31.10.2018 17:58
Quelle: schweizerbauer.ch - lid
Abstimmung
Hornkuh: Gegner formieren sich
Die landwirtschaftlichen Verbände Agora, Mutterkuh Schweiz und der Schweizerische Bäuerinnen- und Landfrauenverband stellen sich gemeinsam gegen die Hornkuh-Initiative. Über diese wird am 25. November abgestimmt.

In der gemeinsamen Pressekonferenz erläuterten die Initiativ-Gegner ihre Argumente. Diese sind diverser Natur. Eine solch spezifische Massnahme habe keinen Platz in der Verfassung, sagte Laurent Tornay, Präsident von Agora, der Dachorganisation der Westschweizer Landwirtschaftsverbände, gemäss Redetext.

Markt soll entscheiden

Tornay fürchtet zudem zusätzliche Kontrollen und administrative Komplikationen. Agora stelle sich nicht gegen die Entscheidung von Landwirten, Tiere mit Hörner zu halten, so Tornay. Es sei aber Aufgabe des Marktes, die zusätzlichen Anstrengungen im Bereich der Haltung von Horntieren zu würdigen.

Diese zusätzlichen Aufwände könnten bereits heute via Label-Produkte wie Demeter verrechnet werden, sagte auch SBLV-Präsidentin Christine Bühler. Sie sprach insbesondere auch den Sicherheitsaspekt an. Für Bäuerinnen und Bauern stehe die Sicherheit von Mensch und Tier an erster Stelle. Unfälle durch Hornstösse könnten aber erhebliche Verletzungen herbeiführen.

Ein weiteres Argument der Initiativ-Gegner ist die Haltung von Kühen in Freilaufställen. Aus Gründen des Tierwohls werde auf die Freilauf-Haltung gesetzt, sagte Christine Bühler. Weil aber unter den Kühen eine strenge Hierarchie herrsche, bestehe eine grössere Verletzungsgefahr, wenn Kämpfe mit Hörnern ausgetragen würden.

Die wichtigsten Argumente der Gegner im Überblick

  • Der Beitrag könnte Praktiken unterstützen, die für Sicherheit von Bäuerinnen und Bauern sowie Tieren gefährlich sind
  • Die Gelder würden nicht zusätzlich gewährt, sondern von anderen agrarpolitischen Massnahmen umverteilt
  • Die Initiative widerspricht dem Trend zu natürlich hornlosen Tieren
  • Der Beitrag könnte zu einem geringeren Anteil von Tieren führen, die in Laufställen gehalten werden
  • Zusätzliche Kontrollen und mehr administrativer Aufwand 

Natürliche Hornlosigkeit

In der Mutterkuh-Haltung sind die meisten Tiere hornlos, wobei auch Hornkühe ihren Platz haben. Es sei die Entscheidung des Züchters, welche Tiere er wähle, so Mathias Gerber, Präsident von Mutterkuh Schweiz. Wegen des damit verbundenen Mehraufwandes sei die Idee, Hornkühe mit einem höheren Beitrag zu fördern, nachvollziehbar. Leider lasse der Text aber offen, ob die Haltung nur in Laufställen oder auch in Anbindeställen gefördert werden solle, so Gerber. Mutterkuh Schweiz setze sich für die Weide- und Laufstallhaltung ein. Diese Haltung biete nach Ansicht von Mutterkuh Schweiz am meisten für das Tierwohl.

Ein weiteres Argument der Mutterkuh-Halter ist die natürliche Hornlosigkeit. Bereits ist jede 4. Mutterkuh natürlich hornlos, dies mit steigender Tendenz. Mathias Gerber geht davon aus, dass künftig in der Mutterkuhhaltung nicht mehr enthornt wird. Sei es wegen der natürlichen Hornlosigkeit oder weil sich die Züchter bewusst für Horntiere entschieden.

Geld anderen Bauern nehmen

Ein weiteres Argument ist finanzieller Natur. Wie viel Geld die Förderung der Hornkühe kosten würde, ist unklar. Denn niemand weiss, wie viele behornte Kühe und Ziegen es gibt. Aktuell wird von Beiträgen zwischen 15 und 30 Millionen Franken gesprochen. Die 30 Millionen, die den Besitzern von Hornkühen zugeteilt würden, müssten aus den Taschen anderer Landwirte genommen werden, sagte Landwirt und SVP-Nationalrat Jacques Nicolet. Er ist zudem der Meinung, dass ein Beitrag für Kühe mit Hörnern rein utopisch sei und die Verfassung und die Landwirtschaft unglaubwürdig mache

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