29.08.2015 07:20
Quelle: schweizerbauer.ch - Raphael Bühlmann
Zuckerrüben
«Jetzt muss man sich für den Zucker einsetzen»
Ueli Brauen hat genug. Für ihn hat die neue Anbauvereinbarung für Zuckerrüben das Fass zum Überlaufen gebracht. Mit dem Komitee «Rettet den Schweizer Zucker» will er etwas gegen die Misere unternehmen.

«Schweizer Bauer»: Die Anbauvereinbarung 2016 wurde kürzlich an die Rübenpflanzer gesandt, sind Sie zufrieden?
Ueli Brauen: Am letzten Samstag habe ich die Vereinbarung studiert und eine Kostenrechnung aufgestellt, das hat für mich das Fass zum Überlaufen gebracht. Ich habe mir gesagt, jetzt musst du dich für den Zucker einsetzen, sonst ist der Zuckerrübenanbau in der Schweiz bald Geschichte.

Die Zuckerrüben waren bis jetzt aber etwas vom Rentabelsten im Ackerbau.
Dies ist aber derzeit nur noch dank dem Bundesbeitrag der Fall. Ich habe mir gesagt, dass es doch nicht sein kann, dass sich niemand gegen die aktuellen Entwicklungen wehren will. Klar, man könnte den Anbauvertrag einfach nicht unterschreiben und auf eine Ersatzkultur ausweichen. Wenn aber viele Produzenten ausstiegen, hätte dies zur Folge, dass die Produktionskosten bedeutend anstiegen.

Gibt es Anzeichen, dass viele aussteigen?
Ich habe in den vergangenen Tagen sehr viele Kontakte geführt. Dabei kam ganz klar zum Ausdruck, dass Zuckerrübenpflanzer von Genf bis Romanshorn sich über einen Ausstieg Gedanken machen.

Auf welche Kulturen werden die Rübenbauern ausweichen können?
Um das geht es gar nicht. Es geht darum, dass nach der heutigen Agrarpolitik ein Blumenfeld mehr wert ist als ein Zuckerrübenfeld. Da frage ich mich, kann das sein? Verstehen Sie mich richtig, ich finde ökologische Elemente wichtig in der Schweizer Landwirtschaft, aber man sollte doch die Lebensmittelproduktion für die Ernährung noch etwas höher gewichten.

Grosskundgebung

Das Komitee «Rettet den Schweizer Zucker» organisiert eine Grosskundgebung,  um sich für einen fairen Zuckerpreis einzusetzen. Zuckerrübenpflanzer, Angehörige und Betroffene sind aufgefordert, sich für die Kundgebung in Kirchberg zu versammeln. Setzen Sie zusammen mit dem Veranstalter ein Zeichen.

Die Veranstaltung findet wie folgt statt:
Mittwoch 9. Sept. 2015, 19.00 Uhr bis etwa 21.00 Uhr
Bütikofenstrasse, auf dem Höchfeld in 3422 Kirchberg
Für weitere Informationen und Auskünfte steht Organisator Ueli Brauen gerne zur Verfügung: 079 631 32 63
rettetdenschweizerzucker.ch

Und was wollen Sie an der aktuellen Situation ändern?
Da ich mit meinem Lohnunternehmen mit Rüben zu tun habe und diese auch im Blut habe, sehe ich mich gezwungen, etwas gegen die Misere zu unternehmen. Darum habe ich letzten Samstag mit dem Organisieren einer Kundgebung begonnen. Dabei hat mich jedes Telefonat, das ich gemacht habe, darin bestärkt, dieses Vorhaben umzusetzen. Ich habe herausgehört, wie tief der Frust bei den betroffenen Bauernfamilien sitzt.

Was haben Sie konkret unternommen?
Am letzten Mittwochabend habe ich mit gleichgesinnten Zuckerrübenpflanzern die erste Organisationssitzung für eine Kundgebung «Rettet den Schweizer Zucker» abgehalten. Das gegründete Komitee wird in der nächsten Woche über den Inhalt der Kundgebung informieren.

Was ist das Ziel des von Ihnen gegründeten Komitees «Rettet den Schweizer Zucker»?
Unser Ziel ist, möglichst  viele Zuckerrübenpflanzer für unsere Sache zu gewinnen. Je mehr Zuckerrübenpflanzer wir mobilisieren können, desto grösser sind die Chancen auf Erfolg für den Schweizer Zucker. Natürlich sind nicht nur Pflanzer an dieser Kundgebung erwünscht, sondern grundsätzlich alle, die an einer produzierenden Landwirtschaft interessiert sind.

 

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