9.06.2018 06:06
Quelle: schweizerbauer.ch - ral
Bern
«Jürg Iseli ist ein Praktiker»
Grosser Bahnhof am Glütschbach. Dabei gibt es dort gar keinen. Ein paar Hundert Gäste wohnten dem staatsmännischen Empfang des neuen Grossratspräsidenten Jürg Iseli bei. Ein Novum für Zwieselberg BE.

Einen dunkelbraunen Anzug trugen beide. Einer war schon da und unterhielt sich mit den ersten Gästen. Der andere wurde mit einem Reisecar erwartet.  Um ihn ging es am Donnerstagabend: Jürg Iseli, seit Montag neuer Präsident des bernischen Grossen Rates.

Die beiden gleichen sich aufs Haar, denn Jürg und Hanspeter Iseli sind Zwillinge. «Wenns einem mal unpässlich ist, könnte ja der andere kommen. Das merkt nicht jeder», scherzte Ueli Zurbuchen, Gemeindepräsident von Zwieselberg, der Wohngemeinde der beiden.

Doch nur Jürg Iseli trug heute eine Krawatte. Beide begannen ihre politische Karriere im Gemeinderat für die SVP, Jürg war Gemeindepräsident, und Hanspeter ist heute Bauvorstand.

Ehrensalut und Diplom

Wie es das Protokoll vorschreibt, stellte sich die Ehrenformation des Kantons Bern in ihren alten Uniformen  auf.  Jürg Iseli schritt sie ab, hielt die Ohren zu: Zweimal ein Chlapf, und das Fest konnte beginnen.

Parteikollege und Regierungspräsident Christoph Neuhaus stellte fest: «Bei dir ist das Grossratspräsidium in besten Händen, praktisch, pragmatisch und unkompliziert.» Als Präsident der Finanzkommission von 2012 bis 2017 habe er sein Können bewiesen. 

Seit 2005 im Grossen Rat, ist er seiner Zeit voraus und wurde für seinen konsequenten Umgang mit den elektronischen Medien als «papierloser Grossrat» bezeichnet. Auch die Buchhaltung seines Hofs führt er mit einer Digitalapp.

Fraktionspräsidentin Madeleine Amstutz bringt seine Qualitäten auf den Punkt und überreicht ihm ein Diplom als «grossrätlicher GMV». GMV? «Steht für gesunden Menschenverstand.» Jürg Iseli selbst nutzt die Gelegenheit, Akzente zu setzen. «Der Ausbau von leer stehenden Bauten in der Landwirtschaftszone muss ermöglicht werden. Und der Kanton Bern muss attraktiver werden, indem er die Steuern senkt.»

Viehzucht hat Tradition

An der Stallwand stechen die Holztafeln ins Auge: Zuchtfamilienschau Fürst, Fabienne und Mosel. Die Viehzucht gehört neben der Politik zu den Dingen, die den Iselis Freude bereiten. Das hat Tradition: Iselis Bethli wurde 1926 an der Weltausstellung in Mailand vorgeführt und erreichte dort den ersten Preis in Milchleistung mit einer Höchstleistung von 6425 kg. 

Die Vorfahren  von Jürg und Hanspeter waren drei Brüder. «Christian war kinderlos, Ernst bauerte  später in Ringoldingen. Sein Sohn, unser Vater, übernahm den Betrieb am Glütschbach. Hans, der dritte, wanderte nach Argentinien aus», erzählt Hanspeter. Auf die Zeit auf der Alp freut sich Jürg besonders: Trotz der strengen Arbeit sei das halt fast so etwas wie Ferien.

Der Betrieb der Meisterlandwirte Jürg und Hanspeter Iseli liegt am Glütschbach in Zwieselberg, am Fusse des Stockhorns. Er umfasst 38 Hektaren landwirtschaftliche Nutzfläche und ist auf Milchwirtschaft und Viehzucht ausgerichtet.  Dazu gehören 70 Kuhrechte auf der Alp Abendberg in  der Gemeinde Erlenbach. Dort wird der Viehbestand von 40 Red-Holstein- und von Swiss-Fleckviehkühen und 57 Stück Jungvieh gesömmert. Weiter werden 200 Mastschweine gehalten. Die vier Tonnen Alpkäse, die während des Sommers entstehen, werden ab Betrieb vermarktet. Das übrige Lieferrecht von 200000 kg wird  als Molkereimilch an die Aaremilch geliefert. Viehzucht ist bei Iselis seit jeher eine Passion. Überzählige Tiere werden über Auktionen verkauft. Als Ergänzung werden drei Hektaren Mais angebaut. Nebst den beiden Betriebsleiterpaaren arbeitet ein Lehrling mit. Auf dem Betrieb ist ein Partyraum, die Glütschstube, eingerichtet. Diese wird jährlich während rund 50 Tagen für verschiedene Anlässe genutzt und in der Regel vermietet. ral

SCHWEIZER BAUER
BEKANNTSCHAFTEN
DER SCHWEIZER BAUER AUF YOUTUBE