1.02.2013 10:37
Quelle: schweizerbauer.ch - sam/sal
SMP
Gfeller und Rösti gehen - Live-Berichterstattung von der Pressekonferenz
Personeller Umsturz bei den Schweizer Milchproduzenten (SMP). Präsident Peter Gfeller und Direktor Albert Rösti gehen. Wir berichten live von der Pressekonferenz aus dem SMP-Hauptquartier an der Weststrasse in Bern.

Donnerstag, 31. Januar

Die SMP haben für Freitagmorgen zu einer Pressekonferenz eingeladen. Zum Thema steht nur trocken "Personelles" auf der Einladung. Wie schweizerbauer.ch in Erfahrung bringen konnten, haben Präsident Gfeller und Direktor Rösti an der Vorstandssitzung am Donnerstagmorgen ihren Rücktritt erklärt.

Freitag, 1. Februar 2012

09.10 Uhr

Vor dem Lift im Erdgeschoss drängen sich bereits die Journalisten. Auch das Schweizer Fernsehen ist da.

09.15 Uhr

Beatrix Besio, die rechte Hand von Direktor Albert Rösti, stellt Milchgläser für die Hauptakteure hin.

09.20 Uhr

Christoph Grosjean-Sommer, Kommunikationsverantwortlicher, verteilt eine Medienmitteilung. Darin steht unter anderem: "Die Rücktritte stehen in direktem Zusammenhang mit der strategischen Blockade innerhalb des SMP-Vorstandes, welche eine zukunftsgerichtete Verbandsführung in der jetztigen Zusammensetzung verunmöglicht. Nachdem die vom SMP-Vorstand jeweils mit klaren Mehrheitsentscheiden abgesegneten Vorschläge zu einer Verbesserung der Situation der Milchproduzenten in den vergangenen Jahren immer wieder von eigenen Mitgliedsorganisationen unterlaufen wurden, sind Präsident und Direktor nicht mehr bereit, diesen Zustand zu decken."

09.25 Uhr

Der abtretende Präsident Peter Gfeller betritt den Raum und grüsst die Journalisten. "Wo ist Albert?", fragt er seinen Mitarbeiter.

09.30 Uhr

Direktor Albert Rösti trifft ein.

09.35 Uhr

Peter Gfeller eröffnet die Pressekonferenz.

"Die wirtschaftliche Situation der Milchproduktionsbetriebe in der Schweiz ist absolut ungenügend. Für viele Betriebe ist sie sogar katastrophal", sagt Gfeller. Im letzten Jahr hätten letztes Jahr wiederum 900 Milchbauern aufgegeben. "Es braucht deshalb eine starke Standesvertretung", fügte er an. Dafür seien in erster Linie die SMP zuständig. Dafür stehe er in Verantwortung und Pflicht. Das spüre er.

 09.40 Uhr

"Warum können wir den besorgten Milchbauern keine Perspektive anbieten?", fragt Gfeller rhetorisch. Er spricht von einer "strategischen Blockade" im SMP-Vorstand. "Die meisten Vorstandsmitglieder stehen in einem Zielkonflikt zwischen den Interessen der Milchbauern einerseits und den Interessen ihrer Milchhandelsorganisationen andererseits. Ich kann diesen Zustand nicht mehr mittragen", so Gfeller wörtlich

09.44 Uhr

Sein Rücktritt erfolge auf die Frühjahresdelegiertenversammlung vom 30. Mai, sagt Gfeller. Er mache Platz für einen Neustart. "Mein Abgang allein wird nicht genügen für eine Veränderung", meint er in Hinblick auf seine Vorstandskollegen.

09.46 Uhr

Gfeller resumiert die Milchpolitik der letzten Jahre und kritisiert vor allem das Verhalten seiner Mitgliedsorganisationen. Zwar hätten die Vertreter der Milchverbände die Politik des SMP vordergründig immer unterstützt, sie aber dann hinter den Kulissen untergraben.

09.49 Uhr

Gfeller resumiert die Entwicklung der Milchbranche und hier namentlich auch der Branchenorganisation Milch (BOM). Ende September 2011 habe der SMP-Vorstand den Austritt aus der Branchenorganisation Milch (BOM) beschlossen, weil diese ihre Entscheide nicht mehr umgesetzt hätten. Doch bis auf die Walliser Milchproduzenten und die Prolait sei niemand der Mitgliedorganisationen ausgetreten.

"Ich bin nicht mehr bereit, diese Misstände schön zu reden oder zu verschweigen. Denn damit müsste ich gegen die Zweckartikel der SMP-Statuten verstossen", so Gfeller. Es bleibe nur ein Weg, wie die SMP Standesvertretung wieder stärker werden können: "Wir brauchen einen Entflechtung der Handels- und Standesvertretung. Es ist ein Problem, dass die gleichen Leute zwei bis drei Hüte tragen. Es sind Ausnahmen, die das schaffen."

Gfeller fordert sämtliche Vorstandsmitglieder auf, sich zu überlegen, ob sie im Stande seien, die Interessen der Milchproduzenten uneingeschränkt zu vertreten. Wenn nicht, sollen sie sich einen Rücktritt überlegen, so Gfeller.

