6.02.2014 15:33
Quelle: schweizerbauer.ch - blu
Kleinbauern
Kleinbauern wehren sich gegen Bodenmanns Attacken
Mit der provokativen Aussage «10‘000 Bauern sind genug» löste der ehemalige Präsident der SP Schweiz, Peter Bodenmann, in der Landwirtschaftsbranche ein grosses Echo aus. Die Kleinbauern-Vereinigung wendet sich nun mit einem offenen Brief an den Walliser.

Der Alt-Nationalrat ging in der „Schweiz am Sonntag" vom 26. Januar 2014 gegenüber den Bauern zum Frontalangriff über. „In der Schweiz arbeiten viel zu viele Menschen in der Landwirtschaft. Und auch in deren vor- und nachgelagerten Betrieben", schrieb Bodenmann. Deshalb müssten die Zölle – mit oder ohne Freihandelsabkommen – auf europäisches Niveau gesenkt werden. Nicht „umsteigewillige“ Bäuerinnen und Bauern sollen "sozialverträglich frühpensioniert" werden.

Und im gleichen Artikel holt er zum nächsten Schlag aus. „Jeder Haushalt hätte durchschnittlich 3000 Franken mehr reale Kaufkraft“, so Bodenmanns Folgerung. Junge Bauern würden anstelle von Portugiesen Autos flicken, und junge Bäuerinnen anstelle von Polinnen die Alten pflegen. "10'000 Bauernbetriebe können locker eine Million Hektaren bewirtschaften. Und mehr Fläche haben wir nicht", lautet das Fazit des ehemaligen SP-Parteipräsidenten. Viele Leserinnen und Leser von schweizerbauer.ch kommentierten den Artikel. Den meisten stiessen die Worte von Bodenmann sauer auf.

Steile Wiesen würden verganden

Und auch die Kleinbauern-Vereinigung (VKMB), deren Präsidentin Regina Fuhrer SP-Mitglied ist, wehrt sich in einem offenen Brief gegen die Aussagen von Bodenmann. Die Idee «Gross ist besser, da effizienter» gelte allenfalls für andere Industrien. Der bodengebundenen Landwirtschaft aber, welche nachhaltig Lebensmittel produziert und das Kulturland pflegt, seien klare Grenzen gesetzt, so der VKMB. Mit ausschliesslich grossen Betrieben sei dies nicht möglich. Diese würden sich auf wenige Betriebszweige spezialisieren und produzierten kapital- und ressourcenintensiv, aber wenig standortgerecht.

Dies hätte negative Folgen für die Artenvielfalt und die landwirtschaftlichen Nutzflächen. Steile Wiesen würden aufgrund Zeitmangel nicht mehr gepflegt. „Eine reine Weidenutzung dieser Parzellen führt zu einer Reduktion der Artenvielfalt, keine Nutzung fördert in vielen Gebieten die Vergandung“, führt der VKMB aus.

Bevölkerung will keine zu grossen Betriebe

Die Topografie der Schweiz verlange grosse und kleine Betriebe. Und die ideale Betriebsgrösse sei abhängig vom Standort und von den Ideen und Ansprüchen der Betriebsleitenden, hält die Vereinigung fest. Die Konsumenten in der Schweiz wollen gemäss VKMB keine Massentierhaltung, deshalb seien mittels Bestandes-Obergrenzen in der Tierhaltung klare Grenzen gesetzt.

Gemäss dem Verfassungsartikel soll die Landwirtschaft zur sicheren Versorgung der Bevölkerung, zur Erhaltung der natürlichen Lebensgrundlagen und zur Pflege der Kulturlandschaft, sowie zu der dezentralen Besiedelung des Landes einen wesentlichen Beitrag leisten, schreibt das VKMB. „Diesen Verfassungsauftrag könnten 10‘000 Grossbetriebe nicht im Sinne der Schweizer Bevölkerung erfüllen“, heisst es weiter. In der Landwirtschaft würden weiterhin viele Hände in kleinen wie auch grossen Betrieben benötigt.

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