13.12.2015 12:09
Quelle: schweizerbauer.ch - Anja Tschannen
Politik
"Guy war wie ein Sohn für uns"
Guy Parmelin hat sein Bauernlehrjahr auf dem Betrieb der Familie Weilenmann-Gaberell in Altavilla FR bei Murten verbracht. Schon damals zeigte er Interesse an der Politik. Sein Lehrmeister und dessen Frau berichten von dem Jahr mit Guy.

Der frisch gewählte Bundesrat Guy Parmelin ist als gelernter und praktizierende Bauer ganz nahe an der Basis und weiss um die Probleme in der Landwirtschaft und vor allem der Agrarpolitik bestens Bescheid. Das Gespür für agrarpolitische Fragen hat Parmelin schon früh entwickelt, weiss sein Lehrmeister Max Weilenmann-Gaberell aus Altavilla FR zu berichten.

Besonderer Lehrling

Während der Saatkartoffelernte machte sich der damals 18-jährige Parmelin viele Gedanken um den Schutz der Landwirtschaftsfläche, denn zu dieser Zeit ging viel Boden durch unachtsamen Verkauf und Überbauung verloren. Im Jahr 1977 war Parmelin bei der vierköpfigen Familie Weilenmann-Gaberell im Lehrjahr. «Wir können uns noch sehr gut an Guy erinnern, er war ein besonderer Lehrling», erzählt Mina Weilenmann-Gaberell.

Dadurch dass er vor der Landwirtschaftslehre zuerst die gymnasiale Matura gemacht hat und schon etwas älter war, sei er reifer gewesen als die Lehrlinge, die mit 16 Jahren auf den Betrieb kamen.

Sehr gut integriert

«Auf ihn war immer Verlass», erzählt die 75-Jährige. Er sei pünktlich gewesen und habe die Arbeit zur vollsten Zufriedenheit erledigt. «Wir hatten grosses Vertrauen in ihn», ergänzt Max Weilenmann. Nicht nur bei der Arbeit im Stall und auf dem Feld sei Guy Parmelin ein angenehmer Zeitgenosse gewesen, sondern auch im Familienleben. «Wir haben ihn wie einen eigenen Sohn in die Familie aufgenommen», so Mina Weilenmann, er habe sich sehr gut integriert.

Einmal habe sie ihn mitten in der Nacht wegen Blinddarm ins Spital fahren müssen, so Mina Weilenmann-Gaberell. Einige Tage später habe er angerufen und gefragt ob er nicht wieder zu ihnen nach Hause kommen könne um sich zu erholen. Um nicht zur Last zu fallen, habe er darauf bestanden das Frühstück vorzubereiten, während Mina Weilenmann-Gaberell ihn im Stall ersetzte.

"Er hat einen guten Charakter"

«Guy ist charakterlich ein flotter Mensch», erzählt der 83-jährige Lehrmeister. Man könne mit ihm über alles reden, er sei auch ein guter Zuhörer, der an allem interessiert sei. Auf Worte sollen Taten folgen, um Parmelin macht sich die Familie Weilenmann dabei keine Sorgen, er sei schon damals ein «Krampfer» gewesen.

«Als Bundesrat kommt ihm seine Art zugute», sind die beiden überzeugt. Als Parmelin 1977 und 1978 in Altavilla sein Lehrjahr absolvierte, umfasste der Betrieb 18 ha. Es handelte sich um einen Milchwirtschaftsbetrieb mit Saatgutproduktion. «Wir produzierten Saatgutgetreide und Saatkartoffeln», erinnert sich Max Weilenmann. Guy Parmelin sei der zweite von insgesamt sechs Lehrlingen gewesen.

Betrieb stark verändert

Nach den Lehrlingen folgten die Praktikanten, total waren es zwölf. «Guy Parmelin hat alle Arbeiten gerne erledigt und sich überall gleich fest engagiert», sagt der ehemalige Lehrmeister. Der Betrieb hat sich im Verlaufe der Zeit stark verändert.

Das Pachtland wurde zurückgegeben, und die Betriebsfläche hat sich halbiert. «Heute führt unser Schwiegersohn den Betrieb im Nebenerwerb», so Max Weilenmann. Produziert wird nach Biorichtlinien. Zu den Kulturen zählen unter anderem Getreide, Mais und Sonnenblumen. Zudem werden einige Hinterwälderrinder als Mutterkühe gehalten.

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