Er erwarte, dass durch Rochaden im Vorstand die Blockade in den SMP wieder gelöst werden könne.

09.54 Uhr

Nun spricht Direktor Albert Rösti. Er habe sich immer überlegt, wie die Milchmenge nach dem Ausstieg aus der Milchkontingentierung im Griff gehalten werden könne. Ihm sei klar gewesen, dass bei einem "Laissez-Faire" die Milchmenge drastisch ausgeweitet würde und dass dies zu einem massiven Rückgang der Milchpreise führen könne.

Bei dem Ausstieg der Milchkontingentierung habe man kritisiert, dass ein Milchpreis von nur noch 60 Rappen prognostiziert worden sei. "Heute haben viele Bauern 50 Rappen oder noch weniger", meint er.

Es bestehe ein Ungleichgewicht zwischen den nur 4 grossen Milchverarbeitern auf der einen Seite und den über 30 Milchhandelsorganisationen auf der anderen Seite. Zudem habe der einzelne Produzent überhaupt keine Transparenz. Diese Intransparenz führe paradoxerweise trotz tiefem Ertrag zu noch höherer Produktion.

10.00 Uhr

Man könne der SMP-Führung nicht mangelnde Kompromissbereitschaft vorwerfen, betont Rösti. Denn die SMP seien immer stärker von der Idee, die Verursacher der zu hohen Produktion in die Pflicht zu nehmen, abgewichen.

"Wenn ich etwas falsch gemacht habe, war es zu glauben, dass Männer, die in einem nationalen Vorstand Beschlüsse fassen, diese auch umsetzen", meinte Rösti. Die Kreativität, die eigenen Beschlüsse zu umgehen, die habe er unterschätzt.

10.03 Uhr

Auch wenn die Bemühungen zur Marktstabiliserungen von Seiten der SMP gescheitert seien, hätten sie doch zumindest kurzfristig zu einer Stabilisierung der Situation geführt.

Jetzt spricht Rösti zum Milchpool. Nachdem dieser gescheitert sei, habe er gewusst, dass es ohne eine Allgemeinverbindlichkeit des Bundesrates nicht mehr möglich gewesen sei, den Markt im Sinne der Produzenten zu ordnen.

Doch auch beim Weg über die Politik sei das widersprüchliche Verhalten einiger Akteure das Problem gewesen. Auch politisch seien die Bemühungen des SMP-Vorstandes aus den eigenen Reihen im Hintergrund unterlaufen worden.

10.06 Uhr

Rösti kritisiert das Verhalten der eigenen Produzentenvertreter in der BOM:

"Vollends nicht mehr nachvollziehbar war für mich die letze DV der BOM. Damals brauchte es wegen dem Stimmverhalten der Produzenten zwei Anläufe, um die SMP wieder aufzunehmeen", kritisiert Rösti. Das sei eigentlich beschämend. Effektiv seien damit nicht die Akteure im SMP bestraft worden, sondern die Basis der Milchproduzenten gestraft worden. Denn die drei SMP-Vertreter hätten vor der Wahl erklären müssen, dass sie ihre Sperrminorität nie nutzen würden.

Zwar sei immerhin eine Regelung der Segmentierung beschlossen worden. Doch niemand habe die bis heute umgesetzt.

Die Segmentierung sei nicht umgesetzt, es bestehe kein Richtpreis und die Molkereien würden heute sagen, dass die Bauern noch das erhielten, was am Schluss übrig bleibt. "Damit wird der Bauer zum Restgeldempfänger  ohne jeglichen Einfluss am Markt", so Rösti

Das könnten er und Gfeller nicht mehr verantworten, hätten aber auch keine Kraft mehr, das zu beeinflussen.

10.12 Uhr

Rösti kommt auf sein politisches Mandat als Nationalrat zu sprechen, dem er seit 2011 angehört. Er habe gespürt, dass nicht alle Vorstandsmitglieder seine Tätigkeit als Nationalrat geschätzt hätten. Dies, obschon er gerade die Anliegen der Milchbauern in der AP 2017 einzubringen versucht habe.

10.14 Uhr

Rösti kommt auf die Kritik zu sprechen, ob er zu hohe Erwartungen geschürt habe. "Für mich haben dafür die Verantwortung diejenigen zu tragen, welche die Beschlüsse des Vorstandes immer hinten durch torpediert haben", meinte er.

Er werde die Direktion im Rahmen der ordentlichen Kündigungsfrist per Ende August abgeben.

"Wir waren ein eng eingespieltes Team", meinte Rösti. Im Sinne eines Neuanfangs sei es sinnvoll, dass auch er gehe. Es reiche aber nicht, wenn man in den gleichen Strukturen nur die Spitze austausche: "Für eine starke Standesvertretung bräuchte es unabhängige Leute im Vorstand, welche nicht gleichzeitig einer regionalen Handelsorganisation verpflichtet sind", fordert Rösti.

