3.10.2017 13:40
Quelle: schweizerbauer.ch - sda
Initiative
Initiative für Tierversuchsverbot
Tierversuche sollen in der Schweiz verboten werden. Dies fordert eine Volksinitiative, die am Dienstag in Bern lanciert wurde. Die 100'000 Unterschriften müssen bis zum 3. April 2019 gesammelt werden.

Die Initiative «Ja zum Tier- und Menschenversuchsverbot - Ja zu Forschungswegen mit Impulsen für Sicherheit und Fortschritt» ist am Dienstag lanciert worden - rund 80 Organisationen und Unternehmen unterstützen das Anliegen. Tierversuche gelten demnach als Tierquälerei und werden als «Verbrechen» eingestuft.

Nach der Annahme der Initiative soll auch der Handel sowie die Ein- und Ausfuhr von Produkten verboten werden, für die Tierversuche durchgeführt werden mussten. Gemäss den Initianten ist diese Aussage nicht korrekt. Es sollte wie folgt heissen: "für bereits ausgetestete Produkte und Methoden bleibt alles beim Alten. Es gilt: " Nach Inkrafttreten des Tierversuchsverbotes sind Handel, Einfuhr und Ausfuhr von Produkten aller Branchen und Arten verboten, wenn für sie weiterhin Tierversuche direkt oder indirekt durchgeführt werden; bisherige Produkte bleiben vom Verbot ausgenommen, wenn für sie keinerlei Tierversuche mehr direkt oder indirekt durchgeführt werden."

Bio-Dummy-System als Ersatz

Laut den Initianten sind Tierversuche wissenschaftlich umstritten. Es gebe keine Erfolgskontrolle bei den sogenannten «Tiermodellen». Viele Substanzen, die im Tierversuch erfolgversprechend gewesen seien, könnten die Hoffnungen bei der Verabreichung am Menschen nicht erfüllen. Trotzdem würden Tierversuche im Vergleich mit Alternativmethoden immer noch als «Goldstandard» angesehen.

Das Initiativ-Komitee setzt sich aus Vertretern von SP, Grünen und zahlreichen Parteilosen zusammen - sie fordern, dass die bisherigen Tierversuche von sogenannten «Bio-Dummy-Systemen» abgelöst werden. Diese sind computergestützt und funktionieren auf der Grundlage von menschlichen Zellen und Geweben. Als Vorbild dienen dabei die Crash-Test-Dummys in der Automobilindustrie. Die neuen Massnahmen sollten laut den Initianten mindestens die gleiche Unterstützung der öffentlichen Hand erhalten wie zuvor die Tierversuche.

Zahl der Tierversuche rückläufig

Laut dem Bundesamt für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen (BLV) dürfen Tierversuche in der Schweiz bislang nur durchgeführt werden, wenn «keine Alternativen zur Verfügung stehen». 2016 wurden 629'773 Tiere für Versuche eingesetzt. Dies entspricht laut BLV einem Rückgang von 7,7 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Drei Viertel der Tiere seien dabei «keiner oder einer leichten Belastung ausgesetzt» gewesen. Zwei Drittel der verwendeten Tiere waren Mäuse.

Die Schweiz habe schon heute eine der umfassendsten Tierschutzgesetzgebungen weltweit, so das BLV. Jeder einzelne beantragte Tierversuch müsse von einer kantonalen Tierversuchskommission begutachtet werden.

Tierversuchsverbot an der Urne gescheitert


Es ist nicht die erste Initiative hierzulande, die sich mit dem Verbot von Tierversuchen beschäftigt: Im Jahr 1992 wurde eine Vorlage vom Stimmvolk abgelehnt, die eine «drastische und schrittweise Einschränkung der Tierversuche» vorgesehen hätte. 2007 war im Kanton Genf eine Initiative gegen Tierversuche nicht zustande gekommen. Die Schweizer Liga gegen Vivisektion (SLGV) hatte zu wenig Unterschriften eingereicht.

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