22.11.2013 13:21
Quelle: schweizerbauer.ch - sda
Raumplanung
In 24 Jahren wurde die Fläche des Genfersees zubetoniert
Die Siedlungsfläche in der Schweiz hat innert 24 Jahren um 584 Quadratkilometer zugenommen. Das entspricht der Grösse des Genfersees oder zehnmal der Fläche Manhattans. Auch die Waldfläche ist grösser geworden.

Verlierer sind die Landwirtschaftsflächen, wie die am Freitag  veröffentlichte Arealstatistik des Bundesamts für Statistik (BFS)  zeigt. BFS-Direktor Georges-Simon Ulrich sprach vor den Medien in  Bern vor einer «starken Wandlung» innert der untersuchten 24 Jahre:  Zwischen 1985 und 2009 wurde rund ein Siebtel der Landesfläche  umgestaltet.

Die Siedlungsfläche nahm innert dieser Zeit um fast einen  Viertel zu. Besonders stark war das Wachstum unter anderem zwischen  Genf und Lausanne sowie zwischen Olten und Zürich, aber auch im  ländlichen Raum des Mittellandes.

Das Siedlungswachstum schwächte sich jedoch zuletzt ab. In der  ersten Hälfte der untersuchten Zeitperiode war es stärker als in  der zweiten. Das Wachstum verlagerte sich zudem: In den letzten  zwölf Jahren nahm die Siedlungsfläche vor allem in ländlichen und  touristischen Gemeinden zu, während vorher vor allem grössere Orte  betroffen gewesen waren.

Die neuen Siedlungsflächen entstanden zu 90 Prozent auf  Kulturland, vor allem auf Wiesen, Weiden und Ackerland.  Siedlungsflächen bedeuten aber nicht automatisch zubetonierte  Böden: Rund ein Drittel der Siedlungsflächen ist nicht versiegelt.

1,1 Quadratmeter Kulturland pro Sekunde geht verloren

Innert den untersuchten 24 Jahren verschwand in der Schweiz  Kulturland in der zehnfachen Grösse des Zürichsees. Das entspricht  einem Rückgang von 5,4 Prozent. Pro Sekunde gingen 1,1 Quadratmeter  Kulturland verloren.

Am stärksten war der Rückgang im Mittelland mit 1,6 Quadratmeter  pro Sekunde. Die verschwundenen Landwirtschaftsflächen wurden  mehrheitlich in Siedlungsflächen und zu einem kleineren Teil in  Wald, Gehölze und unproduktive Flächen verwandelt.

Geröll statt Gletscher

Die Waldfläche hat innert 24 Jahren um 3,1 Prozent zugenommen.  Der Zuwachs beschränkte sich hauptsächlich auf den Alpenraum; im  Mittelland blieb die Waldfläche praktisch gleich.

Stabil blieb insgesamt auch der Anteil der so genannten  unproduktiven Flächen - obwohl ein Viertel der Gletscher  verschwand. Zugenommen haben im Gegenzug die vegetationslosen  Flächen wie Felsen oder Geröll.

Ziel nicht erreicht

«Unsere Siedlungspolitik ist noch nicht nachhaltig genug»,  urteilte Maria Lezzi, Direktorin des Bundesamts für Raumentwicklung  (ARE), angesichts dieser Zahlen. Der Kulturlandverlust sei nach wie  vor hoch; vor allem im Mittelland verschwänden hochwertige  Ackerböden.

Die Siedlungsfläche pro Person liege nun bei über 400  Quadratmeter; das vom Bundesrat formulierte Ziel wurde damit knapp  verfehlt. «Es besteht weiterhin Handlungsbedarf, um die  Zersiedelung zu stoppen und das Kulturland zu schützen», sagte  Lezzi. Das vom Volk angenommene revidierte Raumplanungsgesetz sei  ein politischer Auftrag zum Handeln.

Laut BFS-Direktor Ulrich wären die bebaubaren Flächen der  Schweiz in etwas mehr als 400 Jahren verbaut, wenn das  Siedlungswachstum wie in den letzten 24 Jahren weitergehen würde.

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