10.18 Uhr

Rösti lobt das Team der Schweizer Milchproduzenten. Es falle ihm deshalb auch entsprechend schwer, diese Leute zu verlassen. "Ich hoffe schwer, dass der Vorstand auch an diese Leute denkt, wenn er eine Umstrukturierung macht", meinte er.

Selbstverständlich werde er im Rahmen seines politischen Mandates weiterhin für die Bauern im Allgemeinen und für die Milchproduzenten im speziellen einstehen. "Ich bin und bleibe Bauernsohn", betonte er. Vielleicht könne er sogar etwas unabhängiger Forderungen stellen.

Er hoffe auch auf das Verständnis der Basis. "Und ich hoffe auch auf die Basis, dass die regionalen Milchbauernvertreter genau hinschauen, wen sie nach Bern schicken", fügte er an.

10.20 Uhr

Jetzt sind die Journalisten an der Reihe, Fragen zu stellen.

Gfeller wird auf die Reaktionen im Vorstand angesprochen.

Man habe den Vorstand am Donnerstag vollständig informiert. "Wir haben bis heute keine Reaktionen. In einer solchen Situation ist es aber besser, zuerst etwas zu reflektieren und dann zu reagieren", antwortete Gfeller.

Ob der Austausch des Vorstandes denn wirklich was bringe und man nicht zuerst die Strukturen ändern müsse?, wird Gfeller gefragt. Denn die Situation mit den PO und PMO bleibe ja die  gleiche.

Für ihn komme die personelle Rochade vor der strukturellen Veränderung, antwortet Gfeller. Es gebe Beispiele im Osten, wo man getrennt habe. So seien die Vereinigten Milchbauern Mitte-Ost (VMMO) und die PO Nordostmilch getrennt worden. Doch weiterhin würden die gleichen Leute im Vorstand der VMMO und der PO Nordostmilch sitzen.

Weiter wird Gfeller gefragt, ob zuerst der Präsident neu bestimmt und dann der Direktor?

Gfeller: "Es ist sinnvoll, dass der Präsident zuerst geht. Weil damit besteht die Möglichkeit, dass der neue Präsident bei der Neubesetzung des Direktors den Lead hat."

10.26 Uhr

Rösti betont, dass die Marktlage eigentlich 5 Rappen mehr Milchpreis ermöglichen würde. Doch der Vorstand habe nicht einmal akzeptiert, dass die Forderung nach einem höherern Milchpreis gestellt worden sei.

Ob der Entscheid gestern spontan gefallen sei, will ein Journalist wissen.

"Nein", antwortet Gfeller klipp und klar. Dieser Entscheid sei im letzten Jahr heran gereift. Nach seiner Wiederwahl vor 2 Jahren habe er gedacht, dass die Unterstützung von Seiten des Vorstandes vorhanden sei. "Zwischen mir und den Milchbauern ist das Vertrauensverhältnis da", betont er. "Sicher auch nicht zu ganz allen", räumt er ein. Aber er habe zum Beispiel an der Swiss Expo in Lausanne im Gespräch mit den Produzenten gemerkt, dass er akzeptiert sei. "Im Vorstand habe ich mich aber zunehmend als unerwünschter Präsident gefühlt", betont Gfeller.

10.30 Uhr

Für ihn sei der Entscheid nicht leicht gefallen, betont Direktor Rösti. "Zum Glück bin ich nicht Fussballtrainer", meint er. Für ihn sei das nicht ein Job, den man einfach kurz mal eine Lebensphase macht. Als Direktor müsse man vollziehen, was der Vorstand sagt. "Das hat mir zunehmend Mühe gesagt", erklärt Rösti. So habe man für den Wiedereintritt einstimmig drei Wiedereintrittskriterien für die BOM gestellt. "Doch zwei Monate später hat der gleiche Vorstand zwei Kriterien wieder rausgestrichen. Und jetzt sind wir dabei, aber Richtpreis und Segmentierung funktionieren noch immer nicht", fügt er an.

10.33 Uhr

Heinz Siegenthaler vom Bernisch-Bäuerlichen Komittee will wissen, ob jetzt der Rücktritt von den Verarbeitern nicht schamlos ausgenützt werde.

Rösti antwortet. Der Entscheid, jetzt zu gehen, sei auch von der Marktlage abhängig. "Der Markt wird eher zu einer Verbesserung führen, wenn auch zu wenig. Unser Abgang wird deshalb im jetzigen Moment nicht zu einem Preissturz führen", betont er.

10.35 Uhr

Werner Salzmann, ehemaliger Präsident des Bäuerlichen Zentrums Schweiz, dankt Gfeller und Rösti. Sie hätten es heute gut auf den Punkt gebracht. "Sie bestimmen sich selbst", meint er zu den Akteuren in der BOM. Die zwei hätten sehr  gut gearbeitet. "Ich weiss, dass sie bei den Bauern beliebt sind. Und jetzt gehen sie weg", fügt er an.

10.36 Uhr

Peter Gfeller schliesst die Pressekonferenz. Er hoffe, die Medienvertreter vielleicht wieder einmal bei einer erfreulicheren Gelegenheit wieder zu sehen.

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