25.09.2014 07:43
Quelle: schweizerbauer.ch - Raphael Bühlmann
Nationalrat
«Ich erachte die Preispolitik bei der Milch als nicht besonders intelligent»
«Ecken sind noch nicht abgeschliffen» Walter Müller ist der letzte aktive Landwirt unter den FDP-Nationalräten. 2015 stellt sich Gemüsebauer Müller zur Wiederwahl.

«Schweizer Bauer»: Walter Müller, Sie sind Milch- und Gemüseproduzent in Azmoos SG. Sind Sie zufrieden mit der Ernte 2014?
Walter Müller: Eine besondere Herausforderung war dieses Jahr sicher, den enormen Krankheitsdruck im Griff zu haben. Jetzt hoffen wir einfach noch auf gutes Wetter während der herbstlichen Erntezeit. Das wird die Bilanz am Ende des Jahres deutlich verbessern.

Ihren Betrieb führt mittlerweile ihr Sohn. Sie selber haben das Pensionsalter erreicht. Sie könnten es in Zukunft eigentlich ruhiger angehen. Trotzdem stellen Sie sich 2015 zur Wiederwahl als Nationalrat. Was treibt Sie an?
Das ist wohl in der Politik wie im Beruf das Gleiche. Man hat Ziele, will etwas erreichen und ist motiviert. Wenn man dazu noch spürt, dass die Arbeit geschätzt wird und der Erfolg sich einstellt, so ist es noch nicht Zeit, die Hände in den Schoss zu legen. Zudem ist mein politisches Leben noch jung, und ich denke meine Ecken und Kanten sind noch keineswegs abgeschliffen – was übrigens nicht so einfach möglich wäre. Es freut mich, wenn ich als bisheriger FDP-Landwirt wieder für die Bäuerinnen und Bauern antreten darf.

Wieso fehlt der FDP der bäuerliche Nachwuchs?
Nun, es gibt auch in der FDP politischen Nachwuchs. So haben wir vor einigen Jahren die freisinnigen Bäuerinnen und Bauern Schweiz gegründet. Wir machen regelmässig bei Vernehmlassungen mit und setzen uns vor allem für eine produzierende Landwirtschaft ein. Da würden wir uns in den anderen Parteien noch etwas mehr Verbündete wünschen. Persönlich bin ich auch aus historischen Gründen liberal. Der Kanton St.Gallen war ein Kulturkampfkanton, und so blieben die Reformierten beim Freisinn und die Katholiken bei der KK (CVP). Man verzichtete auf die Gründung einer BGB.

Können denn die Anliegen eines jungen Bauern mit dem Grundsatz des Freisinns kompatibel sein?
Unbedingt. Grundsätzlich ist sehr wichtig, dass das ländliche Gedankengut in allen bürgerlichen Parteien vertreten bleibt. Wenn das verloren gehen würde, hätten wir mehr zu kämpfen für landwirtschaftliche Anliegen. Es ist ja auch nicht so, dass sich die Landwirtschaft dem Markt verschliessen will. Im Gegenteil, wir brauchen unsere Exportmärkte. Immer da wo es möglich und sinnvoll ist, sind Handelsabkommen begrüssenswert. Wir wollen einfach mit gleich langen Spiessen eine faire Chance haben.

Ist die Öffnung der weissen Linie für Sie sinnvoll? 
Nein, das ist keine Option. Für eine Öffnung müsste man in der Schweiz andere Produktionsbedingungen haben. Wir sind mit unserem sehr hohen Kostenumfeld einfach nicht wettbewerbsfähig in dem Bereich. Ich sehe auch nicht ein, dass man in der Schweiz die Löhne unter Schutz stellt und dennoch immer weniger für Nahrungsmittel ausgeben will. Das hat für mich schon fast ausbeuterische Züge, wenn andere für einen Hungerlohn für die reichen Schweizer Nahrungsmittel produzieren müssen. Es ist auch volkswirtschaftlich eine Dummheit, die Nahrungsmittelpreise in den Keller zu fahren und die Leistungen der Landwirtschaft immer mehr über Steuergelder zu finanzieren. Das ist höchstens für diejenige eine Option, die uns abhängig machen wollen.

Wie beurteilen Sie die Situation auf dem Milchmarkt?
Grundsätzlich bin ich der Meinung, dass der Milchpreis nie so tief hätte fallen müssen. Die zuständigen Organisationen und die Politik haben versagt. Ich habe auch eine Preisdifferenzierung nie unterstützt. Ich erachte die aktuelle Preispolitik bei der Milch als nicht besonders intelligent. Im Gemüsebereich hätten wir das niemals gemacht. Da werden für das Verarbeitungsgemüse jeweils einmal pro Jahr Preisverhandlungen geführt, welche in der Regel sehr hart sind, an die sich aber alle halten. Diesbezüglich braucht es im Milchmarkt wieder deutlich mehr Disziplin.

Welche landwirtschaftlichen Themen beschäftigen Sie derzeit weiter?
Die aktuelle Agrarpolitik geht in die falsche Richtung. Durch diese Reform steigt einmal mehr die Fremdbestimmung durch den Staat, und die unternehmerische Freiheit der Bauern wird eingeengt. Auch muss man immer mehr «Produkte» erzeugen, welche gar nicht marktfähig sind. Angesichts der steigenden Weltbevölkerung sollten die agrarpolitischen Anreize wieder Richtung Produktion gehen. Beiträge für Steinhaufen oder das Sammeln von Kuhfladen sind zu beseitigen.

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