23.03.2016 15:54
Quelle: schweizerbauer.ch - Reto Blunier
Hornkuh
Hornkuh-Initiative: 121'000 beglaubigte Unterschriften!
Am Mittwochnachmittag werden Bergbauer Armin Capaul und seine Mitstreiter für ihre Arbeit belohnt. Sie haben der Bundeskanzlei in Bern 120'859 Unterschriften für ihre Hornkuh-Initiative übergeben. Die Bauern müssten die Initiative ernst nehmen, erklärt Capaul im Videointerview.

Kaum jemand hatte beim Start der Hornkuh-Initiative im Herbst 2014 daran geglaubt, dass die notwendigen 100‘000 beglaubigte Unterschriften zusammen kommen würden. Doch Armin Capaul dürfte den Coup geschafft haben. Er und seine Mitstreiter haben am Mittwochnachmittag 120'859 Unterschriften eingereicht. Die Bundeskanzlei muss aber die Unterschriften noch beglaubigen. Capaul rechnet sich gute Chancen aus, dass die Stimmberechtigten das Begehren durchwinken werden.

Capaul verlangt kein Enthornungsverbot, Halter von Kühen und Ziegen sollen vom Bund unterstützt werden. Der Bergbauer aus dem Berner Jura nannte gegenüber dem „Tages-Anzeiger“ einen Richtwert von rund 500 Franken pro Kuh und Jahr. Bei den Ziegen schweben im rund 100 Franken vor. Mehrkosten entstünden nicht, betonen die Initianten. Man müsse das Geld im Landwirtschaftsbudget einfach anders verteilen.

Damit schafft sich der Bergbauer aus Perrefitte Feinde in der Landwirtschaft. Es dürfte zu einer Spaltung kommen. Bei den Mitgliedern der IG Anbindestall stösst das Begehren aus Unterstützung. Für die meisten Bauern aber, welche ihre Kühe in Laufställen halten, ist es schlicht undenkbar, die Kühe nicht zu enthornen. Die Verletzungsgefahr für Mensch und Tier sei zu gross, argumentieren sie. Rund neun von zehn Milchkühen sind heute hornlos.

Armin Capaul zeigte sich erleichtert nach der Einreichung der Unterschriften. Er habe nun 18 Monate lang gezittert. Die Unterschriften kamen vor allem aus den städtischen Gebieten und aus der Romandie. Die Bevölkerung wolle eine andere Landwirtschaftspolitik. Um die Initiative zu finanzieren, sollen die Vermögensgrenze wieder eingeführt werden und die Flächenbeiträge begrenzen. Dann habe es genügend Geld. "300'000 Franken Direktzahlungen pro Betrieb sind zuviel", so Capaul. "Das ist Industriepolitik", sagt er im Interview mit schweizerbauer.ch Die Bauern dürften die Initiative nicht unterschätzen. Sonst würde plötzlich eine Begehren lanciert, welche die jetztige Landwirtschaftspolitik abschaffen wolle.

Der Initiativtext

Die Bundesverfassung wird wie folgt geändert:
Art. 104 Abs. 3 Bst. b

3. Er (der Bund) richtet die Massnahmen so aus, dass die Landwirtschaft ihre multifunktionalen Aufgaben erfüllt. Er hat insbesondere folgende Befugnisse und Aufgaben:

b. Er fördert mit wirtschaftlich lohnenden Anreizen Produktionsformen, die besonders naturnah, umwelt- und tierfreundlich sind; dabei sorgt er insbesondere dafür, dass Halterinnen und Halter von Kühen, Zuchtstieren, Ziegen und Zuchtziegenböcken finanziell unterstützt werden, solange die ausgewachsenen Tiere Hörner tragen.

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