12.06.2014 10:31
Quelle: schweizerbauer.ch - Raphael Bühlmann
Energie
Gras und Stroh zum Heizen einsetzen
Nationalratspräsident Ruedi Lustenberger möchte, dass in Zukunft biogene Abfälle verbrannt werden dürfen. Der Nationalrat gab bereits seine Zustimmung. Nun kommt der Vorstoss in die Kommission des Ständerates.

Nationalrat Ruedi Lustenberger (CVP,LU) kritisiert, dass die heute gültigen Verordnungen und Gesetze bezüglich Luftreinhaltung zu stark auf die zum Zeitpunkt des Verfassens vorhandenen Technologien abgestützt sind. Werden Technologien verbessert, würden diese teilweise ungerechtfertigterweise verboten bleiben.

Laut Lustenberger geschieht dies aktuell bei der Verarbeitung von Reststoffen aus Landwirtschaft und Nahrungsmittelindustrie. Diese weisen einen hohen Energiegehalt auf, welcher weitgehend ungenutzt bleibe. Lustenberger reichte deshalb bereits vor fast drei Jahren einen Vorstoss ein, der eine dem heutigem Technologiestandard entsprechende, sachgerechte Verwendung von Biomasse zulassen soll.

Emissionen wie beim Holz

Die Motion Lustenberger sieht unter anderem vor, dass geltende Gesetze und Verordnungen so abzuändern sind, dass Hofdünger, Biomasse-Reststoffe oder Nahrungsmittelreste verbrannt werden dürfen und so als Brennmaterial für Heizungen dienen sollen. Lustenberger argumentiert, dass biogene Reststoffe mittlerweile so aufbereitet und verheizt werden können, dass es für Mensch und Umwelt unbedenklich sei.

Diese Aussage bestätigt auch Janez Zekar, Geschäftsführer von Bioburn. Die Unternehmung hat sich die Pionierrolle im Bereich biogene Brennstoffe erarbeitet. «Bei der Verbrennung von biogenen Abfällen fallen nicht mehr Emissionen an, als wenn man Holz verbrennt», so Zekar. 

Grosses Energiepotenzial

Die Zahlen der effektiv ungenutzten Energie aus Biomasse variieren. Sicher ist, dass das Potenzial gross ist. Laut einer Studie im Auftrag vom Bundesamt für Energie könnten allein aus Ernterückständen und Hofdüngern zusätzlich rund 85'000 Terajoule Energie gewonnen werden. Zum Vergleich: 2001 stammten gut 200'00 Terajoule aus dem Rohstoff Holz. 

Zekar von Bioburn betont aber explizit, dass man nicht die Nahrungsmittelproduktion konkurrieren wolle. Es gebe aber zahlreiche Beispiele, wo es Sinn mache, landwirtschaftliche Biomasse als Brennmaterial zu nutzen. «Bei entlegenen Hochmooren oder sonstigen Flächen, bei denen die Futterqualität bescheiden ist, könnte man das Gras für die Beheizung nutzen», so Zekar. Voraussetzung sei natürlich, dass die Nährstoffbilanz ausgeglichen sei.

Schwieriges Unterfangen

Die Motion Lustenbergers bedingt eine Reihe von Anpassungen in Gesetz und Verordnungen. So müsste das Bundesgesetz über den Umweltschutz, die technische Verordnung über Abfälle, die Luftreinhalte-Verordnung, das Bundesgesetz über den Schutz der Gewässer und die Gewässerschutzverordnung angepasst werden. Verwaltung und Bundesrat stehen dem Vorstoss kritisch gegenüber.

Der Bundesrat hat die Motion vergangenen September dem Nationalrat zur Ablehnung empfohlen. Er führte Bedenken an, dass bei der Verbrennung von Biomasse wertvolle Nährstoffe und Strukturmaterial verloren gehen würden. Deshalb sollte eine Verbrennung nur in Betracht gezogen werden, wenn die Verwertung technisch nicht möglich, oder wirtschaftlich nicht tragfähig sei. Zudem seien viele kleine Feuerungsanlagen für die Verbrennung von Biomasse nicht geeignet, und es käme zu erhöhten Schadstoffemissionen. Der Bundesrat sähe einen möglichen Einsatz nur bei Heizungen ab einer Leistung von mindestens 350 Kilowatt mit entsprechenden Abgasreinigungsanlagen.

Kreisläufe sind wichtig

Bundesrätin Doris Leuthard führte in der Debatte zudem an, dass der Verwaltung das  Kreislaufprinzip bei Biomasse-Reststoffen wichtig sei. «Es ist wie beim Holz, bei dem wir sagen: Zuerst kommt der Bau, und am Schluss verbrennen wir es noch. Dann ist der Kreislauf geschlossen, und man hat eine Mehrfachnutzung», so Leuthard.

Dennoch stimmte der Nationalrat vergangenen September der Motion Lustenberger mit 124 Ja zu 52 Nein–Stimmen deutlich zu. Nun kommt das Geschäft im August in die vorberatende Kommission für Umwelt, Raumplanung und Energie des Ständerates (UREK-S).

 

SCHWEIZER BAUER
BEKANNTSCHAFTEN
DER SCHWEIZER BAUER AUF YOUTUBE