29.03.2013 10:34
Quelle: schweizerbauer.ch - sda
Raumplanung
Immer mehr Menschen in der Schweiz besitzen eine Wohnung
Immer mehr Menschen in der Schweiz kaufen Eigentumswohnungen. Gleichzeitig steigen die Mietzinsen: Zwischen 2000 und 2010 nahmen sie um über 20 Prozent zu.

Trotz Tiefstzinsen und einer Teuerung von nur 9 Prozent zahlten  Mieter in der Schweiz Ende 2010 über einen Fünftel mehr für ihre  Wohnungen als zehn Jahre zuvor, nämlich durchschnittlich 1284  Franken. Eine 3-Zimmer-Wohnung - die meist gemietete Wohnkategorie -  kostete im Schnitt rund 250 Franken mehr als Ende 2000.

Gemäss der am Donnerstag veröffentlichten Strukturerhebung zum  Wohnungswesen des Bundesamts für Statistik (BFS) sind die kantonalen  Unterschiede gross. Während der durchschnittliche Mietpreis im  Kanton Zug 1740 Franken betrug, bezahlte ein Mieter im Kanton Jura  nur gut die Hälfte.

Mieterverband empört

Der Schweizerische Mieterverband reagierte empört auf die neu  publizierten Zahlen. «Es braucht Massnahmen gegen die hohen  Wohnkosten, insbesondere bei Neuvermietungen», teilte er mit.

Im untersuchten Zeitraum sei der Referenzzinssatz von 4,5 Prozent  auf 3,0 Prozent gesunken. Profitiert davon hätten die Eigentümer,  nicht aber die Mieter. Der Verband fordert deshalb eine klare  Begrenzung der Mietzinsaufschläge bei Vermietungen.

Tiefer Leerwohnungsbestand

Den Grund für die höheren Mietzinsen liegt laut dem Verband  Wohnbaugenossenschaften Schweiz (WBG) darin, dass viel zu wenige  Wohnungen leer stehen. In Städten und Agglomerationen liege der  Leerwohnungsbestand bei 0,5 Prozent und tiefer. Für einen  funktionierenden Markt müsste er aber mindestens 1 bis 2 Prozent  betragen.

Die grosse Wohnungsnachfrage biete darum Raum für Spekulationen.  «So steigen viele Mieten trotz tiefer Hypothekarzinsen», teilte der  Verband auf Anfrage der Nachrichtenagentur sda mit.

Kauf als Alternative

Höhere Mieten, mehr Wohneigentümer: Der WBG stellt diese beiden  Untersuchungsergebnisse des BFS denn auch miteinander in Verbindung.  «Für finanzkräftigere Haushalte ist der Erwerb von Wohneigentum  wirtschaftlich eine attraktive Alternative geworden.»  Wohneigentum sei dabei nicht grundsätzlich schlecht. Doch wenn  die Entwicklung so weitergehe, könnte dies in eine gefährliche  Richtung gehen. «Die derzeit tiefen Zinsen verlocken viele  Wohnungssuchende zum Wohneigentumserwerb - und bringen sie unter  Umständen finanziell an Grenzen, insbesondere, wenn die Zinsen  wieder steigen», schreibt der WBG.

Anhaltender Trend

Ende 2010 lebten laut BFS 36,8 Prozent der Bevölkerung in ihrer  eigenen Wohnung. Dies entspricht 1'264'900 Haushalten. Die  Strukturerhebung der eidgenössischen Volkszählung 2010, die nur  Wohnungen berücksichtigte, bestätigte damit den Trend der früheren  Jahrzehnte.

Seit 1970 ist die Wohneigentumsquote nämlich stetig angestiegen.  1970 lag sie noch bei 28,5 Prozent, bei der Volkszählung im Jahr  2000 gaben schon 34,6 Prozent der Haushalte eigenes Wohneigentum an.  Im internationalen Vergleich bleibt die Quote jedoch tief: In der EU  liegt sie im Schnitt bei 60 Prozent.

Grosser Wunsch nach Eigenheim

Für Hans Egloff, den Präsidenten des Hauseigentümerverbands  Schweiz (HEV), sind die aktuellen Zahlen wenig überraschend. Die  tiefen Hypothekarzinsen der vergangenen Jahre hätten nichts anderes  erwarten lassen.  Zudem träumen laut seinen Angaben drei Viertel der Schweizer  Bevölkerung davon, ein Eigenheim zu besitzen. «Der Trend entspricht  dem Wunsch der Grossteil der Leute», sagte Egloff auf Anfrage der  sda.

Egloff hofft, dass sich die Wohneigentumsquote weiter erhöhen  wird. Dies sei auch sozialpolitisch von Bedeutung, weil  Wohneigentümer sesshafter seien als Mieter und sich deshalb mehr für  das Gemeinwesen einsetzten. Zudem sei Wohneigentum eine sichere Form  der Altersvorsorge.

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