9.12.2016 15:17
Quelle: schweizerbauer.ch - lid/blu/sda
Umwelt
Handlungsbedarf bei Umweltzielen
Noch ist keines der festgelegten Umweltziele in der Landwirtschaft vollständig erreicht. Das zeigt eine Umweltanalyse des Bundes. Umweltverbände fordern derweil Massnahmen.

2008 haben die Bundesämter für Umwelt (BAFU) und für Landwirtschaft (BLW) die Umweltziele Landwirtschaft (UZL) publiziert. Sie beruhen auf bestehenden rechtlichen Grundlagen und umfassen die Bereiche Biodiversität, Landschaft, Klima und Luft, Wasser, Boden und Gewässerraum. Der Bundesrat hat an seiner Sitzung von Freitag den Bericht zum Postulat Nationalrätin Kathrin Bertschy (GLP/BE) über die Umweltziele Landwirtschaft gutgeheissen.

Forschritte bei Nutztierrassen und Biodiversitätsförderflächen

Messbare Fortschritte gebe es seit 2008 unter anderem bei der Erhaltung von einheimischen Sorten und Nutztierrassen, beim Anteil der Biodiversitätsförderflächen und der Ausscheidung von Gewässerräumen, heisst es in einer Medienmitteilung des Bundesrates zum Bericht. Die Veränderung habe aber überwiegend zwischen 1990 und 2000 stattgefunden, seither stagniere die Entwicklung oder habe sich stark verlangsamt.

Allerdings ist noch keines der damals festgelegten 13 Ziele vollständig erfüllt worden. Handlungsbedarf sieht der Bundesrat vor allem bei der Biodiversität, den klimarelevanten Treibhausgasen, beim Stickstoff und bei der Bodenfruchtbarkeit. Die Ammoniak-Stickstoff-Emissionen beispielsweise betrugen 2014 48'000 Tonnen. Das Umweltziel liegt bei 25'000 Tonnen pro Jahr.

Der Stickstoffeintrag in Gewässer beträgt das Doppelte des Zielwerts. Die Dieselrussemissionen liegen mehr als zehnmal höher als angepeilt. Auch beim Erhalt von Kulturland und dessen Vielfalt, bei der Biodiversität und bei der Beeinträchtigung durch Pflanzenschutzmittel gibt es Defizite. Teilweise erreicht ist beispielsweise das Ziel, den Phosphorgehalt in den Seen zu reduzieren.

Massnahmen

Der Bundesrat will die Zielerreichung mit folgenden Stossrichtungen verbessern:

- Umsetzung von beschlossenen Strategien, Aktionsplänen und Massnahmen.
- Verbesserung des Vollzugs von bestehenden rechtlichen Vorschriften.
- Anpassung der landwirtschaftlichen Produktionssysteme an die Tragfähigkeit der Ökosysteme.
- Flächendeckende Verbesserung der Nährstoffeffizienz und - wo dies nicht genügt - Überprüfung der Produktionsintensität.
- Stärkung der Eigenverantwortung der Landwirte durch Ergebnisorientierung.
- Verstärkte Forschung und Innovation im Hinblick auf effizientere Produktionssysteme.

Die definierten Stossrichtungen sollen in die Weiterentwicklungen der Agrarpolitik und der Umweltpolitik einfliessen.

Umweltverbände fordern Massnahmen

Der WWF fordert angesichts des Berichts eine Agrarpolitik, die sich klar an den Umweltzielen orientiert. Würden die Umweltziele weiterhin verfehlt, gefährde das den Bestand der Produktions- und Lebensgrundlagen wie beispielsweise sauberem Trinkwasser und fruchtbaren Böden, heisst es in einer Mitteilung. Kurzfristig muss nach Ansicht des WWF die ausreichende Finanzierung der Biodiversitätsförderung und eine konsequente Reduktion von Pestiziden und des Nährstoffüberschusses im Zentrum stehen.

Pro Natura bezeichnet den Bericht in einer Mitteilung als "brisant". Der Bundesrat befürchte sogar, dass der Druck auf die Ökosysteme weiter zunehmen werde. Die Umweltorganisation fordert deshalb konsequente Schritte, um die Ziele zu erreichen. Besonders in der Pflicht sieht Pro Natura die Branchenverbände.

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