10.07.2016 08:10
Quelle: schweizerbauer.ch - Daniel Salzmann
Organisationen
Kleinbauern-Vereinigung kennt ihre Bauern nicht
Der Schweizer Bauernverband SBV hinterfragt die Bäuerlichkeit der Kleinbauern-Vereinigung. Diese weiss nicht, wie viele Bauern sie in ihren Reihen hat.

An der Medienkonferenz der Agrarallianz in Kirchlindach BE von vergangener Woche ergriff am Ende Biobäuerin Regina Fuhrer als Präsidentin der Kleinbauern-Vereinigung das Wort und stellte klar: «Wir sind als bäuerliche Organisation dezidiert gegen die Initiative für Ernährungssicherheit.» An ihren Anlässen betont die Kleinbauern-Vereinigung aber immer, dass sie Bauern und Konsumenten in einer Organisation vereine.

«Haben wir nicht erfasst»

Auf die unmittelbar danach gestellte Frage, wie viele (direktzahlungsberechtigte) Landwirte und wie viele Konsumenten denn bei der Agrarallianz Mitglied sind, verweist SP-Grossrätin Fuhrer den Schreibenden an die Geschäftsstelle. Sie werde sich aber das Recht nicht nehmen lassen, ihre Vereinigung als bäuerliche Organisation zu bezeichnen, auch wenn einige Exponenten des Bauernverbandes (der die Initiative massgeblich lanciert hat) dies hinterfragen würden, schob sie hinterher.  

Geschäftsführerin Barbara Küttel liefert die Antworten: «Die Kleinbauern-Vereinigung hat aktuell gut 5000 Mitglieder und 7000 Spender. Hinzu kommt eine grössere Anzahl Sympathisantinnen und Sympathisanten.» Leider sei bisher nicht erfasst worden, wer aktiver Landwirt oder aktive Landwirtin sei. Sie könne somit nicht sagen, wie das Verhältnis zwischen Landwirten und Konsumenten sei. «Wir sind aber klar eine Bauern- und Konsumentenorganisation, da beide Gruppen bei uns vertreten sind», so Küttel. In der Branche zu hören ist, dass die Spender grösstenteils aus dem städtischen, also nicht bäuerlichen Milieu stammen sollen.

«Auf Inhalte fokussiert»


Weiter schreibt Küttel: «Aus heutiger Sicht ist es natürlich bedauerlich, dass der berufliche Hintergrund unserer Mitglieder, Spender und Sympathisanten nie erfasst wurde.» Die Kleinbauern-Vereinigung als kleine Organisation habe auf die Inhalte fokussieren wollen und nicht auf die Mitgliederadministration und das Fundraising.

Sie weist aber darauf hin, «dass wir seit Kurzem den beruflichen Hintergrund bei unseren Neumitgliedern erfassen». Aber das bringe der Vereinigung im Moment noch nicht viel.

Im Vorstand 7 zu 2

Küttel betont: «In unseren Statuten ist klar definiert, dass mehr als die Hälfte der Vorstandsmitglieder praktizierende Landwirte sein müssen (also einen namhaften Teil des Erwerbseinkommens aus der Landwirtschaft beziehen).» Aktuell sei das Verhältnis 7 bäuerliche Vertreter zu 2 Konsumentenvertretern.

Und dieser Vorstand sei es gewesen, der  die Nein-Parole der Kleinbauern-Vereinigung zur Initiative für Ernährungssicherheit gefasst habe. Als einzige bäuerliche Organisation lehnt sie die Initiative ab, weil der heutige Verfassungsartikel 104 sehr gut sei und die Initiative keine Lücke decke.  

Grosse Geschichte

Gegründet wurde die Kleinbauern-Vereinigung (VKMB)1980 durch René Hochuli (Vater der Aargauer Regierungsrätin Susanne Hochuli) und 200 Bäuerinnen und Bauern. 1983 reichte die VKMB  die erste Kleinbauern-Initiative ein. 1989 übernahmen Nationalrat Ruedi Baumann (Grüne, BE) und Alois Rölli das Ko-Präsidium. 1992 war die VKMB bei der Bauern- und Konsumenteninitiative dabei, 1993 lancierte sie die zweite Kleinbauern-Initiative.

1995 war ein Triumph-Jahr für die VKMB: Das Volk sagte dreimal Nein zu Zwangsabgaben, Milchkontingentehandel und Landwirtschaftsartikel. Der aus der VKMB ausgetretene Lorenz Kunz schrieb 2013: «Die Vereinigung VKMB war einst eine interessante, angesehene und auch einflussreiche Organisation. Es gab HV, welche schon mal von 500 Bauern und Bäuerinnen besucht wurden, auch ohne Gratismittagessen. Heute nehmen nur noch knapp 40 Personen teil.» sal 

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