31.10.2018 11:41
Quelle: schweizerbauer.ch - blu
Abstimmung
Hornkuh: IG Anbindestall mit Stimmfreigabe
Am 25. November wird über die Hornkuh-Initiative abgestimmt. Die IG Anbindestall hat Stimmfreigabe beschlossen. Die Organisation will kein gegenseitiges Ausspielen von Haltungsformen. Zudem ist sich die IG nicht sicher, ob Betriebe mit Anbindehaltung tatsächlich Beiträge erhalten würden.

Sie spaltete die Landwirtschaft: Die Hornkuh-Initiative. Wie mehrere Umfragen auf schweizerbauer.ch gezeigt haben, lehnen über 80 Prozent der Bauern das Begehren von Initiant Armin Capaul ab. Gemäss den jüngsten Umfragen bei der nicht-landwirtschaftlichen Bevölkerung schrumpft der Ja-Anteil. Noch knapp 51 Prozent wollen ein Ja in die Urne legen. Armin Capaul sagte kürzlich vor den Medien, dass er einen Ja-Anteil von 80 Prozent erwartet. Soweit dürfte es nicht kommen.

Gleichbehandlung der Aufstallungssysteme


Nun hat sich auch die IG Anbindestall zur Initiative geäussert. Diese zeigt Sympathien für die Initiative. Die Leistung von Armin Capaul und seinem Team verdiene Respekt. Kühe mit Hörnern seien vor allem in Anbindeställen im Berg- und im Hügelgebiet anzutreffen. «Viele traditionelle Familienbetriebe haben in ihren Ställen Kühe mit Hörnern. Die Tiere tragen auf den Weiden zu einem schönen Landschaftsbild bei», schreibt die IG Anbindestall am späten Dienstagabend in einem Communiqué.

Trotz dieser Sympathien hat der Vorstand der IG kein Ja beschlossen und Stimmfreigabe erteilt. Man setze sich für eine Gleichbehandlung der Aufstallungssysteme ein. «Wir wollen daher kein gegenseitiges Ausspielen der verschiedenen Haltungsformen», macht die IG deutlich. Bei einer Annahme müssten Direktzahlungen in einem anderen Bereich eingespart werden.

Hornbeitrag für Anbindestall zwingend

Auch bezüglich der Umsetzung hat die IG Bedenken. Sie befürchtet, dass Betrieb mit Anbindehaltung keine Beiträge erhalten würden. Gemäss den Initianten sollen nur Betriebe einen Hornbeitrag erhalten, die beim Tierwohlprogramm Raus (Regelmässiger Auslauf im Freien) mitmachen. Armin Capaul und sein Sohn führen in Perrefitte BE einen Betrieb mit Anbindehaltung.

Sollte die Initiative angenommen werden, will sich die Organisation dafür einsetzen, dass für gehörnte Tiere in Anbindeställen ein Beitrag bezahlt werden muss. «Das Tierwohl wird in Anbindeställen bestens gewährleistet. Anbindeställe bieten ideale Voraussetzungen (Licht, Platz, Liegeflächen, Luft, Weidehaltung), um die Tierbedürfnisse optimal zu befriedigen», heisst in der Mitteilung.

Anbindeställe weisen gemäss der IG tiefere Kosten auf. Dies sei im Hügel- und Berggebiet entscheidend. Anbindeställe wiesen zudem tiefere Ammoniakemissionen auf. Anbindeställe von eventuellen Hornkuhbeiträgen auszuschliessen, würde aus der Sicht der IG Anbindestall dem Ziel der Initiative widersprechen. Die Organisation würde bei einem Ja zudem eine Erhöhung der Direktzahlungen fordern

Gemäss den Initianten soll es nur für Kühe mit Raus (Regelmässiger Auslauf ins Freie) den Hörnerbeitrag geben. Der Raus-Beitrag soll demnach «verdoppelt» werden. Tragen die Kühe Hörner und erfüllt der Bauer das Raus-Programm, soll ein Betrag 380 Franken pro Jahr und Tier ausbezahlt werden (190 Franken Raus-Beitrag und 190 Franken Hörner-Beitrag). Bei den Ziegen soll der Betrag von 38 auf 76 Franken erhöht werden. Mit der Hornkuh-Initiative soll erreicht werden, dass weniger Tiere enthornt werden. In der Verfassung soll verankert werden, dass horntragende Kühe, Zuchtstiere, Ziegen und Zuchtziegenböcke finanziell gefördert werden. Ein Verbot, die Tiere zu enthornen, sieht das Begehren aber nicht vor.

Die meisten Bauern lehnen die Initiative ab. In Laufställen können sich die Tiere frei bewegen und Rangkämpfe austragen, was zu Verletzungen führen kann. Auch für die Bauern ist die Unfallgefahr erhöht. Gegen das Enthornen sprechen auch wirtschaftliche Gründe: Hornlose Kühe brauchen weniger Platz im Stall, ein Bauer kann also mehr Tiere auf der gleichen Fläche halten.

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