17.07.2013 10:58
Quelle: schweizerbauer.ch - Samuel Krähenbühl
Direktvermarktung
Gewerbe greift Hofläden an
Gewerbe greift Hofläden anDer Schweizerische Gewerbeverband (SGV) hat ein Problem mit den bäuerlichen Hofläden. Diese hätten weniger strenge Auflagen, lautet die Kritik. Der Schweizerische Bauernverband (SBV) hält aber dagegen.

Nein, er habe nicht grundsätzlich etwas gegen Hofläden, betont SGV-Direktor Hans-Ulrich Bigler: «Initiative Bauern finden wir gut.» Aber der SGV verlange, dass die gewerblichen Detailhändler gleich lange Spiesse hätten wie die Betreiber der Hofläden. Denn genau diesen Grundsatz der Wettbewerbsneutralität habe das Parlament im Rahmen der Agrarpolitik 2014–2017 (AP 2017) in Artikel 89a des Landwirtschaftsgesetzes verankert. «In den Verordnungen zur AP 2017 haben wir aber festgestellt, dass es eine Wettbewerbsverzerrung geben kann, wenn die Bauern ihre Tätigkeiten zu besseren Bedingungen anbieten können als das Gewerbe», doppelt Bigler nach.

Wettbewerbsnachteile

Bigler sieht vor allem in drei Bereichen Wettbewerbsvorteile für die Bauern: «Wir stellen fest, dass das Sortiment in Hofläden häufig nicht nur aus Eigenprodukten besteht, sondern auch aus zugekauften. Dort werfen wir die Frage auf, ob immer sauber deklariert ist, was selber produziert und was zugekauft ist.» Der zweite Kritikpunkt betrifft die Kontrollhäufigkeit. Er vermutet, dass Hofläden weniger häufig kontrolliert würden als Dorfläden. 

Schliesslich stört sich Bigler an den längeren Öffnungszeiten der Hofläden, welche oft mit Selbstbedienung arbeiten würden. «Die Dorfläden haben im Gegensatz dazu eingeschränkte Öffnungszeiten», betont er.

SBV-Sprecherin Sandra Helfenstein hat Mühe mit dem Ton, den Bigler anschlägt.  «Hofläden ergänzen das Einkaufsangebot, sie konkurrenzieren es kaum. Ein Dorfladen kann sogar davon profitieren, regionale Produkte der Bauern einzukaufen und diese anzubieten», betont Helfenstein. Dass die Bauern  zum Teil gegenseitig ihre Produkte im Hofladen anbieten würden, bringe noch lange kein Vollsortiment, das die Dorfläden konkurrenziere. 

Gleiche Kontrollen

Weder Hofladenbetreiber noch  Dorfläden hätten die geringste Einflussmöglichkeit auf die Kontrollfrequenz. «Dorf- wie Hofläden unterstehen den gleichen Kontrollen durch die jeweilige kantonale Lebensmittelkontrolle», betont sie.

Der Vorwurf der Öffnungszeiten sei ebenfalls absurd. Bediente Hofläden hätten meist nur an gewissen Tagen und zu sehr reduzierten Zeiten offen. «Bezüglich Selbstbedienung ist es auch jedem Dorfladen freigestellt, einen Automaten hinzustellen oder eine Selbstbedienung einzurichten», spielt sie dem Gewerbe den Ball zurück.

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