimmt sind, besteht zudem die Möglichkeit, bei der Oberzolldirektion Antrag auf Zollrückerstattung zu stellen. Und last but not least kann das WBF den Zollansatz auch noch tiefer ansetzen, wenn der Absatz gleichartiger inländischer Erzeugnisse dadurch nicht gefährdet wird. Von all diesen Ausnahmen wird denn auch rege Gebrauch gemacht.

Mythos Grenzschutz

Das umständliche Prozedere tönt nach grossem Grenzschutz. In Wirklichkeit ist eher das Gegenteil der Fall. Der angewandte Zoll entspricht bei Futtermitteln im Schnitt nur 18 Prozent dessen, was gemäss WTO erlaubt wäre. Bei zahlreichen Produkten ist der Zollschutz sogar Null. So wird z.B. seit Oktober 2011 Soja zu Futterzwecken zollfrei eingeführt, obwohl ein Zoll von 39 Franken pro 100 Kilo WTO-konform wäre.

Auch Rapsschrot, Maiskleber und Stroh oder Getreidespreu können zollfrei eingeführt werden. Beim Import der meisten Getreidearten fallen dagegen Abgaben in der Grössenordnung von 10 bis 13 Fr. pro 100 kg brutto an, dazu kommen Garantiefondsbeiträge in Höhe von rund 5 Franken/100 kg. Beim Futtergetreide kann man tatsächlich noch von einem Grenzschutz sprechen, auch wenn dieses Schutzniveau in den letzten Jahren stets gesenkt wurde.

Fördern durch Schlechterstellen

Die Schweiz hätte grundsätzlich Spielraum die Zölle für gewisse, z.B. für gesellschaftlich in der Kritik stehende Futtermittel, anzuheben. Dazu fehlt jedoch der Wille, wie man in einem BLW-Faktenblatt zur Ernährungssicherheit nachlesen kann: "Bei Futtermitteln wurde die Ausweitung des Grenzschutzes die Schweizer Produktion deutlich verteuern, da der angewandte Zoll heute nahezu Null beträgt."

Der Anbau von Futtergetreide ist in der Schweiz rückläufig, der Anbau rentiert im Vergleich zum Brotgetreide zu wenig. Um zu verhindern, dass die Futtergetreideproduktion in der Schweiz noch weiter zurückgeht forderten die Getreideproduzenten in der Vernehmlassung zur AP2014-17 eine Besserstellung des heimischen Futtergetreidebaus. Dieser Forderung kam das BLW dann tatsächlich nach. Allerdings anders, als erwartet.

Statt die Futtergetreideproduktion zu stärken, wurde der Brotgetreideanbau geschwächt. Das BLW schrieb: "Mit dem Ziel, den Anbau von Futtergetreide gegenüber demjenigen von Brotgetreide zu fördern, hat der Bundesrat beschlossen, den Referenzpreis für Brotgetreide auf den 1. Juli 2014 um 3 Schweizerfranken je 100 Kilogramm zu senken."

Futtermittel: Grösster Ausgabenposten

Wie alle Unternehmen muss auch die Landwirtschaft Vorleistungen erbringen bevor sie ihre Produkte verkaufen kann. Diese Vorleistungen sind im Verhältnis zu den Verkaufserlösen hoch, sie betragen über 6 Mrd. Franken. Futtermittel stellen dabei mit 38 Prozent den grössten Ausgabenposten dar. Vor 30 Jahren machten die Futtermittelkosten mit 4,4 Mrd. Franken noch fast die Hälfte der gesamten Vorleistungen aus.

Die Ausgaben sind also gesunken, obwohl die Menge insgesamt stabil blieb. Dennoch kam BAK Basel in einer Studie zum Schluss, dass Schweizer Landwirte im Schnitt 40 Prozent mehr für Futtermittel zahlen als ihre Berufskollegen in den umliegenden Ländern. Die Gründe dafür sind vielschichtig.

Futtermittelkosten fallen ins Gewicht: Sie machen fast 40% der Vorleistungen aus (2016 - provisorisch)

Vorleistungen in der Lw. Gesamtrechnung   in Tausend CHF
Futtermittel       2'382'305
Saat- und Pflanzgut        300'667
Energie, Schmierstoffe    448'232
Dünge- und Bodenverbesserungsmittel      183'243
Pflanzenschutz- und Schädlingsbekämpfungsmittel        132'751
Tierarzt und Medikamente        193'334
Instandhaltung von Maschinen und Geräten      535'861
Instandhaltung von baulichen Anlagen    259'111
Landwirtschaftliche Dienstleistungen    720'347
Sonstige Waren und Dienstleistungen   1'074'416
Unterstellte Bankgebühren             46'255
Vorleistungen total       6'276'522

Quelle: Agrarbericht / BFS


Höhere Kostenstrukturen und Qualität


Mischfuttermittel werden kaum importiert, gemischt wird in der Regel in der Schweiz. Ein grosser Teil der Wertschöpfung - und Kosten - fällt deshalb in der Schweiz an. Und bei den im Inland produzierten Futtermitteln fallen die höheren Kostenstrukturen ins Gewicht (Löhne, Bodenpreise, Bau- und Transportkosten etc.). Diese höheren Kosten der Inlandproduktion widerspiegeln sich in den im Vergleich zum Ausland höheren Produzentenpreisen.

Doch es ist nicht nur der Inlandanteil, der die Futtermittel verteuert. Oft ist es auch die nachgefragte Qualität. Auf Sojafuttermittel werden z.B. keine Zölle erhoben. Trotzdem sind sie in der Schweiz rund ein Viertel teurer als in den Nachbarländern. Das liegt unter anderem an der GVO-Freiheit. In Deutschland stammen ungefähr 80 Prozent des eingesetzten Sojaschrots aus GVO-Sojabohnen, in Frankreich macht GVO-Soja rund die Hälfte aus. Die Mehrkosten von GVO-freiem Soja werden auf sieben bis zehn Franken pro 100 kg geschätzt. Dazu kommt, dass die Schweiz zum grössten Teil sehr proteinreiches Sojaschrot importiert, sogenanntes "hi-pro" Sojaschrot, welches per se teurer ist.

Auch beim Preis vom Maiskleber dürfte die GVO-Freiheit einen relevanten Anteil an den höheren Kosten haben. Neben der GVO-Freiheit erklärt auch der Anteil Bio-Futtermittel einen Teil der Preisunterschiede. Deutschland, Frankreich und Italien haben im Verhältnis weniger Biobetriebe.

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