15.11.2017 11:10
Quelle: schweizerbauer.ch - sal
Solothurn
«Initiativen sind nicht von uns»
An der Delegiertenversammlung der Bio Suisse in Olten SO sprach Präsident Urs Brändli die beiden laufenden Anti-Pestizid-Initiativen an. Er stellte klar, dass nicht Bio Suisse dahinter stehe.

Vielmehr seien es besorgte Bürgerinnen und Bürger, die diese Themen an die Öffentlichkeit trügen. Die weltweiten Protestwellen gegen den hohen Pestizideinsatz sind nicht von Bioorganisationen gestartet worden.

Ebenso wenig gelte das für die beiden Volksinitiativen «Für sauberes Trinkwasser» und «Für eine Schweiz ohne synthetische Pestizide», die unabhängig und ohne Unterstützung von Bio Suisse am Laufen seien.

Auf die vom «Schweizer Bauer» lancierte Diskussion darüber, dass Trinkwasser-Initiantin Franziska Herren nach aktuellem Stand auch Bio-Bauern sämtliche Direktzahlungen entziehen möchte, die u.a. Kupfer oder Paraffinöl einsetzen, ging Brändli aber nicht ein. Er stellte fest, dass sich viele konventionell produzierende Landwirte angegriffen fühlen, wenn Biobauern das Wort «Pestizide» in den Mund nehmen, so wie es Bio Suisse im laufenden Jahr mit ihrer Kampagne «Mehr Bio – weniger Pestizide» getan hat. 

Erhalt der Bodenfruchtbarkeit nicht gegeben

Brändli betonte, dass sich die Schweizer Knospe-Betriebe seit Jahrzehnten für einen schonenden und nachhaltigen Umgang mit Umwelt und Natur ein. «Wir wollen vitale Böden, die einer wachsenden Bevölkerung auch in 100 Jahren noch als Lebensgrundlage dienen», so der Biolandwirt aus Goldingen SG. Dass die langfristige  Fruchtbarkeit der Böden in der Schweiz nicht gesichert sei, habe selbst das BLW im Agrarbericht von 2014 festgehalten.  

Es sei also höchste Zeit, dass die Gesellschaft ihr Verhalten und ihre Gewohnheiten hinterfragt. Dann machte Brändli eine weitreichende Aussage, mit der er viele Umweltprotestierende in die Pflicht nimmt: «Nur wer sich konsequent mit nachhaltig produzierten oder verarbeiteten Lebensmitteln ernähre, darf sich über eine intensive Landwirtschaft beschweren.»   

Gesamten Einkaufszettel umschreiben

Es sei nie die Absicht gewesen, die konventionell produzierenden Berufskollegen pauschal an den Pranger zu stellen. «Bio Suisse ist sich der Marktmechanismen sehr wohl bewusst. Die Landwirtschaft produziert das, was die Konsumentenschaft bestellt!», so Brändli. So lange Lebensmittel äusserlich perfekt und dazu möglichst billig sein sollen, bleibe den Kollegen gar keine andere Wahl, als die bekannten, aber eben auch umweltbelastenden Hilfsmittel anzuwenden. Bio Suisse wolle, dass die gesamte Gesellschaft ihren Einkaufszettel umschreibt! 

Abwarten bei den Pestizid-Initiativen
Zu den zwei Anti-Pestizid-Initiativen hat der Bio-Suisse-Vorstand «Abwarten» beschlossen. Das Anliegen geniesse Sympathie bei den Biobauern und Biokonsumenten, erklärte Martin Bossard, Politik-Verantwortlicher bei Bio Suisse. Er liess durchblicken, dass Bio Suisse bei der Trinkwasser-Initiantin Franziska Herren nun Druck macht, damit sie  nicht mehr auch auf im Bio-Landbau eingesetzte Pestizide  zielt. Der «Schweizer Bauer» hatte ja aufgedeckt, dass Herren auch Bio-Bauern, die z. B. Kupfer oder Paraffinöl einsetzen, alle Direktzahlungen streichen will. Der Aargauer Delegierte Dieter Scheibler drängte  auf eine Nein-Parole. Er sagte, pestizidfreie Produktion sei auch im Gemüsebau derzeit unmöglich, und mit Bio-Güggeli-Ställen in den Bergen wäre dann auch  fertig. Auch Franz Steiner von der Markenkommission Import nannte die Initiative ein Problem. sal
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