27.07.2020 18:30
Quelle: schweizerbauer.ch - sal
AP22+
«Grünlandbetriebe verlieren erneut»
Nationalrat Martin Haab (SVP, ZH) lehnt das Reformpaket AP 22+ ab. Die Viehwirtschaft, sei es die Milchwirtschaft oder die Mutterkuhhaltung, werde bei der Umverteilung der Direktzahlungen einmal mehr Beiträge verlieren. (Mit Video)

An der Medienkonferenz der SVP auf dem Hof von Nationalrat Andreas Aebi in Alchenstorf BE war Landwirt und SVP-Nationalrat Martin Haab aus Mettmenstetten ZH einer der Referenten. Auch er lehnt die AP 22+ ganz klar ab und plädiert für Rückweisung an den Bundesrat.

Der Selbstversorgungsgrad solle von heute rund 60% auf unter 50% sinken. Haab sagte, wenn er als Praktiker die neue Agrargesetzgebung studiere, so denke er, dass der Selbstversorgungsgrad vermutlich noch weit schneller falle, als es die Modellrechnungen der Agroscope annähmen. Zu stark würden tierische und pflanzliche Produktion abgestraft und eingeschränkt. 

«Milchbauern und Mutterkuhhalter verlieren» 

Im Video-Interview mit dem «Schweizer Bauer» erklärte er aus der Perspektive der Viehwirtschaft, dass diese erneut von der Umverteilung der Direktzahlungen negativ betroffen wäre. Das betreffe sowohl Milchkühe wie Mutterkühe. Schon mit der AP 22+ haben diese Produktionszweige im Zuge der Abschaffung der Raufutterverzehrerbeiträge, mindestens diese im Talgebiet und in der Bergzone I und II, Tausende, ja Zehntausende Franken Beiträge pro Jahr verloren. Wenn jetzt im Ackerbau viele neue Programme gegen den Pflanzenschutzmitteleinsatz und für den Humusaufbau etc. lanciert werden, braucht das Geld, und das muss von irgendwoher kommen. Haab sagte, auf Seite 206 der Botschaft des Bundesrates könne man das nachlesen. 

«Man ist einfach gegen die Hochleistungskuh» 

Zur Nutzungsdauer der Kühe, die mit Bundesbeiträgen gefördert werden soll, sagt Haab als erfolgreicher Viehzüchter: «Das ist eine rein theoretische Übung. Ich kenne keinen Bauern im Land, der eine gesunde Kuh zum Metzger gibt.» Eigentlich wäre doch die Lebtagesleistung (Leistung pro Tag ihres Lebens) die richtige Messgrösse, sagt Haab. Das wollten die Beamten aber nicht, denn dort wäre die sogenannte Hochleistungskuh unschlagbar. Wenn Kühe länger leben würden und dabei viel Methan oder CO2-Aequivalente ausstossen, aber kaum Milch produzieren, ist das in den Augen von Haab nicht klimafreundlich. Metzgen kann man die Kuh nur einmal, so viel mehr Fleisch hat eine Zweinutzungskuh dann auch nicht. Haab findet, diese Entwicklung sei zum Nachteil der Viehzucht. 


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