19.01.2018 16:30
Quelle: schweizerbauer.ch - sal
Indonesien
Indonesier warnen vor Palmöl
Zwei indonesische Bauernsöhne erzählten, wie bei ihnen für den Palmölexport Land geraubt wird. Das bestärkt die Getreideproduzenten und die Organisation Brot für alle im Widerstand gegen ein Freihandelsabkommen

Seit dem Jahr 2010 verhandelt die Schweiz mit dem ostasiatischen Land Indonesien über ein Freihandelsabkommen. Damit Indonesien bereit ist, die Zölle für Schweizer Maschinen zu senken und die Märkte für Schweizer Medikamente und Dienstleistungen wie Versicherungen zu öffnen, soll die Schweiz mehr indonesisches Palmöl ins Land lassen.

Denn Indonesien ist der grösste Exporteur von Palmöl weltweit, die Regierung setzt stark auf diesen Wirtschafszweig. Der Bauernverband kämpft im Rahmen einer Allianz mit Nichtregierungsorganisationen (NGOs) gegen einen Zollabbau beim Palmöl, weil er dadurch den Rapsanbau gefährdet sieht. Die jüngste Frucht dieser Zusammenarbeit war ein Medientermin bei der Mühle Briseck in Zell LU, den die Organisation «Brot für alle» eingefädelt hatte.  

«Umwelt wird zerstört» 

Anton Widjaya und Yuyun Harmono von der indonesischen Umwelt- und Menschrnrechtsorganisation Walhi berichteten, dass die Expansion der Ölpalm-Plantagen in ihrem Land weiter vorangehe. Dafür werde einerseits wertvoller Regenwald gerodet und für immer zerstört, andererseits würden Einheimische, Kleinbauern und Selbstversorger um ihre Landnutzungsrechte betrogen.

«Sie verlieren das Land, auf dem sie vorher Reis, Früchte und Gemüse für sich und für den lokalen Markt anbauten. Als Landlose müssen sie in die Stadt ziehen oder sich zu prekären Arbeitsbedingungen als Angestellte auf einer der riesigen Ölpalmplantagen verdingen», so Harmono.

Vom grossen Geschäft mit dem Palmölexport könne die lokale Bevölkerung nicht profitieren. Das Absurde sei, dass sein Land Palmöl exportiere und gleichzeitig immer mehr Lebensmittel aus Nachbarländern einführen müsse. Für Bauernsohn Harmono ist klar: Die internationale Nachfrage nach Palmöl muss sinken. 

«RSPO ist keine Lösung»

Keine Lösung ist aus der Sicht Harmonos der Nachhaltigkeitsstandard RSPO, auf den auch in der Schweiz Detailhändler und Verarbeiter setzen. Für ihn ist das nichts anderes als «Greenwashing», eine umweltzerstörende und sozial hochproblematische Produktionsweise werde mit dem Label RSPO zu Unrecht als «grün» dargestellt.

Die Kontrollen seien ungenügend und kaum möglich. Es sei für die lokale Bevölkerung sehr schwierig, Verstösse einzuklagen,Verfahren dauerten sehr lange, so Harmono. Und wenn einmal doch eine fehlbare Firma vom RSPO ausgeschlossen werde, dürfe sie schon nach kurzer Zeit das Label wieder führen.  

Standesinitiative: Der Thurgauer Landwirt und Kantonsrat Daniel Vetterli (SVP) war am Dienstag auch in Zell LU. Er hat  eine Standesinitiative eingereicht, die den Ausschluss des Palmöls aus den Freihandelsverhandlungen mit Malaysia fordert. Mit 86 zu 23 Stimmen fand Vetterli eine Mehrheit. Nun liegt sein Vorstoss im Bundeshaus. Vetterli sagt: «In der Schweiz achten wir auf ökologische und soziale Werte, mit Abkommen dürfen wir diese nicht verraten.» Im Kanton Waadt hat Landwirt Philippe Jobin (SVP), im Kanton Bern die Geschäftsfrau und Bäuerin Annegret Hebeisen-Christen (SVP) ähnliche Standesinitiativen lanciert. sal 
Die Mühle Briseck GmbH in Zell LU gehört dem ETH-Agronomen Peter Ulrich. Seit 2005 stellt er dort Rapsöl her. Als Einziger in der Schweiz  presst er   die Rapssamen zu 100% nur einmal und nur kalt. Das gibt einen besseren Geschmack, aber die Ausbeute ist tiefer (30% gegenüber  38%). Von 100 Landwirten in der Region bezieht er im Jahr rund 500 Tonnen Rapssamen. Der Rapspresskuchen geht zurück an Landwirte in der Region, denen er in der Rinderfütterung als Proteinträger dient. Ulrich bietet auf www.kaltgepresst.ch auch Sonnenblumenöl und Chiliöl (Chili aus Wolhusen LU) an. sal 
Raps: Laut Zahlen des Schweizerischen Getreideproduzentenverbands (SGPV) bauen in der Schweiz rund 6500 Produzenten auf rund 24000 ha Raps an. Raps ist wichtig in der Fruchtfolge und ist sehr gesund, weil er viele hochwertige ungesättigte Fettsäuren hat. Der SGPV befürchtet bei einem totalen Zollabbau für Palmöl via Freihandelsabkommen rund 74 Millionen Franken Verlust an Produktionswert für die Schweizer Raps- und Sonnenblumenproduzenten. Der SGVPV nimmt an: Das Schweizer Holl-Rapsöl wird ganz ersetzt, der Standardraps sinkt auf die Hälfte der heutigen Menge, für den Rest wird nur noch der halbe Preis bezahlt. Raps würde wohl zur Nischenproduktion werden. sal
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