21.01.2015 11:09
Quelle: schweizerbauer.ch - sda
Handel
Keine «Pflästerli-Politik» wegen starkem Franken
Wirtschaftsprofessor Aymo Brunetti warnt nach der Wechselkursfreigabe vor einer kurzfristigen «Pflästerli-Politik» und rät von Subventionen für die Exportwirtschaft ab. Die derzeit wichtigste wirtschaftspolitische Frage sei, wie es weitergehe mit den Bilateralen Schweiz-EU.

Nach dem Entscheid der Schweizerischen Nationalbank (SNB) von vergangener Woche, den Euro-Mindestkurs aufzugeben, empfiehlt der frühere Chefökonom des Bundes den Blick nach vorne zu richten. In einem Interview mit der Neuen Zürcher Zeitung (NZZ) vom Mittwoch stellt Brunetti fest, dass es keinen Sinn mache darüber zu spekulieren, ob es ein guter oder schlechter Entscheid gewesen sei. Man könne nicht mehr zurück.

Gegen Subventionen für Export und Tourismus

Falls sich der Euro bei etwa 1 Franken einpendeln werde, würde dies zu einer starken Verschlechterung der Wirtschaftslage führen. «Wenn der Euro sogar unter die Parität fällt und dort bleibt, würde mich auch eine Rezession nicht überraschen», so Brunetti. Laut Brunetti sollte sich die Wirtschaftspolitik auf das mittel- bis längerfristige Wachstum konzentrieren. Gegen extreme Währungsausschläge könne nur die Nationalbank etwas machen und diese werde wohl auch in Zukunft aktiv werden.

Vor allem abzuraten sei von Subventionsprogrammen für die Exportwirtschaft. Die Exporteure und besonders auch die Tourismuswirtschaft werden laut Brunetti nicht darum herumkommen, sich auf einen starken und volatilen Franken einzustellen. Konjunkturprogramme sind für Brunetti höchstens in einer schweren Rezession sinnvoll. «Davon sind wir weit entfernt. Die Diskussion darüber ist somit stark verfrüht», glaubt Brunetti.

Bilaterale sind zentral

Positive Anzeichen, die man mit kurzfristigen Politikmassnahmen nicht erreichen könnte, ortet der Ökonom im wieder attraktiveren Dollar. Zudem gebe es im Euro-Raum zumindest ersten Anzeichen einer konjunkturellen Besserung. Die Erdölpreise stellten auch eine Art Kostensenkungsprogramm dar.

«In der Wirtschaftspolitik ist für mich im Moment die Frage Nummer 1, wie es weitergeht mit den bilateralen Verträgen Schweiz-EU», stellte Brunetti fest. Der Erhalt der Bilateralen bei der Umsetzung der Einwanderungsinitiative sollte jetzt eine noch grössere Priorität bekommen. Laut Brunetti wäre ein Wegfall der Bilateralen verheerend.

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