30.10.2018 16:00
Quelle: schweizerbauer.ch - blu
Abstimmung
Hornkuh: Mit Videos auf Stimmenfang
Am 25. November wird das Stimmvolk über die Hornkuh-Initiative befinden. In der Landwirtschaft ist das Begehren umstritten. Befürworter wie Gegner machen mit Videos auf sich aufmerksam.

Die Hornkuh-Initiative stösst bei den Stimmbürgerinnen und Stimmbürgern nicht überraschend auf Sympathie. Gemäss ersten Umfragen von Tamedia und der SRG will die Mehrheit zustimmen. Laut der SRG-Umfrage hätten Anfang Oktober 58 Prozent der Befragten bestimmt oder eher für das Volksbegehren gestimmt. 36 Prozent wären bestimmt oder eher dagegen gewesen.

Das ein solches Minderheitsanliegen im Ja liege, sei überraschend, sagt Politologin Martina Mousson vom Institut gfs.bern. Dies habe aber auch mit dem Problemdruck zu tun, der bei dieser Vorlage gering sei. Der «David-gegen-Goliath-Charakter» komme beim Stimmvolk gut an, so Mousson. Doch die Meinungsbildung sei noch wenig fortgeschritten.

«Entscheidend könnte sein, ob sich die Gegnerschaft formieren und aktiv in den Abstimmungskampf eingreifen wird», schreiben die Politologen. Momentan werde aus dem Bauch heraus entschieden. Das könnte die Chance der Gegner werden. Gemäss Mousson müssten diese ihre Argumente platzieren, damit aus einem Bauch- ein vermeintlicher Vernunftentscheid wird.

Bei der Tamedia-Umfrage ist das Ja-Lager mit 53 Prozent kleiner. 39 Prozent lehnen hier die Hornkuh-Initiative ab. Interessant sind die Unterschiede beim Alter der Befragten. Nur 21 Prozent der 18 bis 34-Jährigen sagen Ja, bei den über 65-Jährigen sind es mehr als das Doppelte (46 Prozent). Den grössten Anteil im Ja-Lager machen die Grünen aus, gefolgt von SP und SVP.

Befürworter wie Gegner der Initiative wollen mit Video ihre Botschaften platzieren. Die Gegner der Initiative bringen in 38 Sekunden relativ nüchtern auf den Punkt, weshalb das Begehren abzulehnen ist. Sie bringen unter anderem das Tierwohl und die Skepsis der Bauern ins Spiel. Armin Capaul wählt mit seinem Clip eine andere Strategie. Er versucht auf eine humorvolle Art, die Stimmberechtigten für ein Ja zu überzeugen.

«Ohne Hörner sieht eine Kuh traurig aus», sagte Bergbauer und Hornkuh-Initiant Armin Capaul vor den Medien in Bern. Für die Initianten geht es letztlich um die Würde der Kreatur. Es gehe hingegen nicht um ein Verbot der Enthornung durch Ausbrennen bei Jungtieren. Den Weg einer Initiative habe er beschritten, weil Petitionen und andere Eingaben bei Bundesrat und Parlament wirkungslos geblieben seien, sagte Capaul. Er ist frohen Mutes für die Abstimmung vom 25. November.

Mit seiner Initiative schafft sich der Bergbauer aus Perrefitte BE in der Landwirtschaft nicht nur Freunde. Es dürfte zu einer Spaltung kommen. Die meisten Bauern lehnen die Initiative ab. In Laufställen können sich die Tiere frei bewegen und Rangkämpfe austragen, was zu Verletzungen führen kann. Auch für die Bauern ist die Unfallgefahr erhöht. Gegen das Enthornen sprechen auch wirtschaftliche Gründe: Hornlose Kühe brauchen weniger Platz im Stall, ein Bauer kann also mehr Tiere auf der gleichen Fläche halten.

Gemäss den Initianten soll es nur für Kühe mit Raus (Regelmässiger Auslauf ins Freie) den Hörnerbeitrag geben. Der Raus-Beitrag soll demnach «verdoppelt» werden. Tragen die Kühe Hörner und erfüllt der Bauer das Raus-Programm, soll ein Betrag 380 Franken pro Jahr und Tier ausbezahlt werden (190 Franken Raus-Beitrag und 190 Franken Hörner-Beitrag). Bei den Ziegen soll der Betrag von 38 auf 76 Franken erhöht werden. Mit der Hornkuh-Initiative soll erreicht werden, dass weniger Tiere enthornt werden. In der Verfassung soll verankert werden, dass horntragende Kühe, Zuchtstiere, Ziegen und Zuchtziegenböcke finanziell gefördert werden. Ein Verbot, die Tiere zu enthornen, sieht das Begehren aber nicht vor.

Beim Enthornen werden Kälbern im Alter von zwei bis drei Wochen nach vorgängiger Betäubung die Hornanlagen mit einem Brennstab entfernt. Bauern dürfen dies selbst tun, wenn sie einen entsprechenden Kurs absolviert und einen Sachkundenachweis erbracht haben.

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