25.11.2018 12:19
Quelle: schweizerbauer.ch - sda
Agrarpolitik
Hornkuh-Initiative gescheitert?
Das Anliegen ist sympathisch, eine Mehrheit fand sich dafür trotzdem nicht. Das Stimmvolk hat die Hornkuh-Initiative am Sonntag gemäss der Trendrechnung abgelehnt. Unterschriften gesammelt.

Diese hat das Forschungsinstituts gfs.bern im Auftrag der SRG erstellt. Von einem Nein-Trend ist die Rede, wenn der erwartete Nein-Anteil über 55 Prozent liegt. Das Resultat ist keine Überraschung. Nachdem die Initiative gut gestartet war, hatte sie im Lauf des Abstimmungskampfs an Unterstützung verloren. Die letzten Umfragen liessen eine Nein-Mehrheit erwarten.

Für den Bund ging es um wenig. Im Landwirtschaftsbudget sollen zwischen 10 und 20 Millionen Franken umgeschichtet werden. Damit wären die Halter von horntragenden Kühen, Stieren, Ziegen und Ziegenböcken zusätzlich unterstützt worden. Der Bund subventioniert die Schweizer Landwirtschaft mit fast 3,5 Milliarden Franken pro Jahr. Die Annahme der Hornkuh-Initiative hätte also nicht zu ernsthaften Verwerfungen geführt.

Bescheidener Beitrag

Auch für die Tierhalter ging es nicht um allzu viel. Der Initiativtext selber legte keine Beträge fest. Die Initianten regten aber an, dass es pro Kuh mit Hörnern jährlich 190 Franken geben sollte, für eine Ziege 38 Franken. Das hätte eine Milchkuh über ihre durchschnittliche Lebensdauer hinweg um rund 1000 Franken aufgewertet. Die Zusatzkosten für den Bau eines Freilaufstalls, der dem Platzbedarf gehörnter Tiere genügt, hätte dieser Betrag nicht gedeckt.

Um viel ging es nach Ansicht der Initianten aber für die Tiere. Sie argumentierten, dass das Enthornen den Kühen und Ziegen grosses Leid zufügt. Der Eingriff passiert im Alter von zwei bis sechs Wochen. Die Tiere bekommen Schmerz- und Beruhigungsmittel, bevor ihnen die Hornanlagen ausgebrannt werden. Laut den Initianten leiden viele Kühe und Ziegen danach aber unter Langzeitschmerzen.

Die Natur habe die Kühe mit Hörnern geschaffen, begründete der Bergbauer Armin Capaul seine Initiative. Der Mensch habe kein Recht, die Tiere zu verstümmeln. Ausserdem, so die Initianten, ist das Horn ein Sinnes- und Kommunikationsorgan, das auch die Qualität der Milch beeinflusst.

Waffe im Stall

Doch das Horn ist auch eine Waffe, mit der die Rangordnung in der Herde ausgefochten und der Nachwuchs beschützt wird. Der Bauer kann da leicht zwischen die Fronten geraten, oft aus Versehen und manchmal aus tierischem Unmut. Deshalb werden Kühe mit Hörnern heute in der Regel angebunden gehalten. In Freilaufställen brauchen sie mehr Platz, was Mehrkosten im sechsstelligen Bereich verursachen kann.

Hier setzten die Gegner an. Landwirtschaftsminister Johann Schneider-Ammann, der die Nein-Kampagne fast im Alleingang bestreiten musste, warnte vor einem Eigengoal für das Tierwohl: Tiere mit Hörner würden wegen der Verletzungsgefahr wieder vermehrt in Anbindeställen gehalten.

Staat sei nicht dafür verantwortlich

Seiner Ansicht nach gibt es auch keine wissenschaftlichen Belege dafür, dass die Tiere unter dem Enthornen leiden. Ausserdem sei es nicht am Staat, den Bauern vorzuschreiben, wie sie ihre Tiere zu halten hätten, argumentierte der FDP-Bundesrat in der Kampagne.

Die Initiative wollte das Enthornen jedoch nicht verbieten. Ob tatsächlich ein Bauer wegen ein paar Hundert Franken im Jahr seinen Stall umgebaut hätte, bleibt offen. Doch das Parlament hatte die Initiative klar abgelehnt, der Bundesrat musste von Amtes wegen für ein Nein werben.

Landwirtschaft vor dem Volk

Schneider-Ammann hatte im Herbst 2017 schon den Gegenvorschlag zur Ernährungssicherheits-Initiative erfolgreich ins Ziel gebracht. Im letzten September scheiterten die Ernährungssouveränitäts-Initiative und die Fair-Food-Initiative. Um die weiteren anstehenden Volksbegehren zum Thema Landwirtschaft wird sich der Nachfolger oder die Nachfolgerin von Schneider-Ammann kümmern müssen.

Die Zersiedelungsinitiative der Jungen Grünen kommt am 10. Februar 2019 zur Abstimmung. Die Pestizid-Verbotsinitiative und die Trinkwasserinitiative sind noch hängig. Für die Initiative zur Abschaffung der Massentierhaltung werden derzeit 

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