23.04.2020 09:52
Quelle: schweizerbauer.ch - sda
Telekommunikation
Harte Kritik am 5G-Entscheid
Die Telekombranche übt harte Kritik am 5G-Entscheid des Bundesrates. Obwohl der Bund auf eine rasche Einführung der fünften Mobilfunktechnologie gedrängt habe, nehme er jetzt einen Rückstand der Schweiz in Kauf, erklärte Sunrise in einem Communiqué. Die 5G-Gegner sind teilweise zufrieden.

Der Bund selber habe ursprünglich aufs Gas gedrückt und die Auktion der Mobilfunkfrequenzen Anfang 2019 durchgeführt trotz des Widerstands von Sunrise und Salt. Die Schweiz habe dann als erstes Land Europas 5G im April 2019 eingeführt. «Und jetzt tritt die Regierung auf die Bremse», sagte Sunrise-Sprecher Rolf Ziebold am Mittwoch auf Anfrage.

Regierung verzögert

Ins gleiche Horn stiess der Präsident des Telekomverbandes Asut, Peter Grütter: Die Schweizer Regierung habe vor drei Jahren eine Digitalisierungsstrategie beschlossen und damit gute Voraussetzungen für Wettbewerbsvorteile geschaffen. Seit 5G setze die Regierung auf Verzögerungen.

Es sei schon seit Jahren bekannt, dass mit der heutigen Strahlenschutzregulierung (NISV) die Emissionen der adaptiven Handyantennen überschätzt würden, sagte Ziebold. Diese strahlen nicht einfach ringsherum wie die bisherigen Mobilfunkantennen, sondern richten ihre Signale gezielt auf den Handynutzer aus. Dafür strahlen sie andernorts weniger, wo kein Nutzer in ihrem Bereich ist.

Bund hätte schon viel früher testen können

«Um Transparenz zu schaffen, wie stark die Bevölkerung durch adaptive Antennen tatsächlich belastet wird, sind zunächst Testmessungen notwendig», hat der Bundesrat am Mittwoch entschieden: «Gestützt auf die Ergebnisse der Testmessungen wird das Uvek die Vollzugshilfe erarbeiten. Bis diese vorliegt, sind adaptive Antennen wie konventionelle Antennen zu beurteilen. Damit ist der Schutz der Bevölkerung jederzeit gewährleistet.»

Das stösst Sunrise und Salt sauer auf. «Es ist mir ein Rätsel, warum die zuständigen Behörden nicht bereits im Januar 2019 solche Testmessungen gemacht haben», sagte Salt-Chef Pascal Grieder. «Die Problematik war damals schon bekannt.» Mit dem heutigen Entscheid könne man die Vorteile der adaptiven 5G-Antennen nicht nutzen, weil die Behörden nach bisheriger Methode man davon ausgehen würden, dass die Antennen ständig voll strahlen würden, sagte der Salt-Chef.

5G effizienter

«Mit der jetzigen Regelung kann man 5G nicht so ausbauen, dass die volle Leistung zur Verfügung stehen würde», sagte Sunrise-Sprecher Ziebold. Es brauche wenigstens eine rasche und pragmatisch Lösung für adaptive Antennen, um Blockaden von 5G aufzuheben. «Auch heute zeigt der Bundesrat nicht auf, bis wann diese Vollzugshilfsmittel vorliegen werden, was 5G in der Schweiz weiter verzögert.»

Asut-Präsident Grütter sagte: «Ich verstehe nicht, warum bei einer Technologie, die nachhaltiger ist als die bisherige nicht vorwärts gemacht wird.» Bei 5G strahle die Antenne nur dorthin, wo Bedarf bestehe. Zudem sei 5G effizienter bei der Datenübertragung als die bisherigen Mobilfunktechniken.

Den Schutz der Bevölkerung habe die Telekombranche nie in Frage gestellt. «Wir wollten noch nie auf Kosten der Gesundheit der Bevölkerung eine neue Technologie einführen», sagte Grütter. Die Schweizer Grenzwerte seien weit unter den Grenzwerten der Weltgesundheitsorganisation WHO. Es gebe keine Hinweise auf gesundheitliche Schäden durch 5G.

Dabei habe sich der Bundesrat für seinen heutigen Entscheid bereits fünf Monate Zeit gelassen, sagte Salt-Chef Grieder. Der Bericht der Arbeitsgruppe «Mobilfunk und Strahlung», auf den sich die Regierung abstütze, liege seit November 2019 vor.

Gegner: Bedenken ernstgenommen

Zufriedener reagierte der Verein für Strahlenschutz auf die Beschlüsse des Bundesrates. Es sei erfreulich, dass die Landesregierung den Vorsorge- und Schutzgedanken auch in Bezug auf 5G weiterhin aufrechterhalte und die Bedenken der Bevölkerung in ihre Entscheide mit einbeziehe, hiess es in einer Mitteilung. 

Begrüsst wird die Schaffung einer umweltmedizinischen Beratungsstelle. In den letzten Monaten hätten sich «unzählige Menschen» mit dem Verein in Verbindung gesetzt, weil sie unter grossen gesundheitlichen Problemen litten, die nachweislich auf Mobilfunkbelastung zurückzuführen sei. Die vom Bundesrat beschlossene Übergangsregelung, wonach adaptive wie konventionelle Antennen zu beurteilen seien, bedauert der Verein jedoch. Diese Übergangsregelung schütze nicht vor einer Überschreitung der Grenzwerte.

SCHWEIZER BAUER
BEKANNTSCHAFTEN
DER SCHWEIZER BAUER AUF YOUTUBE