15.05.2014 13:52
Quelle: schweizerbauer.ch - sda
Bundesrat
Insektenverzehr: Bundesrat bleibt skeptisch
Die Waadtländer Nationalrätin Isabelle Chevalley (Grünliberale) gibt nicht auf, wenn es um den Verzehr von Insekten geht: Nach dem Aufsehen um ihren ersten Vorstoss hat sie nachgedoppelt und vom Bundesrat weitere Auskünfte verlangt. Der Bundesrat bleibt jedoch skeptisch.

Insekten zu essen, ist in der Schweiz nicht verboten. Wer Heuschrecken oder Mehlwürmer als Lebensmittel anbieten will, braucht aber eine Bewilligung.

Keine generelle Erlaubnis

Eine generelle Erlaubnis lehnt der Bundesrat ab. Dafür müsste belegt werden, dass Insekten die Gesundheit nicht gefährdeten, hatte er in seiner Antwort auf den ersten Vorstoss Chevalleys geschrieben. Dies sei nicht möglich, denn bis heute fehlten verlässliche Daten.
Die Nationalrätin der Grünliberalen, die Insekten als ökologische Alternative zu Fleisch betrachtet, lässt dies nicht gelten.

In einem weiteren Vorstoss fragte sie den Bundesrat, ob es nicht sinnvoller wäre, den Nachweis zu verlangen, dass ein bestimmtes Insekt seit langem vermarktet und von Tausenden verzehrt werde, um dessen Zulassung in der Schweiz zu erlauben.

Zwergbandwurm wegen Mehlwürmern

Der Bundesrat verneint dies: Die Tatsache, dass Insekten in anderen Teilen der Welt konsumiert werden, beweist aus seiner Sicht noch nichts. Mehlwürmer etwa könnten den Zwergbandwurm übertragen, an dem weltweit über 70 Millionen Menschen litten, gibt er zu bedenken. In den meisten Fällen bleibe der Befall unbemerkt, Symptome wie Bauchschmerzen und Durchfall würden anderen Ursachen zugeschrieben.

Mehlwürmer wurden auch an der Insektendegustation für Parlamentarierinnen und Parlamentarier angeboten, zu welcher Insektenliebhaberin Chevalley in der Frühjahrssession im Bundeshaus geladen hatte. Allerdings in Form eines Burgers - möglicherweise eine ungefährlichen Zubereitung. Darauf kommt es nämlich auch an, wie der Bundesrat festhält.

Insektenverordnung wäre möglich

Chevalley erkundigte sich weiter, welche Gesetzesänderungen nötig wären, damit gewisse Insekten in der Schweiz auf den Markt gebracht werden könnten. Laut Bundesrat könnte eine Aufnahme von Insekten bei den Ausführungsbestimmungen zum neuen Lebensmittelgesetz geprüft werden. Eine Liste der zulässigen Insekten müsste sich indes auf jene Arten beschränken, für welche belegt sei, dass sie für den menschlichen Konsum geeignet seien.

Schliesslich fragte Chevalley, warum Rundmäuler, Manteltiere und Stachelhäuter - Tiere wie Seeigel und Seesterne - vermarktet werden dürften, wo für diese doch auch keine Daten existierten.

Dazu schreibt der Bundesrat in der am Donnerstag veröffentlichten Antwort, die Regeln für Fischerzeugnisse seien auf europäischer Ebene harmonisiert. Für Arten wie Stachelhäuter, Rundmäuler und Manteltiere seien spezifische Hygienebestimmungen und Höchstmengen an Kontaminanten definiert.

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