23.12.2016 08:01
Quelle: schweizerbauer.ch - Interview: Samuel Krähenbühl, Rudolf Haudenschild
BIG-M
«Industrie will billige Milch exportieren»
Die Basisorganisation BIG-M hielt gestern Abend ihre Jahresversammlung ab. Präsident Martin Haab nimmt zu aktuellen Themen wie etwa der Nachfolgeregelung zum Schoggigesetz Stellung.

«Schweizer Bauer»: Es gibt angeblich momentan zu wenig Milch auf dem Markt. Haben Sie als Milchproduzent schon etwas davon gemerkt?
Martin Haab: Zumindest an der Tendenz des Milchpreises merke ich das nicht. Und wenn ich die vorläufigen Zahlen der Treuhandstelle Milch für den November anschaue, dann sind anscheinend etwa 5% weniger Milch abgeliefert worden. Momentan sind die Milcheinlieferungen also etwa auf dem gleichen Niveau wie vor der Aufhebung der Kontingentierung.  Fakt ist, dass einige grössere Betriebe aufgehört haben. Und diese Produktion wird jetzt nicht mehr einfach wie früher ersetzt. Das ewige Gejammer, dass es zu viel Milch habe, stimmt zumindest jetzt nicht mehr. Der Milchpreis müsste also steigen.

Die Branchenorganisation Milch (BOM) hat ihre Vorstellungen über eine Nachfolgeregelung zum Schoggigesetz bekannt gemacht. Was sagen Sie dazu?
Ich verstehe nicht, warum man um jeden Preis die Menge von 7 bis 8% fürs Schoggigesetz erhalten will. Man macht es nur aus dem Grund, damit die Industrie billige Schweizer Milch verarbeiten und im Ausland verkaufen kann. Die BOM will nun aber nicht nur das Schoggigesetz, sondern auch die Lactofama ersetzen. Also mit Bundesgeld Fett entsorgen. Der Bundesrat hat behauptet, dass man das Geld für die Direktzahlungen gebe und es beim Bauern bleiben müsse. Das stimmt aber nun wohl nicht. Wir werden also eine Milchpreissenkung von 3 bis 4 Rappen pro Kilog haben. Ich bin nicht a priori gegen Fonds für Überschussverwertung. Es darf aber nicht sein, dass hier die BOM und damit die Verarbeiter die Hände drinhaben. Die Gelder gehören den Produzenten. Und über die Verwendung der Gelder müssen die Bauern bestimmen. Dann können die Bauern etwa auch sagen, dass sie einen freiwilligen Lieferverzicht machen. Oder sonst irgendeine Selbsthilfemassnahme, um die Marktlage zu verbessern. Aber das ist natürlich nicht im Interesse der Industrie.

Was macht BIG-M 2017?
BIG-M hat sich in den letzten Jahren vor allem zum Milchmarkt geäussert. Wir werden uns in Zukunft auch zu anderen Themen – etwa zur Initiative für Ernährungssicherheit –  äussern.

Sie stehen dem Gegenentwurf des Ständerats ablehnend gegenüber. Warum?
Der Gegenvorschlag und die Initiative werden  Thema sein für BIG-M. Für uns war es immer wichtig, dass die Schweizer Milchproduktion anständig entschädigt wird. Wir waren schon gegen den Käsefreihandel mit der EU. Tatsächlich ist das  für die Bauern schlecht herausgekommen. Damit ist Tür und Tor geöffnet für weitere Abkommen in anderen Bereichen. Dann sind die Grenzen offen. Und dagegen wehren wir uns. Für uns ist es beschämend, dass selbst der Bauernverband nichts aus dem Debakel Käsefreihandel gelernt hat. So wird Käse zu absoluten Tiefstpreisen exportiert. Im Juni 2016 wurde beispielsweise Frischkäse für 1.30 Franken pro Kilo nach Italien exportiert. Der Importpreis aus Italien für die gleiche Kategorie hingegen betrug 5.30 Franken pro Kilo. Das ist symptomatisch: Was wir an Käse ausführen, ist in den meisten Fällen billiger als das, was wir importieren. Und der Gegenvorschlag will nun solche Handelsbeziehungen wie etwa den Käsefreihandel in die Verfassung schreiben.

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