27.04.2017 17:48
Quelle: schweizerbauer.ch - blu/sda
Tierwohl
Kälber: Tierwohl weiter verbessern
Der Bundesrat will prüfen, wie das Wohl von Kälbern besser gefördert werden könnte. Insgesamt zieht er aber eine positive Bilanz. Immer mehr Milchkühe haben demnach regelmässig Auslauf im Freien.

Nach dem Tierwohl erkundigt hatte sich Nationalrat Louis Schelbert (Grüne/LU). Der Strukturwandel führe zu immer grösseren Milchviehbetrieben, hält er fest. Grossbetriebe setzten zunehmend auf ganzjährige Stallhaltung und verzichteten aufs Weiden.

Schelbert: Bei grossen Betrieben kleinerer RAUS-Anteil

Bei Milchviehbetrieben mit über hundert Kühen sei die Beteiligung am Programm «regelmässiger Auslauf im Freien» (RAUS) erheblich tiefer als im Durchschnitt und dazu rückläufig. Tiefe Weideanteile fänden sich auch bei der Haltung von Kälbern und Mastvieh, stellt Schelbert fest. Er fragt den Bundesrat, was er dagegen zu tun gedenke. Schelbert fragt den Bundesrat, wie er das Weiden von Kälbern und Mastvieh via das RAUS-Programm in Zukunft besser fördern wolle.

Zudem will der Luzerner Nationalrat wissen, weshalb der Bund für die Einzelhaltung eines Kalbes auf 3,5 Quadratmeter Fläche und davon einem ungedeckten Auslaufanteil von 1 Quadratmeter gleich hohe RAUS-Beiträge ausrichtet wie für das Weiden von Kälbern, welches ein deutlich höheres Tierwohl generiert, aber mehr Fläche und Arbeit benötigt.

RAUS: Bei Kühen und Rindern Zielwert erreicht

Der Bundesrat betätigt die Tendenz zu immer grösseren Betrieben in der Milchproduktion. Insgesamt steige aber der Anteil der Milchkühe, die im RAUS-Programm gehalten würden, nach wie vor an, schreibt er in seiner am Donnerstag veröffentlichten Antwort. Das mit der Agrarpolitik 2014-2017 postulierte Ziel einer Beteiligung von 80 Prozent an RAUS sei bei Kühen und Rindern erreicht.

2015 waren 85 Prozent der Milchkühe, die in einer Herde von über 50 Tieren lebten, im RAUS-Programm. Bei Herden kleiner als 50 Milchkühe lag der Anteil bei 82 Prozent. Somit sind Aussagen von Schelbert entkräftet. "Da Betriebe bei einer Vergrösserung der Herde oftmals auch in besonders tierfreundliche Haltungssysteme investieren, ist die Entwicklung für das Tierwohl nach wie vor positiv zu werten", hält der Bundesrat fest.

Bei Kälbern noch Defizite

Bei Kälbern und Jungtieren gebe es noch Defizite, räumt der Bundesrat ein. In einem nächsten Schritt sei daher zu prüfen, wie deren Tierwohl besser gefördert werden könnte. Die Ausgestaltung der Tierwohlprogramme beim Mastvieh und den Kälbern hat laut dem Bundesrat mit der ursprünglichen Haltungsform in Ställen ohne Auslauf zu tun. Für diese Tiere sei eine Auslaufvariante in einem Laufhof eingeführt worden, da Mastmunis und Kälber nicht ohne zusätzliche Sicherheitseinrichtungen geweidet werden könnten und eine Weidehaltung eine ganz andere Fütterungsstrategie bedeute.

Weil der Anteil der Kälber mit Auslauf ins Freie bis 2012 sehr gering war, wurde mit der Agrarpolitik 2014-2017 der RAUS-Beitrag für Kälber von 180 auf 370 Franken pro Grossvieheinheit erhöht. "Die Bewegung an der frischen Luft für Kälber wurde dabei wichtiger eingestuft, als das Weiden, weshalb auf eine Differenzierung verzichtet wurde", schreibt der Bundesrat. Die Beteiligung entwickele sich positiv. Bis 2016 hat sich die Beteiligung auf 39.5 Prozent erhöht.

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