22.07.2015 06:11
Quelle: schweizerbauer.ch - Raphael Bühlmann
Geruchsemissionen
«In Kleindörfern gehört die Landwirtschaft dazu»
Für die SL darf es in einem Bauerndorf ein wenig stinken. Mindestabstände sollen hier flexibler gehandhabt werden.

Das Schweizer Gesetz sieht vor, dass Ställe bis zu 200 Meter von Wohnhäusern entfernt gebaut werden müssen, um deren Anwohner von Geruchsemissionen zu schützen. Dies führt mitunter auch dazu, dass produzierende Landwirte auch von kleinen Dörfern aussiedeln. Dadurch müssen wiederum zusätzliche landwirtschaftliche Flächen überbaut werden. Daran stört sich die Stiftung Landschaftsschutz Schweiz (SL).

Flexiblere Anwendung

Wie der «Tages-Anzeiger» schreibt, wolle die Organisation nun mit einem Bündel von Forderungen an die Öffentlichkeit treten. So sollen unter anderem Geruchsvorschriften gelockert oder Emissionen durch technische Einrichtungen reduziert werden. «Vor allem bei Schweine- und Geflügelställen sollten Abluftreinigungsanlagen installiert werden», erklärt Raimund Rodewald, SL-Geschäftsleiter. Für deren Finanzierung müssten auch die Bauern einen Beitrag leisten.

«Es ist aber zu diskutieren, ob solche Anlagen nicht über landwirtschaftliche Investitionskredite unterstützt werden sollen», so Rodewald weiter. Dessen Hauptanliegen ist aber eine flexiblere Gestaltung der FAT-Richtlinien betreffend Mindestabständen bei Tieranlagen. «Man muss akzeptieren, dass in kleineren Dörfern die Landwirtschaft dazugehört», so Rodewald. Man könne da nicht die gleichen Abstände zur Anwendung bringen wie in Ballungsgebieten.

Bestehendes nutzen

Laut dem «Tages-Anzeiger» erhält Rodewald in seinem Vorhaben Unterstützung von der Kleinbauern-Vereinigung (VKMB). Dass immer mehr grosse Ställe in unberührten Landschaften gebaut würden, sei für Präsidentin Regina Fuhrer eine Folge der «Wachstumslogik», der die aktuelle Agrarpolitik gehorche.

Aber sind grosse Ställe nicht effizienter?, ist man gewillt zu fragen. Verbraucht ein grosser Betrieb an einem Standort im Verhältnis zu den gehaltenen Tieren nicht weniger Boden als zwei oder drei kleinere Betriebe mit demselben Tierbestand? Regina Fuhrer ortet den Nutzen der SL-Forderungen darin, dass bereits bestehende Strukturen besser genutzt werden könnten. «Bei wachsenden, sich vergrössernden Betrieben wird oft ein Neubau in der Landwirtschaftszone auf dem Kulturland nötig. Die Ökonomiegebäude in den Dörfern stehen dann leer», erklärt die VKMB-Präsidentin.

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