22.06.2016 12:36
Quelle: schweizerbauer.ch - blu
Bundesrat
"Hornkuh-Initiative": Bundesrat sagt Nein
Für das Anliegen der Initianten zeigt der Bundesrat Verständnis und anerkennt den höheren Aufwand für die Haltung von Tieren mit Hörnern. Trotzdem will er keine neuen Direktzahlungen einführen, weil damit andere Aspekte des Tierwohls beeinträchtigt werden könnten.

Die Hornkuh-Initiative fordert eine Ergänzung in der Bundesverfassung, damit Halter von horntragenden erwachsenen Rindern und Ziegen finanziell unterstützt werden können. Gemäss geltender Tierschutzgesetzgebung dürfen Tiere nur unter Schmerzausschaltung enthornt werden.

Geld umverteilen

Dass heute mehr Tiere enthornt werden als früher ist eine direkte Folge der vermehrten Laufstall- und Auslaufhaltung, die ihrerseits wesentlich zur Steigerung des Tierwohls beigetragen hat, schreibt der Bundesrat am Mittwoch.

Capaul verlangt kein Enthornungsverbot, er will Unterstützung für Halter von Kühen und Ziegen mit Hörnern. Der Bergbauer aus dem Berner Jura schwebt ein Richtwert von rund 500 Franken pro Kuh und Jahr vor. Bei den Ziegen fasst er 100 Franken pro Tier und Jahr ins Auge. Mehrkosten entstünden nicht, betonen die Initianten. Man müsse das Geld im Landwirtschaftsbudget einfach anders verteilen.

Produkte speziell ausloben

Der Bundesrat anerkennt zwar, dass der finanzielle Aufwand für die Haltung von horntragenden Tieren grösser ist. Die spezifische Förderung von hörnertragenden Tieren sei nicht zielführend. „Einerseits besteht keine Gewähr dafür, dass durch die Hornbeiträge das Tierwohl gesamthaft verbessert wird.

Die Beiträge könnten ja auch dazu führen, dass wieder mehr Anbindeställe gebaut würden. Andererseits kann der Mehraufwand teilweise kompensiert werden, indem die Produkte von behornten Tieren speziell ausgelobt und damit teurer verkauft werden können“, begründet die Landesregierung ihre Ablehnung.

Die Initiative wurde Ende März eingereicht. Knapp 120'000 Unterschriften waren gültig. Armin Capaul rechnet sich vor dem Volk gute Chancen aus. Der grösste Teil der Unterschriften sammelten die Initianten in den Städten und der Romandie.

Bei den Bauern geniesst das Begehren wenig Sympathie. Die grosse Mehrheit der Bauern und der Organisationen lehnt Capauls Initiative ab.

Der Initiativtext

Die Bundesverfassung wird wie folgt geändert:
Art. 104 Abs. 3 Bst. b

3. Er (der Bund) richtet die Massnahmen so aus, dass die Landwirtschaft ihre multifunktionalen Aufgaben erfüllt. Er hat insbesondere folgende Befugnisse und Aufgaben:
b. Er fördert mit wirtschaftlich lohnenden Anreizen Produktionsformen, die besonders naturnah, umwelt- und tierfreundlich sind; dabei sorgt er insbesondere dafür, dass Halterinnen und Halter von Kühen, Zuchtstieren, Ziegen und Zuchtziegenböcken finanziell unterstützt werden, solange die ausgewachsenen Tiere Hörner tragen.

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