19.08.2013 15:44
Quelle: schweizerbauer.ch - sda
Energie
Grüne wollen nationales Verbot von Schiefergas-Förderung
Die Förderung von Schiefergas mittels Fracking ist international umstritten. In der Schweiz gibt es noch keine konkreten Projekte, die den Einsatz dieser Fördertechnik vorsehen. Trotzdem fordern die Grünen nun ein nationales Förderverbot.

Die Co-Präsidentin der Grünen, Adèle Thorens, zählte am Montag  vor den Medien in Bern jene Punkte auf, die aus Sicht der Partei  gegen die Schiefergas-Förderung sprechen: der enorme  Wasserverbrauch, die Gefahr der Grundwasserverschmutzung durch den  Einsatz von Chemikalien sowie das Erdbeben-Risiko.

Es sind dies die bekannten Kritikpunkte, die gegen das  sogenannte Fracking vorgebracht werden. Bei der relativ neuen  Fördertechnik wird ein Gemisch aus Wasser, Sand und teilweise  giftigen Chemikalien in tief liegendes Schiefergestein gepresst.  Das Gestein wird so aufgebrochen. Dadurch kann etwa Schiefergas  gefördert werden, das zuvor unzugänglich war.

«Sauberes Fracking»

Fracking kommt aber nicht nur bei der Schiefergas-Förderung zum  Einsatz. Auch bei einigen Geothermie-Projekten wird das Gestein mit  Wasser unter Druck gesetzt. Der Nutzung der Erdwärme stehen die  Grünen allerdings grundsätzlich positiv gegenüber. Thorens stellte  deshalb klar, dass «die Grünen kein generelles Fracking-Verbot  wollen».

Die Partei fordert aber einheitliche Regelungen von  Tiefenbohrungen und eine klare Koordination zwischen den Kantonen.  Damit sollen die Voraussetzungen für «sauberes Fracking» geschaffen  werden. Eingesetzt werden sollen nur noch Technologien und Stoffe,  die für Mensch und Umwelt unbedenklich sind. Verbieten wollen die Grünen den Einsatz von Fracking hingegen im  Zusammenhang mit der Förderung von fossilen Energieträgern wie  Erdgas und Erdöl. Die Partei habe bereits früher aufgezeigt, dass  der Ausstieg aus der Atomenergie auch ohne fossiles Gas möglich  sei, sagte Nationalrätin Aline Trede (BE).

Die Grünen streben deshalb ein nationales Verbot für die  unkonventionelle Förderung fossiler Energie oder zumindest ein  entsprechendes Moratorium an. Der Bundesrat hatte im Februar zwar  seine Skepsis gegenüber der Fracking-Technologie ausgedrückt. Ein  allfälliges Verbot liege aber nicht in der Kompetenz des Bundes, da  die Nutzung der Bodenschätze Sache der Kantone sei.

Moratorium im Kanton Waadt

Ein Moratorium für die unkonventionelle Förderung von fossilen  Energieträgern kennt heute nur der Kanton Waadt. In Genf hat die  Kantonsregierung erklärt, sie bereite ein entsprechendes Verbot  vor. In Neuenburg wiederum wollen die Grünen im Herbst eine kantonale  Initiative lancieren. Verboten werden sollen Bohrungen, die eine  Gefahr für das Trinkwasser darstellen. Im Westschweizer Kanton  sorgt derzeit ein Projekt zur Förderung von Erdgas im  Val-de-Travers für Aufsehen.

Im Juni war ein Bericht aufgetaucht, wonach das mit dem Projekt  betreute britische Unternehmen Celtique Energie trotz  anderslautender Beteuerungen das Potenzial zur Förderung von  Schiefergas abklären liess.

Fracking-Boom in den USA

Noch ist die Schweiz also nicht direkt betroffen von der  Förderung von Schiefergas mittels Fracking. Anders die Situation in  den USA, wo die Fördermethode regelrecht boomt. Der Gaspreis ist  dadurch spürbar gesunken. «Fracking ist in der Schweiz sehr wohl ein Thema», sagte die  Berner Nationalrätin Trede am Montag. Die Grünen warten nun den  Bericht ab, den der Bundesrat im Mai angekündigt hatte. Dies als  Antwort auf einen Vorstoss von Trede. Darin wird die Regierung  aufgefordert, ihre Haltung gegenüber dem Fracking deutlich  darzulegen.

Die Kritik der Grünen an der umstrittenen Fördertechnik findet  auch auch auf der anderen Seite des politischen Spektrums Anklang:  Der St. Galler SVP-Nationalrat Lukas Reimann hatte den Bundesrat im  vergangenen Jahr aufgefordert, sich gegen Fracking-Pläne am  Bodensee einzusetzen.

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