10.12.2019 13:53
Quelle: schweizerbauer.ch - sda
Klimawandel
Klimagipfel: Schwierige Verhandlungen
Riesiger Andrang, Dutzende Kameras, gestresste Türsteher: Auf der Uno-Klimakonferenz in Madrid ist die Aktivistin Greta Thunberg mit grossem Rummel empfangen worden. Die Schwedin nutzte die Aufmerksamkeit am Montag aber vor allem, um anderen Gehör zu verschaffen.

Sechs junge Menschen von den Marshallinseln, den Philippinen, aus Uganda und weiteren Ländern berichteten stattdessen von den bedrohlichen Folgen des Klimawandels für ihre Heimat. Unterdessen rangen Fachleute aus knapp 200 Staaten, darunter die Schweiz, um Regeln, nach denen Staaten beim Klimaschutz zusammenarbeiten sollen. 

«Wir haben bemerkt, dass wir einige Medienaufmerksamkeit bekommen», sagte Thunberg, die gemeinsam mit ihrer deutschen Mitstreiterin Luisa Neubauer eingeladen hatte. Nicht ihre Geschichte müsse erzählt und gehört werden, sondern vor allem die der Menschen im globalen Süden. «Denn der Klimanotfall ist nicht nur etwas, das uns in der Zukunft betrifft», sagte sie. «Er betrifft schon heute zahllose Menschen.» 

Extreme Wetterereignisse

Die jungen Aktivisten berichteten von Überschwemmungen, Dürren, Überfischung und Krankheiten in ihren Heimatländern. Wissenschaftlern zufolge wächst das Risiko solcher extremen Wetterereignisse mit dem Klimawandel stark.

«Wir bezahlen für etwas, das wir nicht verursacht haben - denn wie produzieren weniger als 0,00001 Prozent der weltweiten Treibhausgas-Emissionen», sagte ein Umweltschützer von den Marshallinseln, einem der kleinsten Staaten der Erde. 

«Unsere Leben sind nicht verhandelbar», mahnte eine Aktivistin aus Chile. Später demonstrierten junge Leute von Fridays for Future im Freien lautstark singend und hüpfend für mehr Tempo beim Klimaschutz.

Mit den Fortschritten der Klimakonferenz dürften sie bisher kaum zufrieden sein. Der Zeitplan sieht vor, dass die Staaten erst am nächsten Klimagipfel im nächsten Jahr in Glasgow ehrgeizigere nationalen Pläne zum Einsparen von Treibhausgasen vorlegen.

Lücken schliessen

Ziel der gegenwärtigen Konferenz ist unter anderem, letzte Lücken im Regelwerk zur Umsetzung des Pariser Klimaabkommens zu schliessen - mit diesem Abkommen soll die Erderwärmung auf deutlich unter zwei Grad begrenzt werden. 

Konkret geht es um Marktmechanismen, nach denen Länder beim Klimaschutz zusammenarbeiten können sollen - so dass ein Land, aber auch Städte oder Unternehmen sich Treibhausgas-Minderungen anrechnen können, die sie in einem anderen Land finanzieren.

Beobachter kommentierten die Verhandlungen besorgt. Es sei völlig unklar, ob die Länder sich einigten, sagte Klimaexpertin Ann-Kathrin Schneider von der deutschen Organisation BUND der Nachrichtenagentur DPA. Die Gefahr bestünde, dass Länder die Regeln nutzen könnten, um weniger Klimaschutz zu Hause zu machen. Die Regelung dürfe nicht zum «Verschiebebahnhof von klimapolitischer Verantwortung» werden. Die Konferenz dauert noch bis Freitag.

SCHWEIZER BAUER
BEKANNTSCHAFTEN
DER SCHWEIZER BAUER AUF YOUTUBE