27.02.2014 07:00
Quelle: schweizerbauer.ch - Susanne Meier
Kälbermast
GMF ärgert die Kälbermäster
Die meisten bäuerlichen Kälbermäster füttern ihre Kühe vorwiegend mit Gras. Also genau so, wie GMF vorschreibt. Trotzdem erhalten sie keine Beiträge. Schuld ist das Ergänzungsmilchpulver für die Kälber.

Bei der graslandbasierten Milch- und Fleischproduktion (GMF) wird der Kraftfutteranteil auf 10 Prozent der Jahresration beschränkt. Zum Kraftfutter zählen dabei nicht nur Getreide oder Soja, sondern auch Milchpulver.

«Deswegen werden viele bäuerliche Kälbermäster auf die GMF-Beiträge verzichten müssen», stört sich Samuel Graber, Präsident der Kälbermästervereinigung, an den Richtlinien des Programms. Er ist selber betroffen: «Auf meinem Bergbetrieb erfülle ich die GMF-Anforderungen nicht, obwohl ich meine Simmentaler Kühe extensiv und vorwiegend mit Raufutter füttere.»

Milchpulver soll bei GMF nicht mehr zum Kraftfutter zählen

Graber rechnet vor: «Damit das Kalbfleisch den hohen Marktanforderungen entspricht, muss man die Kuhmilch mit 70 bis 80 kg Milchpulver pro Kalb ergänzen.» Bei zwei Umtrieben pro Jahr gebe das 150 kg, bei 2 Umtrieben sogar 200 kg Milchpulver pro Mastplatz.

«Auf einem durchschnittlichen Kälbermastbetrieb reicht es dann nicht mehr für 2 kg Kraftfutter pro Kuh und Tag. Sonst übersteigt der Kraftfutteranteil die 10-Prozent-Limite», so Graber. Auch reine Simmentaler Kühe mit 5000 bis 6500kg Jahresleistung würden aber so viel Kraftfutter benötigen. 

Die Kälbermäster fordern nun vom Bundesamt für Landwirtschaft (BLW), dass das Milchpulver bei GMF nicht mehr zum Kraftfutter zählt. Graber betont, dass die GMF-Regeln auch beim Biertreber nachträglich angepasst worden seien: «Dann sollte das beim Milchpulver ebenfalls ohne Änderung der Direktzahlungsverordnung (DZV) möglich sein.»

BLW: Milchpulver ist Verarbeitungsprodukt

Laut Jürg Jordi vom BLW wurde die Definition von Biertreber präzisiert: «Nicht nur frischer, sondern auch getrockneter oder silierter Biertreber ist jetzt als Grundfutter anrechenbar. Dies wird in den Weisungen zur DZV festgelegt.»

Bezüglich Milchpulver winkt er aber ab und verweist auf die Anwort des Bundesrates auf eine Anfrage von Nationalrätin Francine John-Calame (Grüne, NE). Demnach ist die Definition von Grundfutter bei GMF identisch mit der Definition in der Suisse Bilanz. In dieser werde Milchpulver nicht erwähnt. «Milchpulver als Verarbeitungsprodukt muss deshalb in der Futterbilanz als Kraftfutter angerechnet werden, die direkt verfütterte Milch aber nicht», so Jordi. Das BLW toleriere aber auf Zusehen hin, dass Magermilch und Schotte in der Futterbilanz nicht als Kraftfutter angerechnet werden.

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